Phosphatmangel und Phosphatüberschuss

Fast alle Lebensmittel enthalten natürlichen Phosphor, vielen wird künstlich erzeugtes Phosphat zugesetzt. Für einen gesunden Menschen ist es fast unmöglich, einen Phosphormangel zu erleiden. Die Gefahr, zu viel des Mineralstoffs aufzunehmen ist deutlich größer und kann insbesondere bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion eine Gefahr darstellen. Wie entsteht ein Phosphatmangel oder -überschuss, welche Symptome zeigen sich?

Ursachen für den Phosphatmangel

Phosphatmangel, in der Fachsprache Hypophosphatämie, ist sehr selten auf eine zu geringe Phosphatzufuhr über die Nahrung zurückzuführen. Er tritt eher im Zusammenhang mit Krankheiten oder der Einnahme bestimmter Medikamente auf:

Chronische Darmerkrankungen wie Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn können zu einem Mineralstoffmangel führen. Zum einen hast du vielleicht durch Schmerzen, Durchfall und Übelkeit wenig Appetit und nimmst dadurch schon weniger Mineralstoffe auf. Vielleicht meidest du auch bestimmte Lebensmittel aus Angst vor auftretenden Schmerzen. Wenn dein Darm entzündet ist, kann er die angebotenen Nährstoffe schlechter aufnehmen und verwerten. Bei Durchfällen verlierst du mit der Flüssigkeit auch Vitamine und Mineralstoffe. Langfristig kann ein Mineralstoffmangel, wie zum Beispiel Phosphatmangel, die Folge sein.

Nierenfunktionsstörungen, etwa durch erhöhten Alkoholkonsum oder andere Ursachen hervorgerufen, können einen Phosphormangel bewirken. Bereits ab einem Alkoholgehalt im Blut von 0,5 Promille entwässern deine Nieren den Körper und schwemmen Mineralstoffe aus.  

Eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen kann der Grund für einen Phosphormangel sein. Wird in ihnen eine zu große Menge Parathormon produziert, werden Calcium und Phosphor aus den Knochen mobilisiert. Gleichzeitig sorgt Parathormon für eine verringerte Ausscheidung von Calcium und eine erhöhte Ausscheidung von Phosphor mit dem Urin, wodurch der Phosphorspiegel im Blut sinkt. Langfristig kann so ein Phosphormangel entstehen.

Eine längerfristige Einnahme von aluminiumhaltigen Medikamenten gegen Sodbrennen, sogenannte Antazida, kann zu einem Phosphormangel führen. Aluminiumhydroxid und das im Körper vorhandene Phosphat gehen unlösliche Verbindungen ein, die sich im Darm absetzen und nicht wieder gelöst werden können. So zieht Aluminiumhydroxid das vom Körper benötigte Phosphat ab.

Ein Vitamin-D-Mangel kann zu Phosphatmangel führen, da Vitamin D neben dem Parathormon für die Regulierung des Phosphatspiegels im Blut zuständig ist.

Eine erblich bedingte Hypophosphatämie wird auch Phosphatdiabetes genannt. Dabei ist die Rückresorption des Phosphats gestört, sodass zu viel Phosphat mit dem Harn ausgeschieden wird. Der Phosphatmangel vermindert die Einlagerung von Calcium in die Knochen, dadurch kommt es zu schweren Knochenwachstumsstörungen. Diese Erkrankung zeigt sich bereits im Kleinkindalter.

Symptome eines Phosphatmangels

Ein Phosphatmangel führt zu einer Störung aller Zellfunktionen und Zellstoffwechselvorgänge. Sichtbare Symptome zeigen sich vor allem in den Knochen: Wachstumsstörungen, Skelettdeformationen und Osteomalazie (Knochenerweichung) sind die Folgen. Aber auch Muskelkrämpfe, Infektanfälligkeit, Gewichtsverlust, Müdigkeit und Abgeschlagenheit gehören zu den Symptomen. Langanhaltender Phosphormangel führt zu Muskelschwäche, was auch das Herz und das Zwerchfell betrifft. Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und Atembeschwerden können die Folge sein.

Ein Mangel kann lange Zeit unbemerkt bleiben, da sich der Körper über Jahre hinweg an dem Phosphat aus den Knochen bedienen kann. Ein leichter Mangel ohne Beschwerden kann meist durch eine ausgewogene Ernährung behoben werden, ein schwerer Mangel erfordert in der Regel eine intensivmedizinische Versorgung.

Ursachen für einen Phosphatüberschuss

Bei einer ausgewogenen Ernährung ist ein gesundheitsbedenklich erhöhter Phosphatspiegel, in der Fachsprache Hyperphosphatämie, fast unmöglich. Patienten mit erhöhtem Phosphatspiegel haben häufig eine Vorerkrankung:

Eine eingeschränkte Nierenfunktion ist eine häufige Ursache eines Phosphatüberschusses. Der Körper scheidet weniger Phosphor mit dem Urin aus, dadurch sammelt sich Phosphor im Körper an.

Natriumhydrogenphosphat ist ein arzneilich wirksamer Bestandteil von Abführmitteln. Übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln, beispielsweise zur Unterstützung einer Diät, kann Ursache für einen Phosphorüberschuss sein.

Bei einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse wird zu wenig Parathormon hergestellt. Parathormon reguliert zusammen mit Vitamin D den Phosphorstoffwechsel. Bei hohem Phosphorspiegel im Blut sorgt Parathormon dafür, dass Phosphor vermehrt mit dem Urin ausgeschieden wird, sodass der Phosphorspiegel im Blut gesenkt wird. Wird zu wenig Parathormon in der Nebenschilddrüse produziert, kann sich Phosphor im Körper anreichern und ein Überschuss entstehen.

Auf ähnliche Weise kann eine Unterfunktion der Nebennieren zu einem Phosphatüberschuss führen. Bei einer Unterfunktion kann die Nebenniere nicht mehr ausreichend das Steroidhormon Aldosteron herstellen, welches ähnlich wie das Parathormon dafür sorgt, dass die Niere genügend Phosphor ausscheidet und kein Phosphorüberschuss entsteht.

Eine Schilddrüsenüberfunktion beschleunigt den Stoffwechsel fast aller Zellen des Körpers. Der beschleunigte Stoffwechsel des Knochens, insbesondere der Knochenabbau mit Freisetzung von Phosphor aus dem Knochen, kann zu einem Phosphorüberschuss führen.

Eine ähnliche Auswirkung hat Bewegungsmangel: Knochen ohne Bewegung werden weniger beansprucht, wodurch der Körper mehr Knochen abbaut als aufbaut, und zusätzlich den aufgebauten Knochen schlechter mit Phosphor stabilisiert.

Bösartige Tumore können zu einem vermehrten Herauslösen von Phosphor aus den Knochen führen. Sie bilden Ableger im Knochen, die den Knochen auflösen, oder bilden Substanzen, die zu einem vermehrten Knochenabbau führen. Beim Abbau von Knochen wird Phosphor freigesetzt. Bösartige Tumore sind zum Beispiel Lungenkrebs, Brustkrebs, Nierenkrebs, Leukämie oder bösartige Lymphome.

Symptome eines Phosphatüberschusses

Ein dauerhaft sehr hoher Phosphatspiegel im Blut kann sich in vielen Organen bemerkbar machen. Typische Symptome sind zum Beispiel Krämpfe, trockene Haut, Haarausfall, brüchige Nägel, Durchfall, entzündete Augen und ein gestörter Knochenstoffwechsel. Häufig ist neben dem Phosphat- auch der Calciumspiegel im Blut erhöht. In der Folge können Ablagerungen in Muskeln und anderen Geweben zu Verkalkungen führen. Gefäßverkalkungen mit Bluthochdruck, Knorpelverkalkungen mit Gelenkschmerzen, Nierenverkalkungen mit chronischem Nierenversagen und Herzmuskelverkalkungen mit Herzrhythmusstörungen sind mögliche Folgen.

Fazit

Ein gesunder Mensch wird kaum einen Phosphormangel oder -überschuss erleiden, da ein gesunder Körper den Gehalt von Phosphat im Blut fein regulieren kann. Wenn du jedoch bereits an einer Krankheit leidest, kann als Begleiterscheinung ein Phosphatmangel oder ein Phosphatüberschuss auftreten. Ein Mangel kann lange Zeit unbemerkt bleiben, da der Körper auf das im Knochen gebundene Phosphat zurückgreift. Wenn du unter Niereninsuffizienz leidest, ist die Gefahr eines Phosphatüberschusses besonders groß. Aber auch eine Unterfunktion der Nebenschilddrüsen oder eine Überfunktion der Schilddrüsen können einen Phosphorüberschuss bewirken. Ein gleichzeitig erhöhter Calciumspiegel kann Nieren- und Herzmuskelverkalkungen hervorrufen.

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Phosphatdiabetes

https://www.eesom.com/ernaehrung-stoffwechsel/ernaehrung/nahrungsbestandteile/elektrolyte/phosphor/

https://www.onmeda.de/naehrstoffe/phosphor-hyperphosphataemie-(erhoehter-phosphatspiegel)-2276-5.html

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