Autor : Michael
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Volkskrankheit Diabetes: Was sind die Ursachen?

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) gilt nach Definition des Bundesgesundheitsministeriums als häufigste Störung des Stoffwechsels. Aufgrund der Häufigkeit des Auftretens dieser Krankheit in westlichen Industrienationen sprechen Internationale Gesundheitsorganisationen bereits seit Jahren von einer Epidemie. In Deutschland sind derzeit etwa 7,2 Prozent aller Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren von Diabetes betroffen. Dieser hohe Anteil der dokumentierten Erkrankungen veranlasste das Bundesgesundheitsministerium, zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um Diagnostik und Therapie nachhaltig zu verbessern und zu erforschen. Das Gesundheitsministerium arbeitet zu diesem Zweck eng mit dem deutschen Zentrum für Diabetesforschung zusammen, dessen Ergebnisse Kliniken und niedergelassenen Ärzten zur Verfügung stehen.

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Vermehrt in westlichen Industrienationen

Wie bei allen Krankheiten gibt es auch bei der Zuckerkrankheit und ihren unterschiedlichen Formen Gründe und Auslöser für eine Erkrankung. Die Tatsache, dass Diabetes vermehrt in westlichen Industrienationen auftritt, legt die Vermutung nahe, dass die Ursachen einer möglichen Erkrankung eng mit „unserer Lebensweise“ verwoben sind. In der Tat lesen sich Risikofaktoren dieser Krankheit wie ein mahnender Warnhinweis für eine gesunde Lebensführung.

Diabetes Typ 1: Ein ungelöstes Rätsel

Dabei darf in allem Eifer nicht vergessen werden, dass Diabetes in unterschiedlichen Krankheitsformen auftritt und der sog. Typ-1 oftmals bereits im Kindesalter einsetzt. Dieser Typ der Erkrankung führt auf ein genetisch bedingtes Versagen der Zellen der Bauchspeicheldrüse zurück. Die Bauchspeicheldrüse produziert bei einem gesunden Menschen das Hormon Insulin, Bei einer Erkrankung wird die Bauspeicheldrüse das vom Körper geforderte Insulin nicht liefern können. Die Erkrankung ist nicht „heilbar“ und der Kranke wird sein Leben lang Insulin über eine unkomplizierte Injektion spritzen müssen.

Bei Diabetes-Typ-1 ist bisher unbekannt und wissenschaftlich nicht geklärt, welche genauen Ursachen oder Bedingungen für diese Fehlfunktion verantwortlich sind. Damit schließt sich Diabetes allerdings an andere genetisch bedingte Krankheitsbilder an, die sich weder erklären oder vorhersehen lassen.

Diabetes Typ 2: Bewegungsmangel & Übergewicht als Ursachen

Ganz anders sind die Karten bei Diabetes-Typ-2 verteilt. Hier handelt es sich nicht um eine genetisch-gottgegebene unausweichliche Krankheit, sondern um ein Krankheitsbild, welches die Empfindlichkeit von Körperzellen über einen Verlauf von vielen Jahren so stark vermindert hat, dass der Körper aufgrund so einer „Überproduktion“ mit der Eigenproduktion nicht schritthalten kann. Diese Erkrankung passiert nicht „über Nacht“, sondern baut sich schleichend auf. Als wichtigste Ursache einer Erkrankung an Diabetes-Typ-2 werden in Fachpublikationen Bewegungsmangel und Übergewicht angeführt. Hier mag sich der Kreis zu unseren „westlichen Industrienationen“ schließen, in denen Übergewicht und Bewegungsmangel auch auf der Agenda anderer Beschwerden und Lebensmodellen stehen. Eine gesunde Ernährung bei ausreichender Bewegung wird also den Risikofaktor einer möglichen Erkrankung an Diabetes-Typ-2 maßgeblich reduzieren.

Wie Diabetes-Typ-1 gilt auch der Typ-2 als nicht „heilbar“. Die Erkrankung wird lediglich über ärztlich verschriebene Medikation „in Schach“ gehalten. Während Kranke des Typ-1 ständig Insulin „nachspritzen“ müssen, werden Typ-2-Patienten Medikamente verabreicht, die eine „Überzuckerung“ des Blutes verhindern oder reduzieren. Auch diese Therapie setzt sich bei den Patienten bis an das Lebensende fort.

Hormonelle Abweichungen als Problem

Neben diesen beiden „Haupttypen“ einer Diabetes mellitus Erkrankung gibt es auch unmittelbare Abweichungen, die weder auf genetische oder ungesunde Lebensweisen zurückzuführen sind. Befindet sich der Körper in einem „hormonellen Ausnahmezustand“, wie Pubertät, Schwangerschaft oder auch den Wechseljahren, kann es kurzfristig zu Unregelmäßigkeiten des Insulinhaushaltes kommen, die dann die Krankheit auslösen oder zeitweise begünstigen. Sofern der Krankheitsverlauf bei solchen vorübergehenden Über- oder Unterproduktionen wieder zu regulieren imstande ist, wird der Körper den „Normalzustand“ auch selbständig wiederherstellen können.

In so einem Fall kann man eigentlich auch nicht von einer direkten Diabetes-Erkrankung sprechen, sondern viel eher von „kurzfristig abweichenden Werten“. Um eine chronische Erkrankung nicht zu begünstigen oder tatsächlich auszulösen, ist eine ärztliche Betreuung in solchen Phasen unumgänglich.

Bei Schwangeren schließt sich ein solches Risiko weitestgehend durch die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen aus und auch älteren Menschen wird ein regelmäßiger Gang zum Hausarzt nicht ganz unbekannt sein. Anders liegen die Dinge bei Jugendlichen, die sich „sonst“ bester Gesundheit erfreuen.

Wie erkenne ich Diabetes?

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Diabetes ist keine Krankheit, die sich durch einen auffälligen Hautausschlag bemerkbar macht. Grob zusammengefasst gelten vermehrt auftretende Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Durst und Harndrang zu der Vermutung, dass die Inselzellen der Bauchspeicheldrüse zerstört sind. Solche Symptome lassen sich auch leicht bei jungen Menschen festmachen und ggf. einen Gang zum Hausarzt veranlassen.

Bei Verdacht wird der Hausarzt den Blutzuckerwert messen, der bei einem gesunden Menschen den Wert von 110 mg/dl liegt. Blutzuckerwerte bei Schnelltests lassen sich kurzfristig leicht beeinflussen. Beispielsweise durch Stress, Training oder auch eine ausgiebige Mahlzeit. Werden Langzeitblutzuckerwerte gemessen, dann liegt der Normalwert bei einem gesunden Menschen bis zu 6 Prozent. Ab 6,4 Prozent muß man von einer Diabetes-Erkrankung ausgehen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass „Normal“ keinesfalls „Optimal“ bedeutet. Studien zeigen, dass bereits ab einem Wert von 5,5 Prozent das Risiko für Herzerkrankungen oder Gesamtsterblichkeit rasant ansteigen. Etwas komplizierter ist eine Diagnose anhand von Insulinwerten, die leider nicht routinemäßig kontrolliert werden und deren Grenzwerte noch immer in der Fachwelt heiß diskutiert werden.

Als gedankliche Brücke kann man sich leicht merken: Sofern Insulinwerte niedrig sind, kann der Körper eigene Fettreserven leichter mobilisieren und das Fett in der Nahrung zur Energiebereitstellung nutzen. Erhöhte Insulinwerte unterbrechen diese Funktion und werden unter Umständen dazu führen, dass man trotz gesunder Ernährung „dicker“ wird. Unverhältnismäßige Gewichtszunahme bei lang- mittelfristig ausgewogener Ernährung kann also ein Zeichen für erhöhte Insulinwerte sein und einen Gang zum Hausarzt rechtfertigen. Insbesondere dann, wenn auch die o.g. Symptome in diesem Szenario regelmäßig auftreten. Als „Selbstdiagnose“ mag man solche Symptome mit Zeiten vergleichen, in denen man glaubt gesund zu sein. Es gibt Menschen, die trotz glänzender Gesundheit zu Müdigkeit oder Harndrang neigen. Erst bei einer „spürbaren“ Abweichung sollten solche Veränderungen ernst genommen werden.

Konsequenzen von Diabetes

Diabetes mellitus bleibt trotz seiner hartnäckigen Dauerhaftigkeit keine „tödliche Krankheit“. Gleichwohl gibt es nicht selten Fälle, in denen eine Überzuckerung in einem diabetischen Koma endet oder Diabetes-Patienten Beine amputiert werden. Solche tragischen Fälle reduzieren sich allerdings auf Patienten und Krankheitsverläufe, die über Jahre oder gar Jahrzehnte ohne jede ärztliche Betreuung ihre Krankheit mit sich herumgeschleppt haben. Bei einer rechtzeitigen Diagnose wird der Hausarzt seinen Patienten medikamentös auf die Krankheit einstellen, ohne dass es zu solchen Horrorszenarien kommt.

Potentielle Ursache für andere Erkrankungen

Gleichwohl sollte man nicht unterschätzen, dass Diabetes in seiner Eigenschaft als Stoffwechselstörung bei erhöhten Blutzuckerwerten sehr wohl in der Lage ist, andere Krankheiten zu begünstigen oder auszulösen. Man spricht oft davon, dass der Mensch so alt ist wie seine Blutgefäße. Gefäßverschlüsse führen zu anderen Krankheiten, die in sich selbst durchaus ernste oder lebensbedrohliche Ausmaße anzunehmen imstande sind. Nicht selten spielen hierbei erhöhte Zuckerwerte eine Maßgebliche Rolle. Auch gesellschaftliche Diskussionen beschäftigen sich immer wieder in öffentlichen Debatten mit solchen Fragen. Beispiel: Wie viel Zucker ist in Lebensmitteln gesund? Oder dergleichen. Wir alle werden solche Fragen aus der Presse oder Talkshows im Fernsehen zur Genüge wiedererkennen. Genau diese Diskussionen beschäftigen sich im Endeffekt mit einem Nebeneffekt von Diabetes: Erhöhte Blutzuckerwerte und damit dickflüssigeres Blut und Durchblutungsstörungen.

Es hat sich bereits etwas getan...

Diabetes sowie Vorsorge und Prävention sind keine Raketenwissenschaft. Sofern man nicht an einem genetischen Defekt leidet, hat man alle mahnenden Zeigefinger schon öfter gesehen oder gehört. Gesunde Ernährung und Bewegung sind schon lange keine Fremdwörter in unserer Gesellschaft. In der Tat hat sich das „Körperbewusstsein“ in der Bevölkerung in den letzten vierzig Jahren drastisch verbessert – wenn nicht sogar um 180 Grad gedreht. Während Sport in früheren Jahren fast ausschließlich einen Wettkampf diente, so gilt „Bewegung“ heute oftmals als Erlebniskultur und Lebenseinstellung. Ebenso sieht es mit unserer Nahrung aus. Ein Büroangestellter wird in diesem Jahr einen komplett anderen Nahrungsbedarf haben, als ein Bauarbeiter nach Ende des Krieges. Nun kochen wir allerdings auch nicht mehr für eine Horde Landarbeiter, sondern passen unsere Nahrung dem Kalorienbedarf weitestgehend an.

Bei Zweifeln oder Bedenken sollte man es nicht versäumen den Hausarzt beim nächsten Besuch auf Diabetes anzusprechen. Ein Hausarzt kennt seine Patienten und wird Sorgen oder Bedenken sicherlich auf Anhieb richtig einschätzen können.