Dekubitus: Wie du vorbeugst und was du beachten musst

Sobald du in deiner Beweglichkeit eingeschränkt bist, steigt die Gefahr von Druckstellen am Körper. Denn wenn du zu lange in derselben Position sitzt oder liegst, entstehen Druckstellen auf der Haut. So eine Druckstelle heißt auch Dekubitus. Aus solchen Dekubiti können sich offene Wunden entwickeln, das Gewebe stirbt ab. Das nennt sich auch Nekrose. Deshalb ist es sehr wichtig, solchen Druckgeschwüren vorzubeugen.

Wie entsteht ein Dekubitus?

Als gesunder und mobiler Mensch verlagerst du dein Körpergewicht ganz automatisch. Sogar im Schlaf. Sobald du aber bettlägerig oder auf einen Rollstuhl angewiesen bist, kann das unter Umständen schwierig sein. Wenn du selbst einen Positionswechsel nicht mehr aus eigener Kraft bewältigen kannst, brauchst du in bestimmten Zeitabständen Hilfe bei der Lagerung. Wir erklären dir, warum das so ist und worauf du zur Vorbeugung unbedingt achten solltest und welche Hilfsmittel für den Alltag zur Verfügung stehen.

Hinweis

Ein Druckgeschwür können auch junge Menschen entwickeln, wenn sie sich beispielsweise einer länger dauernden Operation unterziehen müssen. Wenn die Operation länger als zwei Stunden dauert und der Patient nicht rechtzeitig umgelagert werden kann, ist die Gefahr für einen Dekubitus relativ hoch. Ein Druckgeschwür können auch junge Menschen entwickeln, wenn sie sich beispielsweise einer länger dauernden Operation unterziehen müssen. Wenn die Operation länger als zwei Stunden dauert und der Patient nicht rechtzeitig umgelagert werden kann, ist die Gefahr für einen Dekubitus relativ hoch.

Wenn du dich flach auf den Boden legst, merkst du es selbst: An bestimmten Stellen liegt dein Körper direkt auf dem Boden, an manchen Stellen nicht. Beispielsweise kannst du am Rücken locker die flache Hand zwischen Körper und Boden schieben. An den Schulterblättern beispielsweise geht das aber nicht. Solche prominenten Stellen, wo direkt unter der Haut die Knochen beim Liegen das Gewicht tragen, sind deshalb kritisch. Die Haut wird an diesen Stellen zusammengedrückt und nicht mehr mit Blut versorgt. Probiere es aus: Wenn du einmal fest mit dem Finger auf deinen Arm drückst, wird diese Stelle kurz weiß. Es fließt kein Blut mehr in den feinen Adern. Lässt du los, wird die Stelle wieder normal, weil wieder Blut fließen kann. Liegst oder sitzt du nun unbewegt ununterbrochen auf den prominenten Körperteilen, dann ist die Haut nicht mit Blut versorgt und das Gewebe stirbt langsam ab. Diese Unterversorgung ist bereits nach etwas mehr als zwei Stunden als Rötung auf der Haut sichtbar. Das ist bereits ein Druckgeschwür Kategorie 1.

Prominente Körperstellen mit erhöhter Dekubitus-Gefahr sind

• Hinterkopf
• Schulterblätter
• Ohrläppchen (beim langen Liegen auf der Seite)
• Steißbein (Gesäß)
• Fersen

Bei langem Sitzen ist auch der Bereich am Steißbein der kritische. Das weiche Gesäß an sich ist nicht betroffen, da dort unter der Haut keine Knochen Druck aufbauen. Auch an den Händen wirst du keine Druckgeschwüre finden. Selbst, wenn sie sehr lange beispielsweise an den Armlehnen eines Rollstuhls oder auf einer Matratze im Bett aufliegen: Sie sind zu leicht, um ernsthafte Komplikationen zu verursachen.

Tipp

Der Fingertest (Drucktest)

Wenn du zuhause einen bettlägerigen Angehörigen pflegst, achte an den kritischen Stellen auf Rötungen. Je nach Erkrankung bemerken Betroffene einen beginnenden Dekubitus nämlich nicht selbst. Wenn beispielsweise eine teilweise Lähmung vorliegt oder degenerative Grunderkrankungen das körpereigene Alarmsystem schwächen, bietet das verminderte Schmerzempfinden keinen ausreichenden Schutz mehr vor Dekubiti. Wenn du dir unsicher bist, mache an den besagten Stellen den sogenannten „Fingertest“. Drücke mit dem Finger auf die gerötete Haut. Wenn sich um die gerötete Stelle ein weißer Rand bildet, ist alles okay. Wenn die gedrückte Stelle gänzlich rot bleibt, liegt ein Dekubitus vor.Bei dunkel pigmentierter Haut kann es schwieriger sein, einen Dekubitus der Kategorie 1 zu erkennen. Die Farbe der umgebenden Haut kann sich aber unterscheiden. Auch Schmerzen, eine Verhärtung oder Überwärmung der betreffenden Hautstelle kann in diesem Fall einen Hinweis geben.

Wer ist besonders gefährdet? Dekubitus und die Risikofaktoren

Nur weil ein älterer Mensch sich nicht mehr so viel bewegt wie früher wird er noch keinen Dekubitus bekommen. Es gibt Risikofaktoren, die die Entstehung von Druckgeschwüren begünstigen. Dazu gehören
• Lähmungen
• Spezifische Schädigungen der Haut wie etwa Pergamenthaut oder Reizungen durch Feuchtigkeit, etwa durch Inkontinenz oder unzureichende Pflege
• Mangelernährung
• Chronische Grunderkrankungen wie beispielsweise Diabetes, Herzschwäche oder Rheuma
• Übergewicht oder Untergewicht

Wie schlimm ist es? Einteilung Dekubitus in die vier Kategorien

Wie weit fortgeschritten ein Dekubitus ist, wird über die Einteilung in vier Stadien oder auch Grade oder Kategorien klassifiziert. Du wirst allen dieser drei Begriffen begegnen, wenn du dich in Eigenregie zum Thema informierst. Letztlich meinen sie dasselbe.
Dekubitus Kategorie 1: Beim Dekubitus der Kategorie 1 findet sich an den kritischen Stellen gerötete Haut. Beim sogenannten „Fingertest“ wird die Haut nicht weiß, sondern bleibt unverändert rot
Dekubitus Kategorie 2: Beim Dekubitus der Kategorie 2 haben sich bereits Blasen oder Schädigungen in Form von Abschürfungen gebildet.
Dekubitus Kategorie 3: Der Dekubitus Kategorie 3 zeigt bereits eine offene Hautstelle, also ein Geschwür
Dekubitus Kategorie 4: Beim Dekubitus der Kategorie 4 reichen die Geschwüre tief in die Haut bis hin zu Sehnen, Muskeln und sogar den Knochen

Wie du einem Dekubitus vorbeugen kannst

Sobald klar ist, dass du oder dein Angehöriger nicht mehr mobil genug sind, solltest du dir Beratung holen. Speziell in der häuslichen Pflege ist es sehr wichtig, dass du spezielle Hilfsmittel nutzt und der Lagerung sehr viel Aufmerksamkeit schenkst. Spätestens alle zwei Stunden sollte ein immobiler Patient fachkundig umgelagert werden. Pflegerisches Fachpersonal lernt in der Ausbildung, mit welchen einfachen Tricks kritische Körperstellen entlastet werden können. Außerdem gibt es spezielle Handgriffe, über die du gezielt eine Person in eine andere Position bewegen kannst.

Wusstest du schon?

Das Gewebe bei einem Dekubitus wird nicht zwingend von außen nach innen hin geschädigt. Es kann auch zuerst unter der Haut, also direkt beim Knochen absterben, also nicht sichtbar an der Oberfläche. Das bedeutet, dass unter einer geröteten Hautstelle mitunter bereits ein Tennisballgroßes Geschwür unter der Oberfläche sein kann. Die rote Stelle, die du mittels Fingertest als Dekubitus Kategorie 1 entdeckst kann also unter Umständen nur die Spitze des Eisbergs sein. Auch wenn du sofort mit einer regelmäßigen Lagerung beginnst kann es sein, dass sich die rote Hautstelle nach einigen Tagen öffnet. Manche Angehörige, die sich selbst um einen bettlägerigen Angehörigen kümmern hören dann mit der Lagerung wieder auf, weil sie denken: Es bringt ja sowieso nichts. Das ist grundlegend falsch! Gerade dann muss die Lagerung unbedingt fortgeführt werden! Sonst hat die Wunde keine Chance, abzuheilen und bleibt chronisch bestehen.

Richtige Reinigung kritischer Hautpartien

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Druckgeschwüren ist die richtige Hygiene an kritischen Körperstellen. Dafür musst du wissen, dass die Haut durch manche handelsüblichen Hygieneprodukte mehr geschädigt als gepflegt wird. Benutze deshalb für die Körperpflege an den gefährdeten Hautpartien unbedingt klares Wasser und pH-neutrale Seife. Trockne die Haut immer gut ab. Feuchtigkeit weicht die Haut auf und lässt sie empfindlicher gegen Keime und Krankheitserreger werden. Cremes sollten rückfettend sein. Damit du das passende Produkt findest, lass dir im Zweifelsfall eine rückfettende Creme von deinem Arzt vorschlagen. Sofern sich durch Inkontinenz ständig Feuchtigkeit in Hautfalten oder im Gesäßbereich staut ist es an der Zeit, sich nach guten Einlagen oder Kathetern zu erkundigen.

Hinweis

Wenn sich über einem Dekubitus ein Schorf gebildet hat, solltest du diesen auf keinen Fall entfernen. Schorf dient dem Körper als Schutz. Wenn du ihn entfernst, öffnest du Verunreinigungen der Wunde Tür und Tor. Überlasse die Wundversorgung unbedingt Fachkräften, damit du die Wundheilung des Dekubitus nicht gefährdest.

Tipps für die Lagerung im Bett

Ganz grundsätzlich solltest du darauf achten, dass im Laken keine Falten sind. Schon diese Falten können den Druck auf die kritischen Hautareale erhöhen. Katheter und Schläuche solltest du bei jeder Lagerung überprüfen und stets der Körperlage entsprechend korrekt polstern. Bei der Lagerung eines bettlägerigen Patienten unterscheidet der Pflegende zwischen der sogenannten „Makrolagerung“ und der „Mikrolagerung“.

Makrolagerung: Unter „Makrolagerung“ ist eine komplette Umlagerung des Patienten im Bett zu verstehen. Das bedeutet, dass der komplette Körper je nach Krankheitsbild im Wechsel vom Rücken auf die Seite und beinahe auf den Bauch umgelagert wird. Dabei muss sehr genau darauf geachtet werden, dass bestimmte Körperbereiche zusätzlich durch Kissen gestützt werden. Das erfordert Übung und Fachwissen. Deshalb schafft das nicht jeder Angehörige einfach so. Es ist wichtig, dass du dir diese Lagerung genau erklären und im Zweifel die Umlagerung lieber Fachpersonal eines ambulanten Pflegedienstes machen lässt. Wenn dein Angehöriger nämlich sehr schwer oder besonders schmerzempfindlich ist, kann ein Experte mit Erfahrung den Patienten sehr gezielt im Bett bewegen, ohne ihn zusätzlich zu strapazieren. Außerdem können Kabel oder Schläuche von Kathetern im Weg sein. All das gehört in die Hände von Fachpersonal. Nicht zuletzt, weil bei nicht sachgemäßer Lagerung eines immobilen Patienten dieser im schlimmsten Fall auch ersticken kann, wenn sein Gesicht ins Kissen sinkt und er sich nicht selbst aus dieser Position befreien kann.

Mikrolagerung: Anders verhält es sich mit der „Mikrolagerung“, bei der nicht der ganze Körper umgelagert wird. Nur bestimmte Körperteile werden dabei entlastet, indem du den Druck herausnimmst. Das geht zum Beispiel mit einer Handtuchrolle, die beispielsweise oberhalb der Ferse unter das Bein geschoben werden. Auch Handtuchrollen oder Kissen unter der Matratze gehören zur Mikrolagerung. Wenn u die Technik einmal von Fachpersonal erklärt bekommen hast, solltest du in der Lage sein, so künftig deinen Angehörigen selbst in der Dekubitusprophylaxe zu unterstützen.

Hinweis

Im Rollstuhl kannst und solltest du auch nicht lagern. Das liegt daran, dass ein komplett immobiler Mensch so gut wie keine eigene Körperspannung mehr hat. Wenn du nun beispielsweise ähnlich der Lagerung in einem Bett irgendwo unter das Sitzkissen ein Handtusch schiebst, wird der Sitzende instabil. Das ist gefährlich, er könnte aus dem Rollstuhl herausfallen. Zweitens hat ein Liegender noch mehr Körperfläche, auf die sich das verlagerte Gewicht verteilen kann. Wenn du aber bei einem Sitzenden das Gewicht verlagerst, dann liegt alles auf einem sehr kleinen Areal, was die Dekubitus-Gefahr beispielsweise an den Beckenknochen eher erhöht als vermindert. Wenn du unterstützen möchtest, kannst du denjenigen dazu anhalten, das Gewicht von einer Gesäßhälfte auf die andere zu verlagern. Wenn du die Sitzbeinhöcker entlasten willst, kann der Sitzende sich mit deiner Unterstützung und nur vorsichtig leicht nach vorne lehnen. Benutze für den Rollstuhl auf jeden Fall entsprechende Kissen, die du im Sanitätshaus bekommst. Lass dich am besten von einem Experten beraten, welches Kissen in deinem Fall am besten geeignet ist.

Hilfsmittel Anti-Dekubitus

Es gibt zahlreiche Hilfsmittel für Patienten mit Dekubitus oder einem gewissen Dekubitusrisiko.

• Lagerungsrolle
• Würfelkissen
• Gelauflagen
• Wechseldruckmatratzen

Welches Hilfsmittel im individuellen Fall das richtige ist, kann am besten Fachpersonal mit dir besprechen. Denn die jeweilige Situation und die Verfassung des Patienten bestimmen, was nötig ist.
Eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Hilfsmittel zur Dekubitus-Prophylaxe, wofür sie gut sind und wie du sie bei der Krankenkasse beantragst findest du im separaten Artikel: „Hilfsmittel zur Dekubitus-Prophylaxe“.

Wusstest du schon?

Sitzringe werden auf manchen Internetseiten noch als Dekubitus-Hilfsmittel ausgewiesen. Das ist aber nicht mehr zeitgemäß. Zwar dienen Sitzringe auch der Entlastung des Gesäßes, allerdings nur bei Patienten, die noch relativ mobil sind, also wenn das Sitzen auf harten Unterlagen wegen einer Wunde oder wegen Hämorrhoiden schmerzt und wenn der Nutzer selbst nach kurzer Zeit wieder aufstehen kann. Bei Dekubitus-Patienten sollten keine Sitzringe genutzt werden, denn das gesamte Körpergewicht liegt dann nur auf der ringförmigen Fläche – was nach kurzer Zeit wiederum ein Druckgeschwür begünstigt.

Fazit: Sei aufmerksam und nimm Druckgeschwüre ernst

Unter dem Strich solltest du verinnerlichen, dass Druckgeschwüre recht schnell entstehen können, nämlich schon nach zwei Stunden. Schenke deshalb als pflegender Angehöriger der Lagerung und der Hygiene an den gefährdeten Körperstellen stets viel Aufmerksamkeit. Sobald ein Dekubitus vorliegt, muss dieser unbedingt richtig behandelt und der Patient regelmäßig umgelagert werden. Versuche nicht, selbst eine Makrolagerung durchzuführen. Das ist zu gefährlich. Lasse dich stets von Fachpersonal beraten und nimm Hilfe in Anspruch, wenn du dir unsicher bist.

Zur Autorin

Susanne ist ausgebildete Redakteurin, qualifizierte Betreuungskraft für Menschen mit Demenz (nach § 43b, 53c SGB XI), hat den Kurs zur Hospizbegleiterin absolviert und außerdem einen Ehemann, der seit 25 Jahren als Altenpfleger arbeitet und seit einigen Jahren Inhaber eines ambulanten Pflegedienstes ist. Seit mehreren Jahren schreibt Susanne deshalb vorwiegend zum Thema Pflege für unterschiedliche Medien. Damit ihre Texte inhaltlich korrekt und vor allem praxisnah und alltagstauglich sind, holt sie sich die Informationen von ihrem Netzwerk aus Fachleuten aus der Praxis - und lässt vor Veröffentlichung stets jemanden gegenlesen, der sich sich mit dem jeweiligen Thema bestens auskennt.

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