Chlorid im menschlichen Körper

Chlorid - das hört sich nach Schwimmbad an, nach übelriechendem Chlor im Wasser. Irgendwie ungesund. Dabei sind Chlor und Chlorid zwei verschiedene Dinge! Chlor ist ein Gas, wird chemisch hergestellt und zur Wasseraufbereitung genutzt. Chlorid ist die gebundene Form von Chlor und ein natürlicher Mineralstoff, der für uns Menschen lebensnotwendig ist. 

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Was ist Chlorid?

Chlorid steht in engem Zusammenhang mit Natrium. Gemeinsam bilden sie Natriumchlorid (NaCl), im Sprachgebrauch besser als Koch-, Tafel oder Speisesalz bekannt. Im menschlichen Organismus erfüllt es wichtige Aufgaben in Bezug auf die Flüssigkeitsversorgung, die Nierenfunktion, den Blutdruck und den Säure-Basen-Haushalt, also die Regulierung des pH-Werts im Blut. Zudem ist es ein Baustein für die Bildung der Salzsäure im Magen, welche für die Verdauung von Lebensmitteln und die Bekämpfung der dadurch aufgenommenen Krankheitserreger zuständig ist. Der Chlorid-Normwert liegt in den meisten Laboren zwischen 96 und 110 mmol/l.

Wie kommt es zu erhöhten Chlorid-Werten?

Ist der Chlorid-Wert zu hoch, kann das im Zusammenhang mit bereits bestehenden Erkrankungen stehen, wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Nierenleiden oder Durchfall. Bei chronischem oder länger anhaltendem Durchfall gehen alkalische Säfte verloren, es entsteht ein Ungleichgewicht zwischen Säuren und Basen im Körper. Die Nieren versuchen, die drohende Übersäuerung durch eine verminderte Chlorid-Ausscheidung auszugleichen. Die Chlorid-Konzentration im Körper steigt. 

Eine Normalisierung erreichst du am einfachsten durch eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme in Form von Getränken und Vermeidung von speisesalzhaltigen Nahrungsmitteln. Reicht das nicht aus, kann dein Arzt dir Medikamente verschreiben, die eine vermehrte Ausscheidung mit dem Urin bewirken. 

In den Industrieländern führen das reichliche Nahrungsangebot und der hohe Salzgehalt in den Lebensmitteln dazu, dass die meisten Menschen mehr Chlorid in Form von Kochsalz konsumieren, als der Körper braucht. Zudem wird hierzulande gerne nachgesalzt. Dein Körper scheidet das überschüssige Natriumchlorid zwar über die Harnwege mit dem Urin und über den Schweiß wieder aus. Ist der Chlorid-Blutwert jedoch langfristig zu hoch, kann das zu einem erhöhten Blutdruck führen oder diesen verstärken. Das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls steigt.

Wusstest du schon?

Eine Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft mit knapp 7.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ergab, dass die tägliche Salzaufnahme bei Frauen durchschnittlich bei 8,4 Gramm und bei Männern bei 10 Gramm liegt. 50 Prozent der Männer und 38,5 Prozent der Frauen nehmen sogar täglich mehr als 10 Gramm Salz auf, was deutlich über den Empfehlungen der DGE liegt. (Den Link zur Studie findest du unten, bei den Quellen)

Wann ist Chlorid im Blut erniedrigt?

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Ein Chlorid-Mangel kommt selten vor, da heutzutage in fast allen Lebensmitteln Chlorid in Form von Salz enthalten ist. Die Hauptursachen für einen Mangel sind starkes Schwitzen (übermäßige Ausscheidung über die Schweißdrüsen), länger anhaltendes Erbrechen (Verlust von Chlorid in der Salzsäure des Magensafts) und die Einnahme von Wassertabletten (vermehrte Ausscheidung über die Nieren). 

Oft geht ein Mangel mit anderen Erkrankungen einher. Ein leichter Chlorid-Mangel zeigt kaum Symptome. Es treten Kopfschmerzen, trockene Haut, Durst, Benommenheit oder Wasseransammlung in den Geweben auf. In schweren Fällen kommt es zu Muskelkrämpfen, Übelkeit, Schwächegefühl, schlechter Verdauung, Kreislaufbeschwerden und Herzfunktionsstörungen. Langfristig kann eine Aufnahme von weniger als zwei Gramm Salz gefährlich werden, gerade wenn du sportlich aktiv bist und viel schwitzt, denn dadurch steigt der Bedarf. Sogar deine Hirnfunktion kann beeinträchtigt werden, weil Natriumchlorid an der elektrischen Übertragung von Reizen zwischen den Nervenzellen beteiligt ist. Interessant: Vermeintlich unklare „Verwirrtheitszustände“ im Alter können auf einen Kochsalzmangel hindeuten. 

Wusstest du schon?

Bei einem anhaltend niedrigen Salzkonsum ist die Gefahr groß, auch einen Jodmangel zu entwickeln. Das Spurenelement ist wichtig für die Schilddrüse. Bei einer schlechten Jodversorgung kann sich eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln.

Chlorid im Wasser

Chlorid kommt durch natürliche Gesteinsauswaschungen auch im Grund- und Trinkwasser vor. Normale Oberflächengewässer und Grundwasser enthalten 10–30 mg Cl /l. Je höher der Chlorid-Gehalt im Wasser, desto salziger schmeckt es. Der Grenzwert gemäß Trinkwasserverordnung liegt bei 250 mg/l. (unten bei den Quellen findest du den Link zum entsprechenden Gesetzestext)

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Wieviel Bedarf hat mein Körper?

Damit der Körper genügend Chlorid zur Verfügung hat, muss er es über die Nahrung in Form von Natriumchlorid aufnehmen. Wie viel ein Mensch am Tag braucht, ist eine individuelle Frage. Der tägliche Bedarf hängt auch davon ab, wieviel Chlorid er ausscheidet. Das passiert hauptsächlich mit dem Urin und in geringen Maßen auch mit Schweiß und Stuhl. Durchschnittlich benötigt ein Erwachsener etwa 830 Milligramm Chlorid am Tag.

Und wie sind die Richtwerte für Kochsalz? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt als Orientierungswert für einen durchschnittlichen und gesunden Erwachsenen einen Wert von 6 g pro Tag an, das ist etwa ein Teelöffel. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt maximal 5 g pro Tag. Da in fast allen Lebensmitteln Speisesalz enthalten ist, kann der tägliche Bedarf mit einer ausgewogenen Ernährung ausreichend gedeckt werden. Besonders viel davon steckt in industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln wie Fertiggerichten, Brot und Gebäck, Frühstückscerealien, Suppen, Käse und Käsegebäck, Chips, gesalzenen Nüssen, Fleisch- und Wurstwaren. Eher wenig Kochsalz befindet sich in Obst, Gemüse, Pflanzenölen, Hülsenfrüchten und Getreide.

Diagnose beim Arzt

Treten bei dir Beschwerden auf, die auf einen Chlorid-Mangel oder Chlorid-Überschuss hindeuten, solltest du einen Arzt zur weiteren Abklärung aufsuchen. Denn stärkere Abweichungen des Chlorid-Spiegels bedürfen einer gezielten ärztlichen Diagnostik und Betreuung. Bei einem entsprechenden Verdacht gibt eine Blut- oder Urinuntersuchung Aufschluss. Auch eine Messung im Schweiß ist möglich. Meist wird der Wert zusammen mit anderen Elektrolyten wie Natrium, Kalium und Kalzium bestimmt. Ist der Chlorid-Wert zu niedrig, kann das auf eine gestörte Nierenfunktion hindeuten.

Vorsicht: Unter Umständen kann es tageszeitliche oder jahreszeitliche Schwankungen bezüglich der Chlorid-Konzentration geben. Die Aussagekraft einzelner Laborwerte wird daher idealerweise im Zusammenhang mit anderen Werten beurteilt und eine Untersuchung in einem angemessenen zeitlichen Abstand wiederholt.

 

Fazit

Chlorid, vor allem in Form von Natriumchlorid, ist überlebenswichtig für unseren Körper. Sowohl ein chronischer Mangel als auch ein Überschuss kann den menschlichen Organismus schädigen, daher ist weder ein übermäßiger noch ein zu sparsamer Salzkonsum gesund. Finde einen Mittelweg! Das meiste Salz nehmen wir nicht durch das eigene Würzen auf, sondern durch Lebensmittel, in welchen es vom Hersteller als Geschmacksverstärker schon zugesetzt wurde. Deshalb: Koche am besten selbst, salze in Maßen und verwende zum Würzen auch frische Kräuter. Aber vor allem, bleib gelassen. Gelegentliche Über- oder Unterschreitungen der empfohlenen Menge sind bei gesunden Menschen in Ordnung. 

Quellen

Studie des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: www.bmel.de/DE/Ernaehrung/GesundeErnaehrung/_Texte/DEGS_Salzstudie.html

Anhang zur Trinkwasserverordnung: www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2001/anlage_3.html

www.apotheken-umschau.de

www.netdoktor.de

www.focus.de 

www.forum-ernaehrung.at 

www.alternativ-gesund-leben.de 

www.verbraucherzentrale.de 

www.bmel.de 

Das große Handbuch Schüßler-Salze, Oesch Verlag