Was du zu Rollstuhl & Elektrorollstuhl wissen solltest – Ein kleiner Ratgeber

Als medizinisches Hilfsmittel kannst du einen Rollstuhl bei der Krankenkasse beantragen, wenn du aus ärztlicher Sicht darauf angewiesen bist. Dabei ist es egal, ob du ihn nur vorübergehend benötigst oder auf Dauer. Die Gründe für die Verschreibung eines Rollstuhls sind vielfältig: eine Operation, ein Unfall, eine fortschreitende Erkrankung – all das kann dich so sehr in deiner Mobilität einschränken, dass du ohne fahrbaren Untersatz nicht mehr im Alltag zurechtkommst. Die Kassen unterscheiden zwischen unterschiedlichen Rollstuhltypen: Standardmodell, Leichtgewichtrollstuhl, Multifunktionsrollstuhl, Aktivrollstuhl und Elektrorollstuhl.

Rollstuhl: Kosten und Preise

Bei der Auswahl des passenden Händlers kommt es darauf an, was für einen Rollstuhl du brauchst. Denn die Anbieter sind spezialisiert, und nicht jeder hat jede Rollstuhl-Variante im Angebot.

Die Preise für Rollstühle beginnen ab etwa 270 Euro. Dafür bekommst du ein Standardmodell. Du kannst aber auch mehrere Tausend Euro auf den Tisch legen. ein Elektrorollstuhl kann schon mal 10.000 Euro kosten – je nach Ausstattung und Modell. Rechnen kannst du mit Preisen ab 270 Euro für den faltbaren Standardrollstuhl, knapp 300 Euro für einen Leichtgewichtrollstuhl, knapp 900 Euro für einen Pflegerollstuhl und 2.500 Euro für einen Elektrorollstuhl – Kostengrenze jeweils nach oben offen, abhängig von deinen individuellen Bedürfnissen.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten unter bestimmten Voraussetzungen, nämlich wenn du ein Rezept vom Arzt vorlegst, auf dem möglichst genau die medizinische Notwendigkeit festgestellt, diese möglichst genau in der Verordnung beschrieben und das von dir bevorzugte Modell auch von der Kasse so genehmigt wird. Dann musst du lediglich bis zu zehn Euro bezahlen. Das entspricht der gesetzlichen Zuzahlung für Hilfsmittel.

Wusstest du schon?

Die Kassen sind im Sinne aller Versicherten verpflichtet, immer nur die günstigste mögliche Variante zu genehmigen. Deshalb hast du keinen Anspruch darauf, dass ein Rollstuhl nagelneu ist – es kann passieren, dass du nur einen gebrauchten Rollstuhl aus dem Kassen-Pool bekommst. Dieser muss dann allerdings in einwandfreiem Zustand sein. Wenn du unbedingt einen neuen oder einen besseren Rollstuhl haben möchtest, dann kannst du diesen auch selbst bezahlen. Von der Kasse werden in diesem Fall allerdings nur die Kosten erstattet, die sie aufgrund deines Anspruchs auch für das günstigere Modell übernommen hätte.

Rollstuhl über die Krankenkasse: So läuft das ab

Wenn du die Verordnung vom Arzt bekommen hast, dann kannst du direkt bei der Kasse nach Händlern fragen. Denn je nach Krankenkasse und Bundesland gibt es verschiedene Vereinbarungen mit einzelnen Anbietern.  Wenn du dann ein Modell beim Fachhändler ausgewählt hast, macht der Anbieter für die Kasse einen Kostenvoranschlag. Diesen reichst du bei der Kasse ein. Das übernimmt aber in der Regel auch der Händler für dich. Zusätzlich müssen die Verordnung des Arztes und ein ausgefüllter Formvordruck der Kasse beigefügt werden. Dann wird dein Antrag geprüft.

So denn alles glatt läuft, wird die Krankenkasse die Kosten übernehmen und der Anbieter kann den Rollstuhl liefern. Sofern du sehr dringend den Rollstuhl brauchst, die Kasse aber aus welchen Gründen auch immer etwas länger braucht, rufe ruhig den zuständigen Sachbearbeiter an und frage nach. So kannst du die Bearbeitungszeit eventuell etwas beschleunigen. 

Hinweis

Die Kassen haben einen Pool mit verfügbaren Rollstühlen und Verträge mit bestimmten Sanitätshäusern, aus denen ein passender für dich in Frage kommen wird. Häufig vermitteln die Kassen deshalb an einen bestimmten Händler – gerade, wenn es um Standardmodelle geht. Wenn die Krankenkasse dann die Kosten für deinen Rollstuhl trägt, gehört der Rollstuhl ihr. Du bist nicht der Eigentümer, sondern hast ihn nur von der Kasse geliehen. Deshalb darfst du den Rollstuhl auch nicht einfach weiterverkaufen. Wenn der Rollstuhl nicht mehr gebraucht wird, dann musst du bei der Kasse nachfragen, was du jetzt damit machen sollst.

Wartung und Ersatzteile

Wenn deine persönlichen Vorstellungen die Zuzahlung der Kasse übersteigen und du einen großen Anteil aus eigener Tasche bezahlst, dann bedenke: Die Wartung des Rollstuhls wird in diesem Fall in der Regel nicht mehr von der Kasse übernommen. Denn sobald du das Gros des Rollstuhls bezahlt hast, bist du Eigentümer und musst die Wartungskosten selbst tragen. Kläre das vorab unbedingt ab, damit du weißt, wer für welche Kosten geradesteht und wer am Ende Eigentümer ist.  Eventuell kannst du in so einem Fall eine sogenannte „Mischfinanzierung“ anstreben. Dabei bezahlt die Kasse das, was medizinisch notwendig ist, und du kommst für den Rest auf. Wenn etwas kaputt ist, wendest du dich in der Regel direkt an den Händler, der dir den Rollstuhl zur Verfügung gestellt hat.

The driver or the driven: Welcher Rollstuhl ist der richtige?

Einen passenden Rollstuhl zu finden – da hilft als allererste Frage gleich vorweg dieselbe weiter, die Autohändler einem Kunden bei der Anschaffung einer Luxus-Edel-Karosse stellen: „Are you the driver or the driven?“ Klingt komisch? Ist es nicht. Denn wenn du als Angehöriger für ein Familienmitglied oft den Rollstuhl schieben wirst oder jemand dich permanent schieben muss ergeben sich direkt andere Anforderungen an den fahrbaren Untersatz, als wenn du selbst zwar auf den Rollstuhl angewiesen bist, dich aber hauptsächlich ohne fremde Hilfe fortbewegen wirst. Deshalb: Schon bevor der Arzt die Verordnung ausstellt, solltet ihr gemeinsam so genau wie möglich überlegen, welcher Rollstuhl am besten für deine Zwecke geeignet ist. Dafür stehen spezielle Bedarfsermittlungsbögen zur Verfügung. Diese gemeinsam mit dem Arzt sehr sorgfältig auszufüllen lohnt sich. Denn: Je genauer der Arzt deine individuellen Bedürfnisse beschreibt, desto leichter fällt es einem Fachhändler, dir den optimalen Rollstuhl zu empfehlen und anzupassen. Allerdings weiß oft der Reha-Fachberater noch besser, was es überhaupt für Möglichkeiten gibt. Zuerst die Einschätzung des Rehafachberaters einzuholen ist deshalb oft sinnvoller, damit dieser dann einen Verordnungsvorschlag für den Arzt mitgeben kann. Es gilt, folgende Fragen zu klären:

  • Wofür soll der Rollstuhl genutzt werden? Sprich: Nur für lange Wege im Außenbereich? Nur für die Fortbewegung in der Wohnung? Sitzt du nur ab und zu im Rollstuhl, oder den ganzen Tag über, drinnen wie draußen? Muss der Rollstuhl oft im Auto transportiert werden? Wirst du geschoben?
  • Brauchst du spezielles Zubehör, das vom Standardmodell abweicht?
  • Wie individuell muss der Rollstuhl für dich angepasst werden? Möchtest du im Alltag selbst situationsabhängig bestimmte Dinge am Rollstuhl verändern können?

Zugegeben: Die Auswahl ist groß. Mehr als 400 Modelle sind auf dem Markt erhältlich, das Zubehör vielfältig und abhängig vom Hersteller. Aber allein durch die genaue Erfassung deines Bedarfs kannst du die Auswahl schon recht gut eingrenzen. Die erste grundsätzliche Frage bei der Auswahl heißt: Mobil mit Muskelkraft oder Elektrorollstuhl?

Manueller Rollstuhl

Wie bei allen Hilfsmitteln gibt es auch beim Rollstuhl das sogenannte Kassen- beziehungsweise Standardmodell. Es kostet um die 100 Euro und eignet sich hauptsächlich als vorübergehende Lösung - nicht als Dauerlösung, denn allzu viel gibt dieses Modell nicht her. Das Standardmodell wird oft in Kliniken und Pflegeheimen verwendet, um die Patienten und Bewohner von A nach B zu schieben (als Schieberollstuhl) – obwohl in der Regel Greifreifen an den Rädern vorhanden sind.

Allein schon aufgrund seines Gewichts von rund 20 Kilogramm ist er mittelfristig für den Hausgebrauch nur bedingt geeignet, denn der Transport beispielsweise im Auto ist umständlich. An Individuelle Bedürfnisse lässt sich der Standardrollstuhl ebenfalls nur mäßig gut anpassen. Deshalb: Wenn du den Rollstuhl länger benötigst, schau dich nach besseren Alternativen um.

Der Leichtgewichtrollstuhl ist im Gegensatz zum Standardrollstuhl nicht aus Stahl, sondern aus Aluminium und deshalb wesentlich einfacher zu transportieren.  Zu den Leichtgewichtrollstühlen zählen sämtliche Aktivrollstühle, die beide mit der eigenen Muskelkraft bewegt werden. Ein einfacher Leichtgewichtrollstuhl startet preislich etwa bei 250 Euro. Wohl gemerkt: startet! Denn ein individueller Aktivrollstuhl kann gut und gerne bis zu 6.000 Euro kosten.

Ein Greifreifenrollstuhl in Leichtbauweise ist die gängigste Variante des sogenannten Aktiv-Rollstuhls oder auch Adaptivrollstuhls. Beide Begriffe werden synonym verwendet. Mit den Händen werden dabei die Greifreifen – oder auch Greifringe - mittels Muskelkraft zum Antrieb genutzt. Den Greifreifenrollstuhl gibt es auch als sogenannten Einhandantrieb. Dabei können die Räder separat mit jeweils einer Hand bewegt werden. Das eine Rad kann so über das andere mitgesteuert werden. Solche Rollstühle kommen beispielsweise beim Sport zum Einsatz. Oft werden diese Rollstühle sehr individuell angepasst – je nach Einsatzart und der jeweiligen Beeinträchtigung. Beispielsweise, wenn eine Körperhälfte nicht mehr richtig bewegt werden kann. Solche Rollstühle findest du auch unter dem Begriff „Sportrollstuhl“. Der sogenannte „Trippelrollstuhl“ ist ein Greifreifenrollstuhl ohne Fußstützen. So kannst du dich also auch mit Trippelschritten fortbewegen. Vor allem drinnen ist das bisweilen nützlich.

Ein guter Kinderrollstuhl wächst mit

Weil Kinder noch wachsen, verändern sich die Anforderungen an den Rollstuhl und die optimalen Abmessungen permanent. Deshalb sollte sich ein guter Kinderrollstuhl sehr einfach an die Körpergröße anpassen lassen – in allen Bereichen. Das heißt, dass nicht nur de Sitzhöhe und Sitzbreite oder die Rückenlehne flexibel sein sollten, auch die Räder müssen unter Umständen hin und wieder angepasst werden. Das sollte keine großen Umstände bereiten.

Tipp

Extra fürs Bad gibt es den sogenannten Duschrollstuhl. Er hat eine sogenannte „Hygieneöffnung“ in der Sitzfläche, damit die Körperpflege auch überall problemlos erledigt werden kann. Besonders nützlich ist so ein Duschrollstuhl vor allem dann, wenn die Duschkabine so eng ist, dass ein Umsetzen innerhalb der Kabine vom Rollstuhl auf einen normalen Duschhocker nicht funktioniert. Speziell, wenn für das Umsetzen Hilfe von einer zweiten Person benötigt wird, ist genug Platz in der Dusche wichtig. Mit dem Duschrollstuhl kann schon außerhalb der Duschkabine umgesetzt und dann bequem unters Wasser gerollt werden. Wichtig: Die Duschkabine muss ebenerdig sein. Logisch: Wenn eine Duschwanne den Weg für die Räder versperrt, dann kann der Duschrollstuhl auch nicht hineingeschoben werden.

Für Pflegebedürftige: Der Multifunktionsrollstuhl

Der Multifunktionsrollstuhl wird auch Pflegerollstuhl genannt. Er ist für Menschen gedacht, die schwerste Einschränkungen haben und sich deshalb kaum mehr aus eigener Kraft fortbewegen können. In der Regel fällt er deshalb unter die Kategorie Schieberollstuhl. Der Multifunktionsrollstuhl hat zwar oft auch Greifreifen wie ein Aktivrollstuhl, ist aber wesentlich schwerer, deshalb kann sich der Pflegebedürftige kaum oder gar nicht aus eigener Kraft damit fortbewegen und braucht eine helfende Person. Für draußen ist ein Multifunktionsrollstuhl aufgrund seines Gewichts auch nur bedingt geeignet. Ein großer Ausflug wird damit eher beschwerlich sein.

Bei dieser Rollstuhl-Variante kannst du verschiedene Sitzpositionen einstellen lassen, sämtliche beweglichen Elemente – also Kopfstütze, Fußstützen, Hebel für die Bedienung und auch die Armlehnen können sehr leicht individuell angepasst werden. Gut ist so ein Rollstuhl vor allem dann, wenn der Nutzer längere Zeiträume im Rollstuhl verbringt, er aber möglicherweise nicht mehr selbst seine Sitzposition verändern kann. Damit keine Druckgeschwüre (Dekubiti) am Körper entstehen, muss der Rollstuhlnutzer entsprechend gelagert werden. Das ist mit einem Multifunktionsrollstuhl für Angehörige oder Pflegepersonal möglich.

Die Sitzfläche von Multifunktionsrollstühlen ist in der Regel wegen des Dekubitusrisikos gut gepolstert. Auch Armlehnen und Beinstützen können gepolstert werden.

Elektrorollstuhl und Elektromobil

Die Krankenkasse bezahlt dir nur dann einen Elektrorollstuhl, wenn er medizinisch notwendig ist. Für einen Elektrorollstuhl muss der Arzt bescheinigen, dass bei dir eine dauerhafte schwere Gehbehinderung vorliegt, und dass die Arme nicht mehr in dem Maße bewegt werden können, wie es für einen Rollstuhl mit manuellem Antrieb nötig wäre. Wenn dadurch bestimmte Grundbedürfnisse ohne den Elektrorollstuhl nicht mehr erfüllt werden können und auch niemand permanent zum Schieben eines manuellen Rollstuhls verfügbar ist, dann ist ein Elektrorollstuhl dein Hilfsmittel der Wahl.

Der Vorteil eines Elektrorollstuhls liegt vor allem drin, dass du problemlos auch weitere Strecken zurücklegen kannst. Aber: Ein Elektrorollstuhl schafft in der Regel nur eine Geschwindigkeit von bis zu sechs Stundenkilometern, also stramme Schrittgeschwindigkeit. Elektromobile sind dagegen etwas flotter unterwegs und schaffen bis zu 20 Kilometer pro Stunde. Allerdings sind solche Elektromobile (oder auch Seniorenmobile) im öffentlichen Raum nur erlaubt, wenn sie bei der Zulassungsstelle gemeldet und auch entsprechend versichert werden. Auch Elektromobile gelten als Hilfsmittel und du kannst sie bei der Kasse beantragen. Aber Achtung: In der Regel bewilligen die Kassen nur die Mietkosten für ein Elektromobil – das Gefährt bleibt dabei aber in Besitz des Sanitätshauses. Andere Lösungen musst du individuell mit der Kasse verhandeln.

Achtung: Überlege unbedingt genau, wo und wie der Elektrorollstuhl eingesetzt werden soll. Denn es gibt sehr große Unterschiede – vor allem, wenn es darum geht, ob der Elektrorollstuhl drinnen oder draußen benutzt wird.

Wie wird ein Rollstuhl ausgemessen?

Fünf Grundmaße sind für die optimale Anpassung deines Rollstuhls wichtig:

  • Rückenhöhe (RH)
  • Unterschenkellänge (USL)
  • Sitzbreite (SB)
  • Sitztiefe (ST)
  • Sitzhöhe (SH)

Das korrekte Ausmessen ist deshalb so elementar, weil ein Rollstuhlnutzer die meiste Zeit im Sitzen verbringt. Das beeinflusst auch die Kommunikation mit anderen – die in vielen Lebenssituationen von oben herab mit dem Rollstuhlnutzer sprechen. Allein schon deshalb ist es unerlässlich, die Sitzposition so optimal wie nur möglich zu gestalten. Denn wer sich ohnehin nicht wohl fühlt und krumm, schief und unbequem im Rollstuhl sitzt, kann auch nicht souverän nach außen auftreten. Davon abgesehen ist der Einfluss des langen Sitzens auf den gesamten Körper mit Knochen und Bändern zu berücksichtigen: Wenn die Extremitäten nicht mehr bewegt werden, bauen sich diese wichtigen Strukturen zunehmend ab.  

Rückenhöhe (RH): Die Rückenhöhe entscheidet über die Höhe der Lehne. Diese sollte unter den Schulterblättern enden, damit du noch genug Bewegungsfreiheit hast, um gegebenenfalls die Greifreifen gut bedienen zu können. Je mehr Bewegungsfreiheit nötig ist, desto tiefer darf die Lehne enden.

Unterschenkellänge (USL): Die Unterschenkellänge wird gemessen von der Kniekehle bis zur Sohle, und zwar bei einer Kniestellung im 90-Grad-Winkel. Dieses Maß ist wichtig, weil sich dadurch die Höhe des Fußbretts bestimmt. Wenn dieses Maß nicht korrekt genommen wird, sind die Beine entweder zu sehr angewinkelt oder es fühlt sich an, als würdest du vom Sitz herunterrutschen.

Sitzbreite: Die Länge von Außenkante zu Außenkante des Rahmens bei einem Starrrahmen beziehungsweise der Kreuzstreben bei einem Faltrahmen ist die Sitzbreite. Dabei musst du darauf achten, dass neben dem Becken noch etwas Platz bleibt, damit nichts reibt oder gequetscht wird. Behalte im Hinterkopf, dass ein sehr breiter Rollstuhl möglicherweise nicht durch jede Tür passt. Gerade zuhause können schmale Durchgänge zum Problem werden – speziell, wenn auch noch Greifreifen außen an den Rädern angebracht sind.

Sitztiefe (ST): Für eine gute Sitzhaltung ist die richtige Sitztiefe wichtig. Außerdem verteilt sich nur bei richtiger Sitztiefe das Körpergewicht optimal über die Sitzfläche – so minimiert sich die Gefahr, dass an Gesäß und Beinen Druckstellen entstehen. Achte darauf, dass die Kniekehlen einige Zentimeter Abstand von der Vorderkante der Sitzfläche haben.


Sitzhöhe (SH): Richtig bemessen muss das Fußbrett am Ende etwa drei Zentimeter über dem Boden sein und deine Handflächen sollten bei hängenden Armen direkt über der Mitte des Rades liegen. Die optimale Sitzhöhe ist vorne und hinten an der Sitzfläche unterschiedlich und wird jeweils in Abhängigkeit vom Rahmen vom Boden bis zum vorderen und hinteren Sitzrohr gemessen. Dieses Sitzgefälle ist notwendig, damit du stabil sitzen und problemlos den Rollstuhl selbst vorwärtsbewegen kannst.

Rollstuhl leihen oder mieten?

Natürlich kannst du einen Rollstuhl bei Bedarf auch leihen oder mieten. Das bietet sich vor allem an, wenn dein eigener Rollstuhl in Reparatur ist oder du vorübergehend ein anderes Modell brauchst – das kann zum Beispiel im Urlaub der Fall sein. Am besten fragst du im Sanitätshaus nach, dort bekommst du in der Regel kompetente Auskunft zu Bedingungen und Konditionen. Manchmal kannst du sogar direkt bei den Reiseanbietern einen Rollstuhl für deine Ferien mieten.

Rollstuhl und Treppen – geht das zusammen?

Wenn du zuhause Treppen überwinden musst und dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen bist, dann kannst du dich von einem Experten zum Thema Rollstuhl-Lift beraten lassen. Es gibt den sogenannten Plattformlift für innen und den Hublift für den Außenbereich. Wenn du innerhalb des Hauses einen Plattformlift anbringen möchtest, dann brauchst du genug Platz im Treppenhaus. Mindestens 80 Zentimeter sollten es schon sein, damit die ausklappbare Plattform nirgends aneckt und der Rollstuhl bequem Platz findet. Etwa 7.000 Euro aufwärts musst du für den Einbau eines solchen Liftsystems kalkulieren – bei Hubliften ab 9.000 Euro. Allerdings fällt diese Maßnahme unter barrierefreien Umbau und wird von der Kasse mit bis zu 4.000 Euro bezuschusst, wenn du einen Pflegegrad hast.

Umsetzen in den Rollstuhl

Noch etwas: Wer einen Rollstuhl benötigt, der muss auch in diesen Rollstuhl hineingelangen. Vergiss also nicht, genau zu überlegen, wie du den Transfer beispielsweise vom Bett in den Rollstuhl oder vom Rollstuhl in den Autositz bewerkstelligen kannst. Auch für Angehörige gibt es spezielle Trainingsmöglichkeiten, um die richtigen Handgriffe dafür zu erlernen. Denn wer die richtigen Griffe nicht kennt, kann seinen Rücken schädigen und unter Umständen einen schweren Sturz riskieren. Zudem solltest du bedenken, dass nicht jeder Tag gleich ist. Wenn heute das Umsetzen auf die eine Weise gut funktioniert, dann kann das schon morgen wieder anders sein. Deshalb ist es wichtig, jedes Mal vorher miteinander zu sprechen, wenn eine zweite Person beim Umsetzen behilflich sein muss. Wie wollen wir das jetzt machen? Bist du bereit? Schaffst du das heute – oder sollen wir es lieber anders probieren?

Auch für den Transfer gibt es praktische Hilfsmittel, die das Umsetzen sehr erleichtern, zum Beispiel ein Rutschbrett oder eine Drehscheibe. Frage am besten direkt beim Sanitätshaus nach.

Rollstuhlzubehör

Handschuhe, Kippschutzrollen, Tablett, Tasche, Decke, Fußsack oder Regencape, Rückspiegel, Getränkehalter, Klingel – sogar Lampen und Smartphonehalter: Eine ganze Menge Rollstuhl-Zubehör kannst du je nach Modell und Bedarf dazukaufen.

Speziell, wenn du viel draußen mit dem Rollstuhl unterwegs bist, solltest du daran denken: Wer sich bewegt, der friert nicht so schnell. Wenn du aber nur sitzt und möglicherweise auch noch geschoben wirst, dann ist dir schneller kalt. Also gehören gerade für die kühlere Jahreszeit Decke und Fußsack unbedingt dazu.

Große Aufmerksamkeit verdient auch das richtige Sitzkissen. Sofern du feststellst, dass der Sitz auf Dauer zu hart ist oder die Sitzhöhe in manchen Situationen unangenehm, kannst du aus einer Vielzahl an Sitzkissen wählen. Dabei kann auch ein Gespräch mit dem Arzt oder noch besser dem Reha-Fachberater im Sanitätshaus hilfreich sein. Im Zweifel weiß der Experte am besten, welches Kissen deinen Körper ideal entlastet.

Zur Autorin

Unsere Autorin ist ausgebildete Redakteurin, qualifizierte Betreuungskraft für Menschen mit Demenz (nach § 43b, 53c SGB XI), hat den Kurs zur Hospizbegleiterin absolviert und außerdem einen Ehemann, der seit 25 Jahren als Altenpfleger arbeitet und seit einigen Jahren Inhaber eines ambulanten Pflegedienstes ist. Seit mehreren Jahren schreibt Susanne deshalb vorwiegend zum Thema Pflege für unterschiedliche Medien. Damit ihre Texte inhaltlich korrekt und vor allem praxisnah und alltagstauglich sind, holt sie sich die Informationen von ihrem Netzwerk aus Fachleuten aus der Praxis - und lässt vor Veröffentlichung stets jemanden gegenlesen, der sich sich mit dem jeweiligen Thema bestens auskennt.

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