Die B-Vitamine im Überblick

"Das ist doch ganz normal in deinem Alter!" Erste Anzeichen von geistigen Nachlassens werden häufig einfach als Begleiterscheinung des Alters abgetan. Dabei können die Ursachen ganz woanders liegen: zum Beispiel in einem Vitamin-B-Mangel! Der Mangel kann durch eine geeignete Ernährung oder eine Supplementation behoben und der Speicher wieder aufgefüllt werden. Wichtig ist, die Symptome richtig zu deuten und zu therapieren.

Was ist Vitamin B?

Vitamin B umfasst eine Gruppe von 8 essenziellen, wasserlöslichen Vitaminen. Sie kommen in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor, wobei Vitamin B12 eine Ausnahme darstellt, denn der Gehalt in pflanzlichen Lebensmitteln ist vernachlässigbar klein. Wie alle wasserlöslichen Vitamine können die B-Vitamine nicht im Körper gespeichert und müssen täglich aufgenommen werden. Vitamin B12 stellt wiederum eine Ausnahme dar: Es kann als einziges wasserlösliches Vitamin über längere Zeit im Körper gespeichert werden.

Zur Gruppe der B-Vitamine gehören folgende Vitamine:

  • Vitamin B1 (Thiamin)
  • Vitamin B2 (Riboflavin)
  • Vitamin B3 (Nicotinsäure)
  • Vitamin B5 (Pantothensäure)
  • Vitamin B6 (Pyridoxin, Pyridoxal, Pyridoxamin)
  • Vitamin B7 (Biotin)
  • Vitamin B9 (Folsäure)
  • Vitamin B12 (Cobalamin)

Zwischen den 8 B-Vitaminen bestehen zahlreiche Wechselwirkungen und ihre Funktionen hängen eng zusammen. Gemeinsam tragen sie zu einem leistungsfähigen Stoffwechsel bei. Sie wirken auf den gesamten Körper und sind Voraussetzung für deine Gesundheit und dein Wohlbefinden. Ihre Hauptfunktionen lassen sich in vierPunktenzusammenfassen:

  1. Energiegewinnung: Zusammen mit Enzymen sind die B-Vitamine maßgeblich an der Energiegewinnung aus Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen beteiligt. Sie bilden Enzyme, die Kohlenhydrate zu Glucose spalten und so vor allem das Gehirn und Nervenzellen mit Energie versorgen.
  2. Nervensystem: Zur Funktionsfähigkeit des Nervensystems ist Vitamin B1 erforderlich,B12 schützt im Alter das Gehirn und das Nervensystem vor Schäden. Vitamin B6 sorgt für das richtige Verhältnis von Natrium und Kalium in unseren Körperflüssigkeiten, nur so kann unser Nervensystem richtig funktionieren.
  3. Stimmungslage, psychisches Gleichgewicht: Die B-Vitamine wirken sich positiv auf die Stimmung aus, helfen bei der Bewältigung von Angstzuständen und unterstützen die Produktion der Glückshormone Serotonin und Dopamin.
  4. Haut, Haare und Nägel: Die B-Vitamine sorgen für gesunde Haut, schönes Haar und feste Nägel, wirken entzündungshemmend und fördern den Heilungsprozess der Haut.

Was passiert bei einem Vitamin-B-Mangel?

Ein Mangel an B-Vitaminen äußert sich häufig in unspezifischen Symptomen und bleibt deshalb oft über einen langen Zeitraum unentdeckt. Körperliche Symptome wie Abgeschlagenheit oder verminderte Leistungsfähigkeit werden dem fortschreitenden Alter zugeschrieben oder mit allgemeinen Befindlichkeitsstörungen verwechselt. Doch ein langanhaltender Mangel ist ein Risikofaktor für Alterskrankheiten oder langsam voranschreitende Langzeitschäden: erst Jahre später zeigen sich geistige und körperliche Funktionsstörungen wie etwa Depressionen, Arteriosklerose oder neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz. Manche dieser Erkrankungen können trotz der Gabe von hochdosiertem Vitamin B oder anderen Therapieverfahren nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Insbesondere ein Mangel an Vitamin B12 wird erst nach jahrelanger unzureichender Versorgung sichtbar. Denn B12 ist das einzige der wasserlöslichen Vitamine, welches über einen längeren Zeitraum im Körper gespeichert werden kann. Bei ausreichender Vitamin B12-Zufuhr legt der Körper einen Speicher an. Wird anschließend zu wenig Vitamin B12 aufgenommen, kann der Körper lange Zeit aus dem Speicher versorgt werden. Erst wenn dieser leer ist, zeigen sich Mangelsymptome.

Wie entsteht ein Mangel?

Wenn du auf eine gesunde Ernährung achtest, kannst du die meisten Vitamine der B-Gruppe in ausreichender Menge über die Nahrung aufnehmen. Das heißt: viel frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen, tierischen Produkten wie Milcherzeugnisse, Fleisch (in Maßen) und gelegentlich Fisch, wenig Alkohol und kein Nikotin.

Eine Sonderstellung hat Vitamin B12: Es kommt nur marginal in pflanzlichen Lebensmitteln vor, der Bedarf kann darüber im Normalfall nicht gedeckt werden. Insbesondere für Veganer empfiehlt sich eine Vitamin B12-Supplementation, Vegetarier sollten auf ausreichende Zufuhr über Milchprodukte achten.

Doch auch wenn du auf eine vitamin-B-reiche Ernährung achtest, kann dein Körper das Vitamin unter bestimmten Voraussetzungen nicht aufnehmen. Zum einen verringern chronisch entzündliche Magen- oder Darmerkrankungen die Aufnahme des Vitamins. Zum anderen können einige Medikamente, wie beispielsweise Säureblockeroder blutverdünnende Mittel, die Aufnahme des Vitamins reduzieren.

Im Alter haben manche Menschen gar nicht mehr die Möglichkeit einer vitaminreichen Ernährung. Denn das Einkaufen frischer Lebensmittel setzt eine gewisse Mobilität voraus, die im Alter häufig nicht mehr gegeben ist. Und auch der eigene Körper kann nicht mehr so wie du es willst: Zahnprobleme lassen dich auf weiches Weißbrot und weichgekochte Fertiggerichte zurückgreifen, dein Magen verträgt kein rohes Gemüse mehr. Es wird also immer schwieriger, den Körper über die Nahrung ausreichend mit Vitaminen zu versorgen.

Den Mangel erkennen und beheben

Erschöpfungssymptome und erste Anzeichen von Vergesslichkeit sollten nicht als natürliches Altern hingenommen werden, denn diese Symptome können auch auf einen Vitaminmangel hinweisen. Anhand einer Blut- und Urinprobe kann dein Arzt feststellen, ob du mit allen Vitaminen ausreichend versorgt bist. Bei einer Unterversorgung wird häufig ein entsprechendes Nahrungsergänzungsmittel verschrieben, da es gerade im Alter immer schwieriger wird, den Körper über die Nahrung ausreichend mit Vitaminen und Vitalstoffen zu versorgen.

Wird ein Vitamin B12-Mangel diagnostiziert, wird in einer ersten Phase der Therapie hochdosiertes Vitamin B12 verabreicht, um den Speicher wieder aufzufüllen. Im zweiten Schritt wird täglich eine erhöhte Tagesdosis verabreicht. In manchen Fällen, beispielsweise wenn eine Aufnahmestörung vorliegt, wird Vitamin B 12 über Injektionen verabreicht.

Fazit

Typische Alterserscheinungen wie nachlassende geistige und körperliche Leistungsfähigkeit können auf einen Vitamin-B-Mangel hindeuten. Vitamin B umfasst eine Gruppe von 8 Vitaminen, die in ihren Funktionen eng verbunden sind und interagieren. Sie tragen zu einem leistungsfähigen Stoffwechsel bei und sind unerlässlich für die Gesundheit und das Wohlbefinden. Ein Mangel äußert sich in unspezifischen Symptomen und wird häufig nicht als solcher erkannt, sondern als normaler Alterungsprozess abgetan. Ein langanhaltender Mangel kann schwerwiegende, in manchen Fällen nicht therapierbare geistige und körperliche Funktionsstörungen hervorrufen. Ist ein Mangel bekannt, kann er therapiert werden.

Quellen

https://aok-erleben.de/b12-mangel-im-alter-haeufiger/
https://www.dge.de/wissenschaft/weitere-publikationen/faqs/vitaminb12/#c7175
https://de.wikipedia.org/wiki/Vitamin_B
https://www.medizinfuchs.de/ratgeber/vitamin-b-mangel-symptome-ursachen#welche-bvitamine-sind-die-wichtigsten
https://www.meine-gesundheit.de/krankheit/krankheiten/vitamin-b-mangel
https://www.dge.de/index.php?id=1023

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