Aktivrollstuhl

Wenn du dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen bist und mit Muskelkraft ohne motorisierten Antrieb damit so aktiv, flexibel und selbstständig wiemöglich unterwegs sein willst, ist der Aktivrollstuhl das Richtige. Ein Aktivrollstuhl wird auch „Adaptivrollstuhl“ genannt, denn er passt sich bestmöglich den Bedürfnissen des Nutzers an und ist dabei stets leichter als ein Standardrollstuhl.

Die Bauteile von Aktivrollstühlen sind von höherer Qualität als bei Standardmodellen. Deshalb rollen sie entsprechend besser und sind wendiger. Das schont wiederum die Gelenke, die beim Antrieb durch Muskelkraft und dauerhafter Nutzung sehr beansprucht werden.

Vorteile eines Aktivrollstuhls

  • Sehr leicht
  • Sehr wendig
  • Weniger Kraft für die Fortbewegung nötig
  • Individuell anpassbar und dadurch dauerhaft bequemer als Standardmodelle

Verstellbare Komponenten sind

  1. der Rollstuhlrückenwinkel
  2. die Sitzhöhe
  3. die Positionierung der Sitzbespannung

Die Qual der Wahl: Worauf du beim Aktivrollstuhl achten solltest

Ganz klar: Wenn ein Rollstuhl an deine persönlichen Bedürfnisse angepasst wird, müssen diese zunächst ausgemacht werden. Allem voran stehen die Fragen: Wann, wo und wofür genau nutzt du den Rollstuhl?Das ist deshalb so wichtig, weil schon Kleinigkeiten darüber entscheiden, ob du beispielsweise mit dem Rollstuhl zuhause durch die Wohnzimmertür passt, ob der Transport im Auto funktioniert oder ob du problemlos damit beim Basketballspielen auf dem Feld klarkommst.

Rückenlehne, Armlehne und Kippschutz

Eine niedrige Rückenlehne ermöglicht dir mehr Beweglichkeit. Wenn du etwas greifen möchtest, das schräg hinter dir auf dem Regal liegt, dann solltest du das aus dem Rollstuhl heraus bequem durch Drehung des Oberkörpers tun können. Wenn die Lehne zu hoch ist, muss du erst umständlich mit dem Rollstuhl nachjustieren. Deshalb: Achte beim Ausmessen darauf, dass du zwar bequem sitzt, aber dennoch locker über die Lehne nach hinten greifen kannst. Als ungefähren Richtwert kannst du dich am Schulterblatt orientieren: Die Rückenlehne sollte maximal bis zur Unterkante deines Schulterblatts reichen.

Denke auch an die Armlehnen: Wen du beispielsweise am Tisch essen möchtest, sollten die Armlehnen darunter passen. Andernfalls sitzt du zu weit vom Tisch weg. Es gibt Armlehnen, die von vornherein angeschrägt sind. Am besten ist es aber, wenn sie sich einfach verstellen lassen.

Wenn du dein Gewicht nach hinten verlagerst, könnte der Rollstuhl kippen. Deshalb ist der Kippschutz eine sehr wichtige Sache. Auch wenn du beispielsweise über eine Türschwelle oder über einen Bordstein nach oben auf den Gehweg fährst, kann das sprichwörtlich nach hinten losgehen. Lege deshalb Wert darauf, dass der Kippschutz hinten am Rollstuhl stabil und sicher montiert ist, dich aber beim Fahren nicht behindert.

Transport des Rollstuhls

Faltbar, leicht und problemlos abnehmbare Hinterreifen - das sind die wichtigsten Kriterien, wenn es um den Transport geht. Sofern du den Rollstuhl häufig im Auto mitnehmen musst, solltest du darauf achten, dass du ihn ohne großen Aufwand transportieren kannst. Nahezu alle Aktivrollstühle sind heutzutage faltbar. Lass dir im Sanitätshaus die Handgriffe genau erklären und probiere selbst aus, wie du damit zurechtkommst. Außerdem ist es hilfreich, wenn auch einer deiner Angehörigen oder Freunde über die Technik bescheid weiß. In der Regel faltet sich der Rollstuhl nahezu von selbst, wenn du einfach von unten die Sitzfläche anhebst.

Aber: Es gibt auch Rollstühle mit starrem Rahmen. Diese sind also nicht faltbar. Ihr großer Vorteil liegt darin, dass sie noch leichter sind als Faltrahmen-Modelle. Das sind die sogenannten Ultraleichtgewichtrollstühle, die mitunter kaum mehr als sechs Kilo wiegen. Außerdem überträgt sich beim Starrrahmenrollstuhl die Kraft, die vom Fahrer auf die Räder ausgeübt wird, noch besser. Du brauchst also etwas weniger Kraft für den Antrieb. Weil die Räder auch bei Starrahmenrollstühlen abnehmbar sind, kann auch so ein Rollstuhl für den Transport „kleingemacht“ werden. Am Ende kommt es aber auf die Größe deines Autos an, ob auch ein Starrahmenmodell bequem darin Platz findet, und ob du den Rollstuhl überhaupt im Auto transportieren musst, oder ihn ohnehin nur in der Wohnung nutzt.

Die Räder

Bereifung und Greifringe solltest du beim Aktivrollstuhl nicht dem Zufall überlassen. Wie beim Fahrrad gibt es auch für den Aktivrollstuhl große Unterschiede. Würdest du mit dem Rennrad eine Off-Road-Piste hinunterfahren? Wahrscheinlich nicht. Deshalb: Nutze das Wissen der Experten im Sanitätshaus und erkläre genau, wo du mit deinem fahrbaren Untersatz überall unterwegs bist.

Übrigens gibt es tatsächlich Off-Road-Rollstuhlräder. Sie haben in etwa ein Profil wie der Reifen bei einem Mountainbike. Damit kommst du dann auch auf nicht befestigtem Untergrund gut vom Fleck. Aber nicht jeder möchte unbedingt querfeldein mit dem Rollstuhl unterwegs sein. Je nachdem, wo du dich bewegst, kann ein ganz normales Profil für dich die bessere Wahl sein. Auch, wenn du viel draußen bist.

Während manche Rollstuhlnutzer auf den gängigen Standard der Vollgummibereifung schwören, bevorzugen andere eine komplette Luftbereifung. Der Vorteil von Vollgummireifen für den Rollstuhl: Sie sind sehr robust. Du wirst mit Vollgummireifen also nie einen Platten haben. Auch Luftbereifung ist relativ pannensicher. Allerdings eben nicht zu 100 Prozent. Dennoch bevorzugen manche die Luftbereifung, weil sie den Fahrkomfort erhöht, sofern der Luftdruck stimmt – Unebenheiten werden besser gedämpft, alles fühlt sich etwas weicher an. Der Rollwiderstand ist geringer, die Federung sehr gut.

Greifringe

Schenke auch den Greifringen deine Aufmerksamkeit. Hier kommt es vor allem auf die Beschichtung an. Wenn du zum Beispiel auf gummierte Greifringe setzt, dann kannst du deine Kraft optimal auf das Rad übertragen. Wenn es bergab geht, kann die Gummierung aber auch deine Handinnenflächen sehr strapazieren. Dann solltest du Handschuhe tragen. Eloxierte Greifringe sind im Gegensatz dazu ehr glatt. Das schont zwar deine Handinnenflächen, aber falls du zu feuchten Händen neigst, kann das eine rutschige Angelegenheit werden und auch den Einsatz von Handschuhen erfordern. Oder du musst sehr fest zupacken.

Lenkräder vorne

Das Fahrgefühl ist sehr von den kleinen Lenkrädern vorne abhängig. Wenn sie zu klein sind, kann sich die Fahrt wackelig anfühlen. Größere Räder aus Gummi geben ein stabiles und sicheres Gefühl, vor allem auf unebenem Untergrund. Tendenziell sind große Lenkrädchen vorne also bequemer. Mache trotzdem deine Wahl von deinen speziellen Bedürfnissen abhängig und besprich das mit dem Sanitätshausmitarbeiter deines Vertrauens.

 

Federung

Möglicherweise macht eine Federung der Räder ein bequemeres Fahrgefühl. Bedenke aber: Dadurch verschwendest du Kraft. Deshalb überlege vorher, ob die Federung für dich wirklich sinnvoll ist.

Besonderheit Sportrollstuhl

Damit du beim Sport auch im Rollstuhl wendig bist, sind die Räder bei diesen Modellen oben etwas nach innen gekippt. Dieser leichte, sogenannte Radsturz vermindert den Auflagendruck und bringt mehr Seitenstabilität. Allerdings: Ein Sportrollstuhl ist, wie der Name schon sagt, für den Sport gedacht. Für den Alltag ist er nicht geeignet. Deshalb ist ein solcher fahrbarer Untersatz nur als Zweitrollstuhl und nur dann sinnvoll, wenn du regelmäßig sportlich aktiv bist.

Weil die Sportarten unterschiedliche Anforderungen an die Sportler stellen, unterscheiden sich auch die Sportrollstühle sehr voneinander. Es gibt zum Beispiel einen Basketballrollstuhl, einen Tennis- und Badmintonrollstuhl oder einen Rugbyrollstuhl. Allen gemein ist die besonders niedrige Rückenlehne, damit die Beweglichkeit des Oberkörpers nicht eingeschränkt wird.

Tipp

Wenn du mehr über Sport mit Rollstuhl erfahren möchtest, bekommst du umfangreiche Informationen auch beim Deutschen Behindertensportverband.

Fazit

Damit du möglichst uneingeschränkt und selbstständig im Alltag mit deinem Aktivrollstuhl zurechtkommst ist es wichtig, dass du deine Bedürfnisse und Gewohnheiten kennst und formulieren kannst. Je genauer du deinem Experten im Sanitätshaus sagst, welche Kleinigkeiten dir wichtig sind, desto besser wirst du mit dem Rollstuhl umgehen können. Alles sollte einfach zu bedienen sein und du solltest ohne allzu große Anstrengung gut vom Fleck kommen. Lege vor allem Wert auf die Komponenten, die für deine Sicherheit sorgen – also den Kippschutz und die Bereifung, die zu deinen Bedürfnissen passen muss. Probiere deinen Rollstuhl zuerst aus und überprüfe, ob du bequem sitzt oder ob es irgendwo drückt. Und dann: Allseits gute Fahrt!

Zur Autorin

Susanne ist ausgebildete Redakteurin, qualifizierte Betreuungskraft für Menschen mit Demenz (nach § 43b, 53c SGB XI), hat den Kurs zur Hospizbegleiterin absolviert und außerdem einen Ehemann, der seit 25 Jahren als Altenpfleger arbeitet und seit einigen Jahren Inhaber eines ambulanten Pflegedienstes ist. Seit mehreren Jahren schreibt Susanne deshalb vorwiegend zum Thema Pflege für unterschiedliche Medien. Damit ihre Texte inhaltlich korrekt und vor allem praxisnah und alltagstauglich sind, holt sie sich die Informationen von ihrem Netzwerk aus Fachleuten aus der Praxis - und lässt vor Veröffentlichung stets jemanden gegenlesen, der sich sich mit dem jeweiligen Thema bestens auskennt.

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