Ingwer – eine Wurzel für die Abwehrkräfte

Ingwer gibt es inzwischen in fast jedem Supermarkt zu kaufen, denn er gehört in vielen Haushalten zum Standardrepertoire der Gewürzküche. Mitseiner aromatischen Schärfe sorgt er für ein besonderes Geschmackserlebnis in vielen Speisen und Getränken. Doch die Wurzel hat noch mehr zu bieten. Wegen ihrer gesunden Inhaltsstoffe wird sie auch als Heilpflanze hochgeschätzt.

Warum ist Ingwer so gesund?

Ingwer ist reich an Vitamin C, Magnesium, Eisen, Kalzium, Kalium, Natrium und Phosphor. Zudem enthält er sogenannte Scharfstoffe, welche entzündungshemmend, antibakteriell und antiviral wirken. Zu den Hauptwirkstoffen zählen Gingerole und Shogaole. Mit ihrer Hilfe kann Ingwer die Durchblutung verbessern und den Kreislauf ankurbeln. Ingwerextrakt wird auch zur Linderung von Muskel-, Kopf- und Menstruationsschmerzen sowie bei Rheumaerkrankungen eingesetzt. Bei Multipler Sklerose soll eine Behandlung mit ingwerhaltigen Produkten die Symptome abschwächen.

Ingwersteigert die Magensaft-, Speichel- und Gallenbildung, weshalb er häufig bei Verdauungsproblemen zum Einsatz kommt. Ingwerbonbons können bei Völlegefühl, Reisekrankheit und Übelkeit jeglicher Art helfen. Eine Aromatherapie mit Ingwer-Öl wirkt gegen Übelkeit, Erschöpfung oder allgemeine Antriebslosigkeit. Dazu werden einige Tropfen mit Wasser in einer Duftlampe verdampft.

Ingwer bei Erkältungskrankheiten

In der kalten Jahreszeit erwischt uns eine Erkältung häufiger als im Sommer. Das liegt einerseits an der kalten und trockenen Luft und andererseits an den Erkältungsviren, die sich in geschlossenen Räumen leichter vermehren. Halten wir uns draußen auf, ziehen sich die Blutgefäße zusammen, was sich vor allem durch kalte Füße bemerkbar macht. Ingwertee oder ein Fußbad mit 5 Tropfen Ingwer-Öl kann helfen, die Durchblutung zu verbessern und einer zu starken Auskühlung entgegenwirken. Um die Gefahr einer Ansteckung mit Viren zu verringern, können vorbeugend einige Tropfen ätherisches Ingwer-Öl in einer Duftlampe verdampft werden.

Wenn sich bereits die ersten Anzeichen einer Erkältung bemerkbar machen und sich Schleim in den Atemwegen bildet, kann Ingwer auf natürliche Weise den Schleim verflüssigen und die Schleimhäute beruhigen. Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, kann entweder ein Ingwerstück pur gekaut oder ein Tee zubereitet werden. Im Handel sind auch Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich. Doch bei den Ingwerpräparaten fällt der Gehalt an Inhaltsstoffen sehr unterschiedlich aus. Es sollte daher Wert auf hochwertige Produkte mit hohem Wirkstoffgehalt gelegt werden. Der Gingerol-Gehalt pro Tagesdosis sollte mindestens 25 mg betragen. Ist der Wirkstoffgehalt zu niedrig, ist die Wirksamkeit eher fraglich. Auf die Angabe "hochdosiert" ist leider kein Verlass.

Ein Tee zur Stärkung des Immunsystems

Um das körpereigene Schutzschild zu aktivieren, kannst du Ingwertee selbst herstellen. Besonders an kalten Tagen oder bei beginnender Erkältung hat er eine wohltuende, wärmende Wirkung. Dazu wird Ingwer in Scheiben geschnitten, mit kochendem Wasser übergossen und 10 - 15 Minuten ziehen gelassen. Danach den Ingwer abseihen, den Tee nach Belieben mit Zitronensaft oder Honig verfeinern und warm genießen.

Ingwerwasser ähnelt dem Ingwertee in der Zubereitung, wird jedoch kalt oder bei Zimmertemperatur getrunken. Es soll bei Übelkeit und Blähungen helfen sowie schlechten Atem vertreiben. Zur Herstellung wird eine frische Ingwerknolle geschält, in Scheiben geschnitten und mit einem halben Liter kochendem Wasser übergossen. Nach etwa 15 Minuten wird der Ingwer herausgenommen und nach dem Abkühlen über den Tag verteilt getrunken. Ein paar Eiswürfel, Pfefferminzblätter oder ein Schuss Zitronensaft ergänzen das Getränk geschmacklich.

Wie Ingwer beim Abnehmen hilft

Da Ingwer den Stoffwechsel anregt und den Fettabbau fördert, kann er auch beim Abnehmen unterstützen und den Verlust wichtiger Mineralien während der Diät ausgleichen. Auch für Schlankbäder eignet sich die Wurzel. Warmes Wasser öffnet die Poren, sodass die Inhaltsstoffe über die Haut in den Körper gelangen können. Das soll die Ausleitung von Schlacken fördern. Schäle dazu etwa 20 cm Ingwer und schneide ihn in Scheiben. Überbrühe ihn mit einem halben Liter kochenden Wasser und lasse ihn zugedeckt 20 Minuten ziehen. Danach durch ein Sieb ins Badewasser gießen und entspannen.

Ingwer-Öl zur äußerlichen Anwendung

Ingwer-Öl wird durch Dampfdestillation aus geschnittenen Wurzelstücken gewonnen. Für einen Liter Öl werden 25 kg Wurzeln benötigt. Äußerlich aufgetragen soll es bei verschiedenen Beschwerden helfen, zum Beispiel: Kopfschmerzen, Migräne, Rheuma und Muskelkater. Für eine Kompresse gegen Muskelschmerzen werden 20 Tropfen ätherisches Ingwer-Öl in 250 ml lauwarmes Wasser gegeben und ein Baumwolltuch darin getränkt. Dann die Kompresse für 30 Minuten auf die schmerzende Stelle legen. Alternativ geht auch eine Mischung aus Ingwer-Öl und Mandel-Öl.

Da Ingwer-Öl die Durchblutung fördert, eignet es sich für Massagen gegen Verspannungen oder bei leichten Bauchschmerzen. Dafür werden 3 Tropfen in 5 Esslöffel Sonnenblumen- oder Olivenöl gegeben und gleichmäßig einmassiert. Auch als Badezusatz in einem warmen Vollbad können einige Tropfen Ingwer-Öl Muskelverspannungen lindern.

Tipp

Ingwer-Öl kannst du selbst herstellen. Dafür brauchst du 100 g frischen Ingwer und 250 ml Olivenöl. Schäle die Ingwerwurzel und reibe sie in eine ofenfeste Form. Gib das Olivenöl hinzu, vermische das Ganze und stelle es für zwei Stunden bei etwa 60 °C in den Backofen. Anschließend gießt du das Öl durch ein Sieb und füllst es zum Beispiel in eine Flasche. Damit das Ingwer-Öl sein volles Aroma entwickeln kann, solltest du es vor dem Einsatz zwei Wochen stehen lassen. Abgefüllt ist es ein halbes Jahr haltbar.

Der Allrounder in der Küche

Beim Einkauf sollte darauf geachtet werden, dass der Ingwer frisch ist. Das erkennt man daran, dass die Schale der Wurzeln mattglänzend aussieht und unbeschädigt ist. Der Ingwer sollte auf Druck leicht nachgeben und das Fruchtfleisch saftig und faserfrei sein. Im Handel ist meist chinesischer oder peruanischer Ingwer erhältlich, wobei sich Peru auf den Anbau von Bio-Ingwer spezialisiert hat. Die Verbraucherzentrale Bayern rät, auf Bio-Ingwer zu setzen, da er weniger mit Pestiziden belastet ist als konventionelle Ware.

Während ältere Ingwer-Ausläufer schärfer schmecken und sich zum Trocknen und Mahlen bewährt haben, sind jüngere Ausläufer eher mild und eignen sich für den frischen Einsatz. Zur Verwendung von frischem Ingwer wird ein etwa 1 cm großes Stück von der Knolle abgeschnitten, geschält, klein gehackt oder mit der Küchenreibe gerieben und in die Speise gemischt. Als Gewürz kann es unter anderem Bestandteil von Soßen, Fleischgerichten, Salaten, Suppen, Reisgerichten, Gemüsepfannen oder Kompotten sein. Dabei sollte er aufgrund seiner Intensität eher spärlich eingesetzt werden. Ingwer kann auch zum Würzen von Keksen oder Plätzchen verwendet werden sowie Wasser, Bowlen oder Limonaden verfeinern. Vielen bekannt ist „Ginger Ale“, eine alkoholfreie Limonade mit Ingwergeschmack. Aber auch alkoholische Getränke, Cocktails und Liköre profitieren vom zitronenähnlichen, scharfen Aroma der Ingwerknolle.

Anfallende Wurzelreste können bis zu 3 Wochen in einem luftdichten Behälter im Kühlschrank gelagert werden. Wurde die Ingwerknolle weder geschält noch angeschnitten, ist es möglich, sie für mehrere Wochen an einem dunklen und kühlen Ort aufzubewahren. Frischer Ingwer kann auch eingefroren werden. Wer zu viel eingekauft oder nur einen Teil der Knolle verbraucht hat, schneidet sie in Scheiben, gibt sie in eine Dose und legt sie in den Gefrierschrank. Eingefroren hält sich Ingwer bis zu 6 Monate. Getrockneter Ingwer kann zu Pulver gemahlen werden. Dadurch ist es möglich, ihn wie ein Gewürz in einem luftdicht verschlossenen Glas zu lagern.

Ingwer zuhause selbst züchten

Wer Ingwer anbauen möchte, legt eine Knolle über Nacht in warmes Wasser und setzt sie am nächsten Tag in eine flache Schale mit nährstoffreicher Erde ein. Darauf nochmals etwa 2 cm Erde füllen und leicht andrücken. Die Schale anschließend an einen hellen Platz ohne direkte Sonneneinstrahlung stellen. Jetzt ist regelmäßiges Gießen angesagt, denn Ingwer mag es feucht. Staunässe ist wegen der Schimmelgefahr jedoch unerwünscht. Sobald die Ingwerpflanze gewachsen ist, sollte sie umgetopft werden. Nach mehreren Monaten verfärbt sich das Blattgrün gelblich und der Ingwer ist erntereif.

Der Ingwer sollte auf Druck leicht nachgeben und die Schale der Wurzel sollte unbeschädigt sein. Frischer Ingwer riecht würzig und das Fruchtfleisch ist saftig und faserfrei.

Den Ingwer roh zu essen ist unbedenklich. Nach dem Verzehr von großen Mengen (mehr als zehn Gramm)können jedoch Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Sodbrennen auftreten.

Der Verzehr von Ingwer hat viele gesundheitliche Effekte. Unter anderem stärkt er das Immunsystem, fördert die Durchblutung, reguliert Verdauungsprobleme, unterstützt den Genesungsprozess bei Erkältungen und mildert Reise- oder Schwangerschaftsübelkeit.

Die im Ingwer enthaltenen Scharfstoffe wärmen den Körper von Innen. Außerdem unterstützen Vitamin C und Magnesium das Immunsystem im Kampf gegen die Viren. Während einer Erkältung können2- 3 Tassen Ingwertee täglich getrunken werden.

Im Ayurveda wird warmes Ingwerwasser zur Entgiftung des Körpers eingesetzt. Das soll den Organismus reinigen und das körperliche Wohlbefinden steigern. Zur Herstellung einen Liter Wasser für 15 Minuten aufkochen und 5 Scheiben Ingwer, den Saft einer ausgepressten Zitrone und etwas frische Minze hinzugeben. Ziehen lassen, in eine Thermosflasche umfüllen und über den Tag verteilt trinken.

Fazit

Ingwer vereint eine stärkende und heilende Wirkung mit einem außergewöhnlichen Aroma. Da viele Menschen zunehmend einen gesunden Lebensstil pflegen und auf natürliche Heilmittel setzen, erfreut sich der leckere Allrounder immer größerer Beliebtheit–sowohl in der Küche als auch im Einsatz gegen allerlei Wehwehchen.

Quellen

Der Brockhaus Ernährung, wissenmedia Verlag
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/artikel/kraeuter-gewuerze/ingwer
https://www.gutekueche.ch/ingwer-verwendung-in-der-kueche-artikel-400
https://www.verbraucherzentrale-bayern.de/wissen/haetten-sies-gewusst/ingwer-kommt-hauptsaechlich-aus-china-oder-peru-was-ist-der-unterschied-20176

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