Rollator kaufen – Welcher ist der richtige?

Ein Hilfsmittel, das jedem von uns häufig im Alltag begegnet, ist der Rollator oder auch "Gehwagen". Die beliebte Gehhilfe gibt Sicherheit, dient als Stütze und – je nach Modell – auch mal als Ruhebank für eine kleine Verschnaufpause. Womit wir schon beim Thema wären: je nach Modell. Davon gibt es nämlich ziemlich viele, und diese Rollatoren unterscheiden sich bisweilen sehr voneinander. Welcher Rollator für Senioren am besten geeignet ist, hängt ausschließlich von deinen individuellen Bedürfnissen – und gegebenenfalls auch von deinem Budget ab. Wer einen Rollator kaufen und viel Komfort möchte, muss mitunter sehr tief in die Tasche greifen. Die Preisspanne zwischen Kassenmodell und mancher High-End-Luxusvariante reicht von 60 bis über 800 Euro.

Rollator auf Rezept? Frag den Arzt!

Wenn du der Meinung bist, dass für dich (oder deinen Angehörigen) einen Rollator gebraucht wird, wende dich an den Hausarzt. Er kann dir ein Rezept für einen Rollator ausstellen. Dafür musst du ihm genau schildern, warum du den Rollator für notwendig erachtest. Geht es um reine Unsicherheit beim Gehen? Liegt eine Erkrankung vor, die diese ausgelöst hat? Hast du Schmerzen? Dein Arzt kann am besten einschätzen, ob ein Rollator in deinem Fall angebracht ist. Sofern er dir ein Rezept ausstellt, bekommst du einen Rollator von der Krankenkasse bezahlt. Wenn nicht medizinische Gründe dafürsprechen, dass ein teures Modell mit gewissen Vorzügen sein muss, wird nur das sogenannte „Kassenmodell“ bezahlt. Deshalb sollte der Arzt möglichst ausführlich begründen, warum ein Rollator – und im Zweifel auch ein besserer, als nur das Kassenmodell – gebraucht wird.

Kassenmodell: Günstiger Standard ohne Komfort

Außer der gesetzlichen Zuzahlung kostet dich das Kassenmodell nichts, weil die Krankenkasse es bezahlt. Würdest du das Kassenmodell selbst kaufen, bekämst du es bereits für rund 70 bis 80 Euro im Sanitätshaus. Weil es aber eben nur die günstige „Standard-Variante“ ist, bietet ein solcher Rollator auch keinerlei Komfort. Er erfüllt lediglich seinen Zweck – nämlich mehr Sicherheit und Stabilität beim Gehen zu gewährleisten. Geht ein solches Kassenmodell einmal kaputt, ist das Sanitätshaus für die Wartung und die Reparatur zuständig. Weil allerdings der Aufwand im Verhältnis zum Kaufpreis unverhältnismäßig hoch ist, wird ein defektes Kassenmodell in der Regel nicht repariert, sondern einfach gegen ein neues ausgetauscht.

Wunsch-Rollator kaufen: Mehr kostet mehr

Je nachdem, welche Strecken mit dem Rollator zurückgelegt werden und mit welchem Ziel, kann es sich lohnen, über ein teureres Modell nachzudenken. Die Kosten für einen Rollator können mehr als das Zehnfache des Kassenmodells betragen, wenn du dich für eine Luxusvariante entscheidest. Der Preis für eine gute Gehhilfe muss aber nicht gleich durch die Decke gehen. Es reicht manchmal schon, wenn du deine Bedürfnisse im Vorfeld genau überprüfst. Du kannst relativ einfach herausfinden, ob du etwas mehr Geld aus eigener Tasche bezahlen möchtest, wenn du genau herausarbeitest, welchen Ansprüchen der Rollator gerecht werden soll. Stelle dir die folgenden Fragen:

  • Nutzt du den Rollator innerhalb des Hauses, außerhalb oder beides?
  • Möchtest du den Rollator im Auto mitnehmen?
  • Musst du ihn durchs Treppenhaus tragen?
  • Wird der Rollator öfter als Sitzgelegenheit verwendet?
  • Ist er auch für kleine Einkaufstouren gedacht?
  • Sind die Wege, auf denen der Rollator genutzt wird, eben oder gibt es Steigungen?  
  • Wie groß und wie schwer bist du?
  • Brauchst du Unterarmauflagen zur Entlastung der Gelenke, weil du Arthritis hast?

Diese Fragen sollten dir zu Denken geben, denn ein Rollator-Standardmodell ist meistens nicht für alle Anforderungen gut geeignet. Ist die Gehhilfe deinem individuellen Bedarf angepasst, dann ist beispielsweise der Rollator besonders leicht. Leichtgewichtsrollator ist beispielsweise ein Carbon-Rollator, ein spezieller Indoor-Rollator für die Wohnung. Diese schmale Gehhilfe passt besonders gut durch Türen innerhalb der Wohnung. Es gibt auch den Arthritisrollator, bei dem mitunter gepolsterte Unterarmauflagen dazugehören. Es gibt faltbare Rollatoren, Reiserollatoren, spezielle Outdoor-Rollatoren und Rollatoren mit Luftbereifung, die besonders gut für Aktivitäten im Freien auf unebenen Wegen geeignet sind.  Das Spektrum ist groß, deshalb sind auch die Kosten für einen Rollator sehr variabel.

Wichtig: Gewicht, Bremsen, Bereifung

Ein älteres Kassenmodell ist im Vergleich zu den neueren, sogenannten Leichtgewichtsrollatoren aus Aluminium beziehungsweise Carbon, relativ schwer und kann bis zu zwölf Kilo wiegen. Zwar gibt dieser Umstand Stabilität beim Gehen, aber er macht beispielsweise den Transport des Rollators innerhalb des Treppenhauses schwieriger. Auch das Einladen der Gehhilfe ins Auto ist einfacher, wenn der Rollator leicht ist. Um die sieben Kilo sind bei den besseren neueren Modellen realistisch. Ohnehin muss ein Rollator, der ab und an im Auto transportiert wird, leicht und faltbar sein. Es gibt sogenannte „Querfalter“ – das sind die älteren Modelle – und „Längsfalter“. Für den Transport im Kofferraum sind Längsfalter die bessere Wahl. Wenn du also jetzt schon weißt, dass der Rollator outdoor und oft für Spritztouren ins Grüne oder für den Besuch beim Arzt im Kofferraum verstaut werden muss, überlege vorher, ob du im Alltag wirklich mit dem Kassenmodell zurechtkommst.

Berg und Tal mit kleinen Pausen – Bremsen sind wichtig

Ja – auch eine Gehhilfe mit Rädern braucht Bremsen. Speziell, wenn die Haus- und Hofstrecke Gefälle aufweist. Standard ist bei Rollatoren die Handbremse, die auf die Hinterräder wirkt. Ältere Menschen fürchten die Vorstellung, dass der Rollator sich selbstständig machen und davonrollen könnte. Im schlimmsten Fall könnte das an einer abschüssigen Straße bis hin zum Sturz führen – denn die rollenden Räder sind schneller als die Füße. Deshalb kann es passieren, dass der Rollator-Nutzer aus Unsicherheit die Handbremse stets ein kleines bisschen angezogen hält. Wenn die Bremshebel des Rollators dann in einer ungünstigen Position angebracht sind, verkrampfen irgendwann die Muskeln in Fingern und Armen. Achte bei den Bremsen deshalb unbedingt auf die Handhaltung. Wenn die Bremsen bequem ohne eine unnatürliche Verdrehung des Handgelenks erreichbar sind, ist schon viel gewonnen.

Rollator mit Rückenlehne

Bremsen sind auch wichtig, wenn der Rollator zum Sitzen genutzt wird. Ist dir auch schon aufgefallen, dass in der Fußgängerzone, im Park oder an der Haltestelle Rollator-Nutzer ganz gemütlich ihre Gehhilfe zum Stuhl umfunktionieren? Bequem ist das nur, wenn die Sitzfläche groß und stabil genug und die Bremse festgestellt ist. Achte deshalb neben den Bremsen auch darauf, dass die Sitzfläche in der Breite und Tiefe dem Körperbau gerecht wird.

Manche Modelle verfügen von Haus aus über eine Rückenlehne, die das Sitzen bequemer machen soll. Was als bequem empfunden wird, entscheidet allerdings jeder selbst. Sofern der Rollator als Sitzgelegenheit genutzt werden soll, probiere lieber einmal mehr, ob die Lehne auch deinen Erwartungen entspricht. Sofern diese nicht ohnehin am Rollator angebracht ist, kann ein sogenannter Rückengurt als Zubehör montiert werden.

Über Stock und Stein: Räder und Ankipphilfe für Rollatoren

Kleine Räder oder große Soft-Reifen? Wenn der Rollator nur auf asphaltierten Wegen genutzt wird, sind kleine Räder mit wenig Profil ausreichend. Für Outdoor-Touren durch den Wald oder auf unbefestigten Wegen eignen sich diese Räder nicht. Wenn Spaziergänge in der Natur weiterhin auf dem Programm stehen, sind große Reifen also die bessere Variante. Ab einer Größe von 250 Milimetern oder auch zehn Zoll (10“) kannst du davon ausgehen, dass die Räder für Schotter- und Waldwege geeignet sind. Die Räder von Rollatoren für die Wohnung sind wesentlich kleiner.

Ähnlich einem Kinderwagen müssen auch die Räder eines Rollators mittels Hebelwirkung im Alltag über Bordsteine oder in Wald und Wiese über andere Erhebungen gebracht werden. Eine sogenannte Ankipphilfe erleichtert das ungemein. Frage deshalb im Sanitätshaus nach, ob das von dir gewünschte Rollator-Modell über eine Ankipphilfe verfügt. Im Zweifel lässt sich eine Ankipphilfe bei den gängigen Gehhilfen auch problemlos nachrüsten.

Nice-to-haves: Sonstiges Rollatoren-Zubehör

Taschen, Einkaufnetze und Körbe – je nach gewähltem Modell kann unterschiedliches Rollator-Zubehör den Alltag noch weiter erleichtern. Abgesehen von den Transportbehältnissen gibt es beispielsweise spezielle montierbare Regenschirme, eine Rollator-Beleuchtung, um besser gesehen zu werden, von Klingeln für die Gehhilfe wie bei einem Fahrrad über Halterungen für Gehstöcke bis hin zu einem speziellen Handschutz, der ähnlich einem Muff genutzt wird und die Hände schön warmhält. 

Fazit

Rollatoren werden von der Krankenkasse bezahlt, wenn der Arzt sie verschreibt. Die Krankenkasse entscheidet in Abhängigkeit von der medizinischen Notwendigkeit, welches Modell sie genehmigt. In der Regel bezahlt die Kasse nur ein Standardmodell ohne viel Komfort. Wenn du dir solchen Luxus für deinen Rollator wünschst, musst du das selbst bezahlen. Die Preise sind sehr unterschiedlich – am Ende des Tages musst du selbst entscheiden, welche Vorzüge dir wieviel Geld wert sind. Scheue dich nicht, eine ausführliche Beratung durch die Experten im Sanitätshaus in Anspruch zu nehmen. Wenn du vorher gut darüber nachgedacht hast, welchen Zweck der Rollator neben der bloßen Funktion einer Gehhilfe noch erfüllen soll, kannst du gezielt nachfragen und besser bewerten, ob bestimmtes Zubehör unbedingt sein muss – oder eben nicht.

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