Die seelischen Aspekte von Schlaganfall und Herzinfarkt

Bei einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt ist die Psyche regelrecht überwältigt. Was passiert mit einem Menschen, den der Schlag trifft oder dem das Herz bricht? Warum versinken einige nach dem Schlaganfall in eine Depression? Und was ist Sharon Stones Geheimnis für ihre vollständige Erholung? „Basic Instinkt“ - Star Sharon Stone sagte 2015 über ihren Schlaganfall im Jahre 2001: „Ich bin glücklich, dass ich so alt werden darf. Es war eigentlich ausgeschlossen, dass ich all meine Körperfunktionen wiedererlangen würde. Als ich nach Hause entlassen wurde, konnte ich nur unter größten Schwierigkeiten laufen. Ich konnte auf dem linken Auge nicht sehen und auf dem linken Ohr nicht hören.“ Noch jahrelang wurde sie zwischenzeitlich auf der linken Seite blind. Auch hatte sie während der ersten Monate nach dem Schlaganfall kein Gefühl im linken Bein. Sie stotterte und musste erst wieder neu sprechen lernen. Erst nach drei Jahren konnte sie ihren Namen wieder schreiben. Und … heute strahlt sie wieder wie nie. Der Normalfall ist das leider nicht. 

Schlaganfall – und wie soll es nun weitergehen?

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Es ist eine traurige Realität: Etwa 50 Prozent der Schlaganfall-Patienten verbleiben nach dem Vorfall verändert und eigeschränkt. Jeder dritte leidet an psychischen Folgeerkrankungen, am häufigsten unter der sogenannten Post-Schlaganfall-Depression (PSD). Durch sie steigt die Behinderung noch an, während die Lebensqualität sinkt. Besonders häufig reagieren Senioren ohne soziale Unterstützung oder mit bereits vorhandenen psychischen oder kognitiven Einschränkungen depressiv auf die neue Situation.

Niedergeschlagenheit ist natürlich eine verständliche Reaktion, wenn du nicht mehr sprechen kannst oder gelähmt bist. Aber wie kann eine Depression verhindert oder gelindert werden? Professor Dr. med. Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie an der Berliner Charité sagt, der frühe Einsatz von Medikamenten aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) beugt dem Auftreten von Depressionen nach dem Schlaganfall vor. Die Übertragung von Nervenimpulsen durch den Botenstoff Serotonin würde gesteigert und das Absterben von Nervenzellen vermindert. Studien [1] bestätigen, dass SSRI die Funktion von Hirnzellen stabilisieren und sogar Neubildungen von Hirnzellen anregen. Ob Sharon Stones 2001 schon SSRI bekam, ist nicht bekannt. Ihr Kampfgeist und Mut allerdings waren auffällig. Und auch heute hat sie vor einem erneuten Schlaganfall keine Angst: „Ich lebe gesund und ich weigere mich, auf Dinge die ich liebe, zu verzichten.“

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Herzinfarkt – mit der Angst leben lernen

Sterbefälle durch Herzinfarkt sind dank besserer Akutmaßnahmen rückläufig. Jedoch ist das Leid im Anschluss an den Infarkt bei etwa einem Viertel der Patienten beachtlich. Sie leiden an einer Posttraumatischen Belastungsstörung: an Angst, Panik und Schlafstörungen. Ständig erleben sie den Infarkt oder Anfall wieder. Oft vermeiden Betroffene mögliche oder ursächliche Situationen und isolieren sich damit sozial – mit den bekannten Folgen für Lebenserwartung und Lebensglück. In Gesprächen kann das belastende Erlebnis besser bearbeitet werden als allein und damit seinen Schrecken verlieren.

 

Hinweis

Die vorhandene Menge des Botenstoffes Dopamin im Gehirn hat direkte Auswirkungen auf verschiedene kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Informationsverarbeitung und Lernen. Weiterhin lernt es sich grundsätzlich besser mit einer Aussicht auf Belohnung. Die im Fachjournal PLoS Biology (Public Library of Science) veröffentlichten Erkenntnisse von Forschern aus Deutschland, der Schweiz und der UK brachten zutage, dass Dopamin als Lernverstärker wirkt und zur Behandlung von Hirnverletzungen sinnvoll sein kann. Demnach bieten Dopaminpräparate zusammen mit einer Belohnung nach erfolgtem Training neue Möglichkeiten zur Behandlung von Patienten mit Ausfallerscheinungen, beispielsweise Schlaganfall-Patienten. Die Dosierung ist hier allerdings ganz entscheidend. Zu viel von dem Botenstoff kann gefährlich werden, da hohe Dopaminspiegel auch psychische Störungen auslösen können, wie etwa eine Psychose.

Gibt es einen Schutz gegen Schlaganfall oder Herzinfarkt?

Folgende für den Alltag senken das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt:

Lass vorzugsweise Folgendes hinter dir:

  • Rauchen
  • Viel fettes Essen
  • unnötigen Stress
  • ungesunde Gewohnheit
  • zuckerhaltige Nahrung
  • Bewegungsmangel und Übergewicht

 

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Psychosomatische Faktoren bei Schlaganfall und Herzinfarkt

Ihrem Symbolgehalt nach haben beide Erkrankungen etwas mit Plötzlichkeit und Schock zu tun. Welche Schreckmomente deines Lebens hast du noch nicht verdaut? Das herauszufinden und alte Belastungen aufzulösen ist der beste Schutz, beispielsweise durch Psychotherapie oder Gruppenarbeit. Der innere Stress (psychischer Stress) gilt schließlich als einer der Schlaganfall-Hauptrisikofaktoren. Er aktiviert das sympathische Nervensystem und sorgt für eine höhere Ruhe-Herzfrequenz. Dieses „auf Hochtouren laufen des Sympathikus“ sorgt neben der erhöhten Ruhe-Herzfrequenz auch für eine Aktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, die die hormonellen Kreisläufe regelt. Beide Faktoren stellen eine kardiovaskuläre Belastung dar, die im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen kann. Daher nimm eine anhaltende Schwere ums Herz unbedingt ernst. Sie kann einen Belastungsfaktor ausdrücken. Das Symbol des gebrochenen Herzens weist doch schon unübersehbar auf einen lebensbedrohlichen Einschnitt hin. Auch das Sprichwort „mein Kopf qualmt“ bringt unverkennbar zum Ausdruck, dass da etwas Schwelendes vor sich geht, das jeden Moment in Flammen aufzugehen droht. Such dir bitte Hilfe, bevor es zu spät ist und du körperlich krank wirst. Zudem gehen depressive Menschen mit ihrem Körper gelegentlich achtloser um, rauchen zum Beispiel und bewegen sich wenig, was wiederum Krankheiten begünstigen kann. 

Quellen

[1] Studie: https://www.aerztezeitung.de/Medizin/SSRI-beguenstigt-Erholung-nach-Schlaganfall-257132.html

https://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Sharon-Stone-Das-Schlimmste-war-das-Stottern

Buch der Dualen Reihe „Psychiatrie und Psychotherapie“

https://www.thieme.de/de/psychiatrie-psychotherapie-psychosomatik/schlaganfall-und-psyche-53868.htm

https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Nach-dem-Herzinfarkt-Wenn-die-Psyche-leidet,trauma101.html

https://www.dsg-info.de/presse/pressemeldungen/400-post-stroke-depression-antidepressiva-koennen-die-erholung-beguenstigen.html

https://cordis.europa.eu/article/id/31076-rewards-and-dopamine-affect-sensory-learning-study-shows/de

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