Der Hausnotruf mit Notruf-Armband oder -kette

Wer hilft mir, wenn ich alleine stürze oder ohnmächtig werde? Was kann ich tun, um mir jederzeit der medizinischen Versorgung gewiss zu sein? Alles rund um den Hausnotruf erfährst du hier.

Stell dir vor, es ist Winter. Du rutschst in deinem Garten aus und liegst erstmal im Schnee. Keine angenehme Vorstellung? Aber so schlimm muss es gar nicht sein, denn nur einen Tastendruck entfernt kannst du eine Sprechverbindung zur Hausnotrufzentrale oder deinem nahe wohnenden Angehörigen bekommen. Wer in einem Pflegeheim wohnt, erreicht die Zentrale im Notfall von jedem Zimmer aus, auch vom Balkon, falls die Tür zugefallen ist, oder vom Speisesaal aus.

Hilfe auf Tastendruck, auch draussen!

Der Sender mit dem Notknopf ist für das Tragen am Arm oder um den Hals konzipiert und er ist wasserdicht. Das heißt, du kannst ihn sogar mit in die Badewanne nehmen, was wirklich ein großer Vorteil ist, gerade auch bei beginnender Demenz. Und falls du einmal nicht in der Lage bist zu sprechen, reicht der Tastendruck bereits aus, denn der Mitarbeiter der Hausnotruf-Zentrale hat durch deinen Notruf sofort alle nötigen Angaben über dich auf seinem Bildschirm und kann daher wirkungsvoll eingreifen. Er verständigt je nach Kontext und Erfordernis deine Angehörigen, den ärztlichen Bereitschaftsdienst, den Rettungsdienst oder auch den für den Notfall vorher eingetragenen Nachbarn oder Mitbewohner. Hier kannst du dir ein Video-Interview mit einer Notruf-Besitzerin und dem Deutschen Roten Kreuz anschauen [1].

Angaben, die die Notrufzentrale bei Erstinstallation eines Notrufes erhalten sollte:

über dich über dein Umfeld und die Lebenssituation
Name, Alter und Adresse deinen allgemeinen Gesundheitszustand
den behandelnden Arzt verordnete Medikamente
Kontakt zu Besitzern von Schlüsseln für die Wohnungstür Angaben zur Gefährdungen, z.B. Diabetes, Schalaganfall- und Herzinfarkt
Kontakt zu Bezugspersonen und gegebenenfalls Pflegedienst  

Die Vorteile eines Notrufsystems für Zuhause:

  • hilft, deine Selbständigkeit und Unabhängigkeit zu erhalten, etwa wenn Angehörige berufstätig sind
  • Tag und Nacht ist jemand erreichbar
  • mehr Sicherheit, wenn du alleine und angstfrei leben möchtest oder wenn Nachbarn fehlen oder selten zu Hause sind
  • Hilfe auch bei Schlaganfall, Herzinfarkt und anderen chronischen Erkrankungen, wie Herzproblemen, Allergien, Asthma, Diabetes mellitus, COPD, Epilepsie, Osteoporose und Notsituationen, wie etwa Stürzen
  • auch vorübergehend installierbar, etwa für Sicherheit nach einer Operation oder während des Urlaubs von Angehörigen

Was sind die technischen Voraussetzungen und wie funktioniert der Hausnotruf?

Zum Installieren eines Hausnotrufes brauchst du:

  • -einen normalen Telefonanschluss (TAE-Dose)
  • -eine freie Steckdose 
  • -eine Basisstation
  • -einen Handsender für das Handgelenk oder zum Umhängen

An das vorhandene Telefon wird die Basisstation des Hausnotrufes angeschlossen. Sie ist ein kombinierter Sender und Empfänger. Der Handsender ist ein kleines Sendegerät, der sogenannte Funkfinger, der gern als Armband getragen wird und sich dort auch als am leichtesten zugänglich erwiesen hat. Er kann aber auch an einer Halskette oder einem Halsband befestigt werden oder an der Jacken- oder Hosentasche. Letzteres ist risikobehaftet, da der Sender eventuell beim Wechsel der Kleidung vergessen werden kann. Daher empfiehlt sich diese Tragemöglichkeit nur, wenn eine Pflegeperson darauf achtet, dass der Notrufbesitzer seinen Notruf an der entsprechenden Tasche trägt.

Wird ein im Funkfinger integrierter Knopf betätigt, nimmt ein Mitarbeiter der entsprechenden Notrufzentrale Kontakt mit dem Hilfesuchenden auf. Somit wird Sprechen ohne Telefon möglich. Das System ist so eingestellt, dass der Hilfesuchende überall, also auch aus dem Garten, Keller oder Speicher Kontakt aufnehmen kann. Der Hausnotrufknopf ist so einfach zu bedienen, dass er in kritischen Situationen auch wirklich benutzt werden kann.

Für wen ist ein Hausnotruf sinnvoll?

Die Dienstleistung ist für Menschen gedacht, die durch altersbedingte Erkrankungen gefährdet sind, für Menschen, die alleine leben oder durch Behinderung oder chronische Krankheit gefährdete Menschen, so beschreibt es das Gesundheitsministerium in der Broschüre „Pflegen zu Hause“. Mit dem Hausnotruf wird es möglich, weiterhin selbstständig zu leben, sofern der Betroffene die meisten Dinge des Alltags noch selber regeln kann. Dann kannst du als Angehöriger auch mal das Haus ohne Vertretung verlassen und trotzdem sicher sein, dass dein Angehöriger im Notfall versorgt ist.

Tipp

Telefonketten bilden! Wem der Hausnotruf noch nicht notwendig erscheint, aber so ganz ohne Sicherheitsnetz auch nicht auskommen mag, dem gefällt vielleicht das Modell der gegenseitigen Nachbarschaftshilfe. Eine gute Idee, wenn du bereits gute nachbarschaftliche Beziehungen pflegst und gern in Kontakt bist. Telefonketten zu organisieren bedeutet, dass sich eine Gruppe von Nachbarn zusammenschließt, die einander jeden Morgen zu einer bestimmten Uhrzeit in einer bestimmten Reihenfolge anrufen. Der Sinn dieses Vorgehens ist es, zu verhindern, dass ein geschwächter Mensch über 24 Stunden hilflos in seiner Wohnung liegt, ohne dass es bemerkt wird.

Anbieter von Hausnotruf-Systemen

Bevor du dich für ein Hausnotrufsystem entscheidest, informiere dich gründlich. Kundenbewertungen erweisen sich mitunter als aufschlussreich, da oft irgendjemand über genau den Punkt berichtet, der dir am Herzen liegt.

Für die Wahl des passenden Gerätes ist die individuelle Wohnsituation mit ausschlaggebend. Diese kann sehr variieren, beispielsweise darin, welche Reichweite benötigt wird. Ebenso spielen Qualität, vielleicht auch Lieferzeit, Service und Preis/Leistungsverhältnis eine Rolle. Anbieter sind die Wohlfahrtsverbände wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Arbeiter Samariter Bund (ASB), die Johanniter und die Malteser. Weiterhin gibt es private Anbieter wie Engelschutz, Vitakt, Sonotel, ASD-HNR, WertVision und viele andere. Die großen Hilfsorganisationen senden in der Regel ohne zusätzliche Kosten jemanden zur Installation des Hausnotrufs in die Wohnung. Bei privaten Anbietern ist das nicht immer der Fall. Das solltest du also vor der Entscheidung gegebenenfalls mit prüfen. Zuweilen sind die Systeme aber auch sehr leicht selbst zu installieren.

Preise und Kostenübernahme für Hausnotrufsysteme

Der monatliche Preis für ein Basispaket, bei dem Bereitstellung des Standard-Notrufgerätes, Programmierung, Einweisung und der Anschluss durch einen Mitarbeiter inklusive sind, beträgt bei den Wohlfahrtsorganisationen zwischen 18 und 30 €. Bei manchen Anbietern fallen einmalige Anschlusskosten an. Mit dem Anschluss werden in der Regel die Informationen über Bezugspersonen, Hausarzt etc. aufgenommen. Eine Schlüsselverwahrung kostet zusätzlich, etwa zwischen 15 – 25 €/Monat.  Weitere kostenpflichtige Zusatzleistungen wie ein Fall- und Sturzsensor sind möglich.

Unter folgenden Bedingungen bezuschusst die Pflegekasse den Hausnotruf Telefon mit bis zu 23 € monatlich :

  • bei vorhandener Pflegestufe als alleine lebende Person
  • bei möglicherweise lebensbedrohlichen Zustandsverschlechterungen
  • bei Unmöglichkeit, den Hilferuf über ein handelsübliches Telefon abzugeben, beispielsweise durch Behinderung, Demenz etc

Wer Grundsicherung erhält, kann die Kostenübernahme für den Hausnotruf beim zuständigen Sozialamt beantragen. Du benötigst in diesem Fall ein ärztliches Attest, das die Notwendigkeit des Hausnotrufes bescheinigt. Du suchst Alternativen zum Hausnotruf ohne monatliche Gebühren? Hier gibt's ein gutes Video [2].

 

Weiter zu: Mobile Notrufe

 

Quellen

[1] https://www.youtube.com/watch?v=VLvejOKm8KY

[2] https://www.youtube.com/watch?v=88PTCLqag6g

Büchlein (113 Seiten): „Pflege zu Hause“, Ratgeber für die häusliche Pflege vom Bundesministerium für Gesundheit

http://drk-um-ost.de/angebote/gesundheit/hausnotruf-dienst.html

http://hausnotruf-magazin.de/#malteser

https://www.sozialblog.de/blog/2012/11/wer-ubernimmt-die-kosten-fur-e.html