So erkennst du einen guten Pflegedienst

Was darf ein Pflegedienst? Was muss er leisten, was kann er leisten? Zugegeben: Wer in seinem Umkreis unter mehreren Pflegediensten wählen kann, der hat in Deutschland ein Luxusproblem. Denn aufgrund von flächendeckendem Personalmangel in der Pflege sind die Kapazitäten der rund 14.000 ambulanten Pflegedienste in der Bundesrepublik fast überall bereits am Limit. Dennoch lohnt es sich, bei der Beauftragung eines Pflegedienstes auf bestimmte Kriterien zu achten. Denn nicht alle professionellen Anbieter schaffen es, bei ihren vollgestopften Tourenplänen und vielen Anfragen auch noch über das notwendige Maß hinaus Extra-Informationen bereitzustellen oder Fragen immer detailliert genug zu beantworten.

Transparenz ist das Zauberwort

Von einem guten Pflegedienst bekommst du auf jeden Fall bei der Erstberatung alles Wichtige erklärt. Das bedeutet, dass sich ein Mitarbeiter Zeit für Dich nimmt und gemeinsam mit dir den individuellen Bedarf und die optimale Versorgung für dich oder deinen Angehörigen ermittelt. Dabei sollte dir auch genau erklärt werden, welche Kosten für welche Leistungen von wem übernommen werden und welches Budget aus welchen Töpfen du nutzen kannst. Das ist wichtig, weil du neben den vom Arzt verordneten Pflegemaßnahmen auch entlastende Hilfen im Alltag in Anspruch nehmen kannst. Dafür steht dir nämlich je nach Pflegegrad ein bestimmter Betrag zu.

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Kostenvoranschlag schafft Klarheit

Ein guter Pflegedienst erstellt dir einen ausführlichen Kostenvoranschlag. Das bedeutet, dass dir nicht nur eine Preisliste ausgehändigt wird, sondern detailliert alle von dir benötigten Leistungen aufgeführt und addiert werden. Was du dafür wissen solltest: Leistungen, die aufgrund einer ärztlichen Verordnung erbracht werden, nennt man „Behandlungspflege“. Maßgeblich für diese Leistungen ist das Sozialgesetzbuch V [1]. Diese Leistungen dürfen nur examinierte Pflegefachkräfte erbringen. Darunter fällt beispielsweise Wundversorgung, das Legen von Kathetern oder das Verabreichen bestimmter Spritzen. Diese Leistungen werden in der Regel von der Krankenkasse bezahlt und tangieren deinen eigenen Geldbeutel nur in selten Fällen. Für deine Kalkulation sind vor allem die Leistungen interessant, die nichts mit medizinischer Notwendigkeit zu tun haben, sondern die deinem Angehörigen oder dir den Alltag erleichtern und mitunter den Verbleib in den eigenen vier Wänden überhaupt erst ermöglichen.      

Ein guter Pflegedienst nutzt dein Budget optimal

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Wenn du beispielsweise bei Pflegegrad 3 pro Monat 1.298 Euro für Pflegesachleistungen (immer direkte Abrechnung des Anbieters mit der Pflegekasse) plus 125 Euro für Entlastungsleistungen zur Verfügung hast, dann heißt das Folgendes: Für Hilfe bei der Körperpflege, beim Einkaufen oder das Putzen der Wohnung kannst du in Eigenregie unterschiedliche von der Kasse zugelassene Anbieter beauftragen. Die Krux dabei ist aber erstens, dass du speziell bei den Entlastungsleistungen selbst den Überblick über dein Budget behalten und Rechnungen sammeln und dann bei der Kasse einreichen musst. Auch, wenn du über eine sogenannte Abtretungserklärung den einzelnen Anbietern gestattest, direkt mit der Kasse abzurechnen, gibt es ein Problem: Wenn du mehrere Anbieter beauftragst, dann könnte die Obergrenze deines Budgets am Ende des Monats überschritten werden – und es ist unterm Strich nicht klar, welcher Anbieter dann letztlich auf seinen Kosten sitzenbleiben würde.

Wenn du einem Pflegedienst die Organisation für diese alltagserleichternden Leistungen überlässt, kann er für dich dein monatliches Budget im Blick behalten und zugleich erkennen, wie du noch mehr aus deinem Budget herausholen kannst. Wichtig dabei ist, dass manche Arbeiten des täglichen Bedarfs nicht zwingend von einer Fachkraft ausgeführt werden müssen. Den Einkauf muss beispielsweise nicht zwingend eine gelernte Hauswirtschafterin erledigen. Das schont das Budget – denn eine Fachkraft schlägt natürlich mit mehr Gehalt zu Buche. Auch das sollte der Pflegedienst für dich transparent machen, wenn du ihm die Verwaltung deines Budgets überlässt. Die Personalkosten hängen allerdings auch davon ab, ob und welcher Tarifvertrag für die Beschäftigten angewandt wird. Deshalb kommt es mitunter auch zu Preisunterschieden bei verschiedenen Pflegediensten für dieselbe Leistung. Dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Empfehlungen zu den Vertragsinhalten und Leistungskomplexen findest du zum Beispiel im Downloadbereich des AOK-Gesundheitspartner-Portals [2].

Darf ich Sonderwünsche äußern?

„Bitte immer erst nach acht Uhr zum Waschen kommen!“ Oder „Bitte schicken Sie für Körperpflege meiner Mutter nur eine weibliche Pflegekraft!“ Darf ich solche Sonderwünsche anbringen? Ganz klar, du darfst. Ein guter Pflegedienst wird sich deine Wünsche anhören und prüfen, ob sie realisierbar sind. Dabei solltest du aber im Hinterkopf behalten, dass Pflegedienste nahezu immer mit Personalmangel zu kämpfen haben. Das hat zur Folge, dass die Touren der Mitarbeiter sehr voll sind und es nicht möglich ist, immer alle Sonderwünsche der Kunden zu berücksichtigen. Ganz klar: Dir beispielsweise immer nur deine Lieblingspflegekräfte zu schicken, das ist auch für einen guten Pflegedienst eine Herausforderung. Denn auch die Mitarbeiter haben mal Urlaub oder sind krank. Auch Sonderwünsche bezüglich der Uhrzeiten können mitunter nur schwer umsetzbar sein. Dennoch: Wer freundlich fragt, der wird von einem guten Pflegedienst ebenso freundlich eine entsprechende Rückmeldung erhalten – und im Idealfall sogar manche Wünsche erfüllt bekommen.

Biografiearbeit – unerlässlich für gute Pflege

Wenn du einen Angehörigen pflegen lässt, dann wird ein guter Pflegedienst sich sehr genau nach den Gewohnheiten und auch nach der Lebensgeschichte des Kunden erkundigen. Denn es ist schwierig, vertrauensvoll mit jemandem umzugehen, über den einem nichts bekannt ist. Wenn beispielsweise deine hochbetagte Mutter ein traumatisches Erlebnis hatte, mit bestimmten Ängsten zu kämpfen hat oder daran gewöhnt ist, dass immer dieselbe Duschgel-Marke verwendet wird, dann erleichtert das Wissen darum den Umgang im Alltag ungemein. Deshalb ist es ein gutes Zeichen, wenn dir Fragen dazu schon im Aufnahmegespräch gestellt werden.

Erreichbarkeit

Wenn du oder dein Angehöriger kurzfristig dem Pflegedienst etwas mitteilen wollen oder eine dringende Frage aufkommt, sollte ein guter Pflegedienst auch erreichbar sein. Erkundige dich nach der Rufbereitschaft. Es muss gewährleistet sein, dass du immer jemanden an die Strippe bekommst, der dir weiterhelfen kann. Die Rufbereitschaft sollte rund um die Uhr zur Verfügung stehen und im Zweifel – sofern du nicht sofort jemanden erreichst – auch direkt zurückrufen.

Tipp

MDK-Pflegenote einsehen

Einen schnellen Überblick über die Bewertungen eines Pflegedienstes kannst du dir im AOK-Pflegenavigator [3] verschaffen. Dort sind die Vergütungsverträge mit den Pflegediensten hinterlegt. Außerdem siehst du auf einen Blick, welche Note der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) einem Pflegedienst bei der letzten Prüfung bescheinigt hat.

Fazit

Ein guter Pflegedienst zeichnet sich vor allem durch Transparenz aus. Er sollte dir deine Fragen stets beantworten und ein offenes Ohr für Sonderwünsche haben – auch wenn diese nicht immer erfüllt werden können. Du und deine Angehörigen sollten sich gut aufgehoben fühlen. Außerdem muss der Pflegedienst stets über die Rufbereitschaft erreichbar sein.

Quellen

[1]: Sozialgesetzbuch V: https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/11.html

[2]: Downloadbereich der AOK: https://www.aok-gesundheitspartner.de/bund/pflege/ambulant_sgbxi/index.html

[3]: AOK Pflegenavigator: https://www.pflege-navigator.de/index.php?module=careservice

Weitere Quellen:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/Publikationen/Downloads-Pflege/laender-ambulante-pflegedienste-5224101179004.pdf?__blob=publicationFile

https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbv/11.html

https://www.aok-gesundheitspartner.de/bund/pflege/ambulant_sgbxi/index.html

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