Natriummangel und Natriumüberschuss

Eine optimale Natriumversorgung erhält unsere körperliche Leistungsfähigkeit und unser geistiges Denkvermögen. Der Mineralstoff dient als eine Art Flüssigkeitsverteiler und versorgt die Muskeln mit Nährstoffen. Gerät der Natriumspiegel in eine chronische Schieflage, können wichtige Körperfunktionen derart gestört werden, dass ein Patient ins Koma fallen und sogar sterben kann. Daher ist es wichtig, die Alarmsignale zu kennen.

Wofür braucht unser Körper Natrium?

Natrium sorgt zusammen mit anderen Mineralstoffen dafür, dass unser Wasserhaushalt stimmt, das Herz richtig schlägt und die Muskeln ihre Arbeit verrichten können. Die beiden Gegenspieler Natrium und Kalium sorgen für die elektrische Erregbarkeit der Zellen. Sie bauen zwischen dem Zellinneren und Zelläußeren eine elektrische Ladung auf, wodurch Impulse zwischen Nerven- und Muskelzellen weitergegeben werden können. Natrium wird auch als Wirkstoff in Arzneimitteln eingesetzt, beispielsweise in „Diclofenac-Natrium Micro Labs“, welche schmerz- und entzündungshemmend wirken. Das Medikament findet unter anderem bei chronischen Gelenkerkrankungen oder Sportverletzungen Anwendung.

Unser Körper ist schlau. Er hat einen Regelungskreislauf, der den Natriumgehalt im Blut weitestgehend konstant hält. Wenn der Mensch zu viel Natrium zu sich nimmt, erhöht er die Ausscheidung über die Nieren. Verliert er Natrium oder nimmt zu wenig auf, wird Natrium rückresorbiert. Auch in den Knochen und Knorpeln ist Natrium eingelagert. Bei einem Mangel kann unser Körper auf diesen Vorrat zurückgreifen. Der Tagesbedarf an Natrium beträgt laut Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. durchschnittlich 1500 mg. Dieser Bedarf wird bei einer ausgewogenen Ernährung ausreichend gedeckt. Dennoch können bestimmte Umstände zu einem gestörten Natriumverhältnis führen.

Wie kommt es zu einem Natriummangel?

Sind die Natriumwerte im Blut zu niedrig, wird von einer Hyponatriämie gesprochen. Ein Natriummangel kann durch Vorerkrankungen (etwa Schilddrüsenunterfunktion oder Nebennierenschwäche) oder die Einnahme bestimmter Medikamente (zum Beispiel Entwässerungstabletten, Antidepressiva oder Blutdrucksenker) verursacht werden. Auch eine natriumarme Ernährung, Fastenkuren oder Magen-Darm-Erkrankungen kommen als Auslöser in Frage. Das hat zur Folge, dass wichtige Funktionen im Körper gestört werden:

  • Wasserhaushalt: Bei einem Mangel an Natrium wird vermehrt Wasser über Urin und Schweiß ausgeschieden, was zu einer Dehydrierung führen kann. Viele Prozesse werden gestört, beispielsweise wird die Durchblutung verringert.
  • Muskeln und Nerven: Zittern, Krämpfe und Muskelschwäche können auftreten. Da Natrium für die Reizleitung zwischen den Nerven mitverantwortlich ist, sind neben verlangsamten Reaktionen auch Empfindungsstörungen möglich. Der Blutdruck kann bei einem Natriummangel sinken. Das kann Schwächeanfälle auslösen.
  • Körper und Geist: Fehlt Natrium, hat das Auswirkungen auf unser Allgemeinbefinden und die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und eine nachlassende Denkleistung sind die Folgen.

Der Krankheitsverlauf einer Hyponatriämie kann tückisch sein. Sie kann sich langsam entwickeln oder von einem Tag auf den anderen auftreten. Ob die Symptome stark oder schwach ausfallen, ist auch von der Tagesform und dem Allgemeinzustand der Person abhängig. In schweren Fällen kann eine Hyponatriämie chronisch werden. Die Signale vom Gehirn werden nur noch unzureichend an die Muskeln weitergeleitet. Die Betroffenen haben einen wackeligen Gang und neigen vermehrt zu Stürzen. Fatal: Da bei einem Mangel auch die Knochen schlecht versorgt werden, kommt es bei einem Sturz schneller zu Knochenbrüchen.

Erhöhter Bedarf bei schweißtreibender Arbeit und Sport

Bei hohen körperlichen Belastungen wird vermehrt Natrium über das Blut in die beanspruchten Muskeln und zum Herzen befördert. Gleichzeitig erfolgt eine erhöhte Ausscheidung über den Schweiß. Befindet sich zu wenig Natrium im Körper, können Muskeln und Organe dann nur noch unzureichend versorgt werden. Die körperliche Leistungsfähigkeit sinkt. Betroffen sind beispielsweise Sportler, Straßenarbeiter, Baustellenarbeiter oder Gärtner, insbesondere in den Sommermonaten. Der Natriumverlust ist jedoch von Mensch zu Mensch verschieden. Manche schwitzen lediglich punktuell, andere sind nach dem Sport oder der Arbeit schweißgebadet.

Hinweis

Eine extrem hohe und gleichzeitig natriumarme Flüssigkeitsaufnahme kann eine Hyponatriämie auslösen. Denn während die Menge an Natrium im Körper gleicht bleibt, führt die erhöhte Wassermenge zu einer Verdünnung der Natriumkonzentration pro Liter im Blut. Schwindel, Übelkeit und Muskelkrämpfe können die Folge sein.

Ein gestörter Natriumhaushalt führt zu Dehydration

Bei einer Dehydration, auch Dehydrierung, trocknet der Körper aus. Es gibt drei Formen: Die isotone Dehydration (zu wenig Natrium und zu wenig Wasser im Körper), die hypotone Dehydration (zu wenig Natrium im Verhältnis zum Wasser) und die hypertone Dehydration (zu viel Natrium im Verhältnis zur Wassermenge). Eine leichte Dehydrierung kann mit einer erhöhten Flüssigkeitsaufnahme behoben werden, bestenfalls mehrfach am Tag in kleinen Mengen. Bei der hypotonen Dehydration ist es zudem wichtig, salzhaltige Getränke oder Brühen zu trinken. Eine schwere, unbehandelte Dehydrierung kann tödlich enden. Zur Risikogruppe gehören insbesondere ältere Menschen, da bei ihnen das Durstgefühl weniger ausgeprägt ist.

Kann ich einen Natriummangel ausgleichen?

Es ist unnötig, bei einem leichten Natriummangel spezielle Präparate zu kaufen (etwa freiverkäufliche Tabletten). Niedrige Natriumwerte können durch den Konsum von gesalzenen Speisen oder natriumhaltigem Wasser korrigiert werden. In akuten Fällen kann Salzwasser helfen. Hierbei wird ein Teelöffel Speisesalz in ein Glas Wasser eingerührt und getrunken. Das gelöste Salz gelangt schnell in den Blutkreislauf und hebt den Natriumspiegel binnen weniger Minuten an.

Wodurch entsteht eine Natriumüberversorgung (Hypernatriämie)?

Häufige Ursache eines erhöhten Natriumgehalts im Blut ist ein extremer Flüssigkeitsverlust, beispielsweise nach wässrigen Durchfällen. Der Flüssigkeitsmangel führt dazu, dass das Blutvolumen abnimmt und die Natriumkonzentration relativ ansteigt. Auch eine zu hohe Salzzufuhr mit der Ernährung, eine zu geringe Trinkmenge, Vorerkrankungen mit eingeschränkter Urinausscheidung und Diabetes können erhöhte Natriumwerte verursachen.

Natrium bindet Wasser in den Blutgefäßen. Eine Natriumüberversorgung kann daher Ödeme verursachen (Wasseransammlungen im Gewebe). Außerdem kann es zu einer Erhöhung des Blutdrucks und dadurch zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen. Da unser Körper bei einem Überschuss die Natriumausscheidung über die Nieren erhöht, geht gleichzeitig auch mehr Kalzium verloren. Dadurch steigt das Osteoporose-Risiko.

Eine Hypernatriämie führt zu einer Austrocknung der Zellen. Erste Alarmzeichen können starker Durst, Unruhe, Lethargie oder allgemeine Schwäche sein. Bleibt eine ausgeprägte Hypernatriämie unerkannt, kommt es zu Muskelkrämpfen, epileptischen Anfällen, Verwirrungszuständen oder Bewusstseinseintrübungen. In schweren Fällen können die Betroffenen sogar ins Koma fallen.

Ein Laborbefund bringt Gewissheit

Der Hausarzt ist die erste Anlaufstelle bei einem Verdacht. Er kann mit einer Blutuntersuchung herausfinden, ob der Natriumspiegel seines Patienten in Ordnung ist. Möglich sind auch Messungen im 24-Stunden-Urin. Der Normalwert im Blut liegt bei 135 bis 145 mmol/l, im Sammelurin bei 120 bis 220 mmol/l. Bei abweichenden Werten muss die Ursache für die Störung gefunden und behoben werden, um so eine Normalisierung des Natriumspiegels zu erreichen. Ist ein Medikament der Auslöser, wird es durch andere Präparate ersetzt. Im Notfall können vom Arzt entsprechende intravenöse Lösungen verabreicht werden.

Fazit

Für gesunde Personen ist eine kurzfristige Natrium Über- oder Unterversorgung aufgrund der Regulationsfähigkeit der Niere unbedenklich. Bei einem leichten Mangel reicht es aus, salzhaltiger zu essen und natriumhaltiges Wasser zu trinken. Oder im umgekehrten Fall: Das Salz in der Nahrung zu reduzieren. Ist der Natriumspiegel jedoch langfristig gestört, leidet sowohl die körperliche als auch geistige Leistungsfähigkeit. Ein Arzt kann geeignete Maßnahmen in die Wege leiten.

Quellen

Vitamine, Spurenelemente und Minerale, 2. Auflage, Thieme Verlag

Kurzes Lehrbuch der Biochemie, Thieme Verlag

https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/natrium-chlorid-kalium/

https://www.apotheken-umschau.de/laborwerte/natrium

http://www.medizinfo.de/endokrinologie/stoffwechsel/natriumueberschuss.htm

https://krank.de/krankheiten/hyponatriaemie/

https://www.netdoktor.de/symptome/dehydration/

https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/hormon-und-stoffwechselerkrankungen/elektrolythaushalt/überblick-über-die-funktion-von-natrium-im-körper

Auch interessant