Kalium – Folgen eines Ungleichgewichts im Körper

Der Mineralstoff Kalium spielt eine wichtige Rolle im menschlichen Organismus. Er wird auch als „Herzmineralstoff“ bezeichnet, da er für die ordnungsgemäße Funktion unseres Herzens unerlässlich ist. Die Ursachen für Veränderungen im Kaliumhaushalt sind vielfältig, sie können beispielsweise als Nebenwirkung von Arzneimitteln auftreten. Doch eins ist gewiss: Ein langfristig stark erhöhter oder erniedrigter Kaliumspiegel ist mit gravierenden körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen verbunden.

Warum benötigt unser Körper Kalium?

Kalium ist für die Blutdruckregulation, den Wasserhaushalt und die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelzellen zuständig. Der Mineralstoff wirkt sich im Zusammenspiel mit Calcium und Natrium auf die Herzmuskeltätigkeit aus. Zudem spielt Kalium eine Rolle beim Kohlenhydratstoffwechsel, ist also wichtig für die Energieproduktion. Gemäß den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) beträgt der Bedarf für Erwachsene etwa 4.000 mg am Tag. Da Kalium in vielen Lebensmitteln enthalten ist, wird bei den meisten Menschen der Bedarf problemlos mit der Nahrung abgedeckt. Besonders kaliumhaltig sind Getreide, Nüsse, Zartbitterschokolade, Tomaten, Pilze, Möhren, Bananen, Aprikosen und Trockenobst. Die Kaliumkonzentration im Körper wird aber neben der Aufnahme über die Nahrung auch über die Ausscheidung reguliert. Bei gesunden Menschen geschieht das zu etwa 90 Prozent über die Nieren und etwa 10 Prozent über Stuhl und Schweiß.

Wusstest du schon?

Die Mineralstoffe Kalium und Natrium hängen eng miteinander zusammen. Unsere Vorfahren nahmen mehr als fünfmal so viel Kalium auf als Natrium, da sie sich ausschließlich naturbelassen ernährten. Wegen der modernen Zivilisationskost ist es inzwischen umgekehrt: Wir nehmen viel mehr Natrium über die Ernährung auf als Kalium. Dieses ungünstige Nährstoffverhältnis kann Bluthochdruck auslösen.

Wie gefährlich ist ein zu hoher Kaliumwert (Hyperkaliämie)?

Bei einer Hyperkaliämie ist die Konzentration von Kalium im Blut zu hoch. Bestimmte Krankheiten beeinflussen den Kaliumhaushalt, etwa eine Azidose (Störung des Säure-Basen-Haushalts) oder Niereninsuffizienz. Durch die eingeschränkte Nierenfunktion kommt es zu einer verminderten Kaliumausscheidung und dadurch zu einem Kaliumüberschuss. Ebenso kann eine Hyperkaliämie nach großflächigen Verbrennungen (aufgrund des Zerfalls der roten Blutkörperchen) oder zeitweise während einer Infusionstherapie auftreten. Sogar blutdrucksenkende oder entwässernde Medikamente können zu erhöhten Werten führen. Leider wird ein Überschuss oft spät erkannt, manchmal erst, wenn es zum Herz-Kreislauf-Stillstand gekommen ist. Mögliche frühe Anzeichen sind beispielsweise ein pelziges Gefühl auf der Zunge, Hautkribbeln, Ohrensausen, Lähmungserscheinungen, Muskelschwäche und Muskelzucken. Bei einem langfristigen Kaliumüberschuss kann es zu Herzrhythmusstörungen und in der Folge zu einem Herzstillstand kommen. Eine Hyperkaliämie kommt selten vor. Bleibt sie jedoch unbehandelt, ist das lebensbedrohlich für den Menschen. Ein Kaliummangel ist in der Praxis häufiger anzutreffen. Grund: Ist der Kaliumwert zu hoch, kann die Niere die Ausscheidung bis zu einem gewissen Grad beschleunigen. Eine Drosselung der Ausscheidung wegen eines zu niedrigen Kaliumspiegels ist jedoch schwieriger zu bewerkstelligen.

Wie kommt es zu einem Kaliummangel (Hypokaliämie)?

Ursachen für einen Kaliummangel können übermäßiges Erbrechen oder Durchfälle, die missbräuchliche Einnahme von Abführmitteln, ein zu hoher Salzkonsum oder entzündliche Darmerkrankungen sein. Ebenso kann eine Unterversorgung durch eine Fehl- oder Mangelernährung oder einen ungedeckten erhöhten Bedarf entstehen. Auch bei Diabetikern, die Insulin spritzen müssen, wird Kalium vermehrt in die Zellen transportiert und fehlt somit im Blut. Oft wird ein leichter Kaliummangel zufällig bei einer Blutuntersuchung festgestellt, denn er zeigt nur sehr unspezifische Symptome, wie Müdigkeit, Schwäche, Schwindel, Kopfschmerzen, Nervosität, Verstopfung, Haarausfall oder trockene Haut. Erst bei einer deutlichen Hypokaliämie treten typischere Symptome auf. Die Regulation der Muskelkontraktion gehört zu den wichtigsten Aufgaben von Kalium. Ist diese Funktion aufgrund eines Kaliummangels nachhaltig gestört, kann das gefährliche Folgen für unser Herz haben: Es kommt zu Herz-Rhythmus-Störungen, welche bis zu Kammerflimmern oder Herzstillstand gehen können. Zudem kann Kalium nicht mehr regulierend auf den Blutdruck einwirken, was das Risiko für einen Schlaganfall erhöht.

Hinweis

Risikogruppen für einen Kaliummangel sind insbesondere Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Bluthochdruck-Patienten. Aber auch hohes Alter kann die Entstehung einer Hypokaliämie begünstigen. Bei Senioren nimmt häufig der Appetit mit zunehmendem Alter ab. Dadurch kann es passieren, dass sie zu wenig essen und den Kaliumbedarf nur unzureichend decken. Hinzu kommt, dass ältere Menschen häufiger entwässernde Medikamente einnehmen. Außerdem nimmt die Fähigkeit des Verdauungssystems ab, Nährstoffe aus der Nahrung zu lösen. Im Zusammenspiel erhöhen diese drei Faktoren das Risiko eines Mangels.

Was tun, wenn die Werte erhöht oder erniedrigt sind?

Insbesondere für Patienten, die an einer Nierenerkrankung leiden, ist eine Kaliumüberversorgung lebensbedrohlich. Sind Medikamente für die Störung verantwortlich, werden diese abgesetzt oder durch andere Präparate ersetzt. Dadurch können die Beschwerden meist innerhalb kurzer Zeit reduziert werden. Dabei ist es für betroffene Patienten auch wichtig, sehr viel zu trinken. So werden die Nieren gut gespült, was ihnen die Arbeit enorm erleichtert. Gerade ältere Menschen müssen auf eine ausreichende Trinkmenge achten, denn bei vielen ist das Durstgefühl weniger ausgeprägt. Optimal sind 1,5 bis 2 Liter stilles Wasser, Früchte- und Kräutertees oder verdünnte Säfte am Tag. Wie eine Kaliumunterversorgung behandelt wird, hängt von der Ursache ab. Ein durch Fehlernährung ausgelöster Mangel kann mit einer kaliumreichen Ernährung behoben werden. Dabei sind Nahrungsergänzungsmittel nur nach Absprache mit einem Arzt zu empfehlen, denn bei einer übermäßigen Zufuhr besteht die Gefahr eines unerwünschten Kaliumüberschusses. Außerdem kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen. Ist der Kaliumwert langfristig zu niedrig, bedarf es einer ärztlich begleiteten Langzeittherapie. Bei akuter Herzinfarkt-Gefahr aufgrund einer Hypokaliämie setzen Ärzte Elektrolytinfusion ein, welche neben anderen Bestandteilen auch Kaliumchlorid enthalten.

Eine Blutuntersuchung gibt Aufschluss

Oft wird ein gestörter Kaliumspiegel durch eine routinemäßige Blutbildkontrolle beim Arzt festgestellt. Bei einem konkreten Verdacht erfolgt die Diagnose anhand einer Laboruntersuchung. Dazu werden die Kaliumwerte zusammen mit Natrium, Calcium, Chlorid und weiteren Enzymwerten ermittelt. Das Blutplasma weist in der Regel Konzentrationen zwischen 3,5 und etwa 5,0 mmol/l (Millimol pro Liter) auf. Liegt der Kaliumspiegel unter 3,5 mmol/l, spricht man von einer Hypokaliämie, bei Konzentrationen über 5,5 mmol/l von einer Hyperkaliämie. Auch im Urin kann Kalium gemessen werden. Hier beträgt der Normalwert (im 24-Stunden Sammelurin) etwa 30 bis 100 mmol/24h. Wird ein Kaliumüberschuss festgestellt, ist eine regelmäßige Kontrolle des Blutspiegels notwendig, um bei Bedarf sofort Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Da ein gestörter Kaliumhaushalt Herzrhythmusstörungen auslösen kann, wird im Verdachtsfall ein EKG (Elektrokardiogramm) angefertigt. Dadurch erkennt der Arzt typische Veränderungen in der elektrischen Erregungsleitung.

Fazit

Ein Überschuss an Kalium im Organismus entsteht hauptsächlich durch eine vorliegende Grunderkrankung. Daher hängt die Heilung einer Hyperkaliämie stark von der Diagnose und Behandlung der ursächlichen Krankheit ab. Als Patient kannst du den Prozess unterstützen, indem du deine Lebensgewohnheiten änderst. Mit einer angepassten Ernährung und ausreichenden Trinkmenge wird die Nierenfunktion positiv beeinflusst und gestärkt. Ein leichter Kaliummangel ist durch den Verzehr von kaliumreichen Lebensmitteln gut zu beheben. Bei Unsicherheit und vor der Einnahme von Kaliumpräparaten empfiehlt sich ein Besuch beim Arzt. Er kann alle notwendige Untersuchungen vornehmen und eine individuelle Therapie empfehlen.

Quellen

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-422014/kaliumhaushalt-im-blick/

https://www.netdoktor.de/krankheiten/morbus-addison/

https://medlexi.de/Hyperkaliämie

https://medlexi.de/Kaliummangel

https://www.gesundheitswissen.de/orthomolekulare-medizin/mangelversorgung-mit-mineralstoffen/mineralstoffduo-natrium-und-kalium/

Der Brockhaus Ernährung, wissenmedia Verlag

Kurzes Lehrbuch der Biochemie für Mediziner und Naturwissenschaftler, Georg Thieme Verlag Stuttgart

 

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