Autor : Michael
100% Wissenschaftlich

Diabetes im Alter

Diabetes mellitus ist die am weitesten verbreitete chronische Stoffwechselkrankheit schlechthin und damit geradezu prädestiniert für alte Leute. Es gibt wohl keine andere chronische Krankheit, die mit vergleichbarer "Begeisterung" auf Seniorengeburtstagen heiß diskutiert wird. Da darf die Zuckerkrankheit nicht fehlen. Leider ist es allerdings nicht gelungen, den Diabetes Typ 2 in „Altersdiabetes“ umzubenennen, da sich herausstellte, dass auch jüngere Menschen an dieser Stoffwechselstörung erkranken können. Und dies nicht nur an dem genetischen Defekt Diabetes Typ 1, sondern auch an dem den Senioren vorbehaltenen Typ 2.

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Wieso taucht Diabetes bei Senioren häufig auf?

Dass ältere Menschen an dieser Krankheit mit ihren Risikofaktoren Übergewicht bei mangelnder Bewegung erkranken, wundert niemanden. Schließlich haben Senioren in ihrem langen Lebenslauf viel Platz für das Heranzüchten von Übergewicht und mit dem Alter verliert man des Öfteren an Beweglichkeit und Agilität. Da unsere Gesellschaft sich jedoch auch so dreht, dass immer mehr junge Menschen Übergewicht und untätiges Herumlungern auf Couchgarnituren für irrsinnig erstrebenswert halten, schlägt sich der Diabetes Typ 2 auch vermehrt in die Reihen jüngerer Teilnehmer.

Trotzdem ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man nach einem ungesunden Leben im Alter an Diabetes Typ 2 erkrankt. Nicht spezifisch, weil man „alt“ ist, sondern weil sich die Risikofaktoren innerhalb der älteren Bevölkerung so transportieren. Neben Übergewicht und mangelnder Bewegung stünde auch unvorteilhafte Ernährung auf dem Zettel. Ältere Menschen haben den Vorteil, dass sie all diese Dinge sehr viel länger betrieben haben können als ihre jugendlichen Mitbewerber. Es ist ein Unterschied, ob man mit Mitte Zwanzig nach einem Sportunfall für ein paar Monate auf der Couch liegt und lauter leckere Sachen isst oder aber ob man dieses Hobby seit Jahrzehnten pflegt.

Das Resultat ist gleichwohl unvorteilhaft. Zwar ist Diabetes Mellitus keine Krankheit, die den Lebenswandel - egal ob alt oder jung - sehr nachhaltig beeinträchtigt; doch wünschenswert ist eine chronische Stoffwechselkrankheit sicherlich in keinem Fall. Senioren mögen den Vorteil haben, dass sie im Allgemeinen sicher weniger Berührungsängste in den Wartezimmern der Sprechstunden niedergelassener Allgemeinmediziner haben als jüngere Leute. Regelmäßige Besuche beim Hausarzt stehen an für Diabetes-Patienten und ältere Leute können diese Besuche sicherlich mit anderen nützlichen Informationen verbinden, die der Hausarzt bereithält.

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Klare Signale ernst nehmen!

Besondere Gefahren birgt Diabetes Typ 2 nicht für ältere Menschen. Sie sind weder besser noch schlechter dran als jüngere Patienten. Fast möge man sogar annehmen, dass ältere Menschen ohnehin daran gewöhnt sind, täglich Medikamente einzunehmen und, dass die paar Pillen mehr den Zug nun auch nicht zum Entgleisen bringen. Lediglich im Zuge möglicher Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel das diabetische Fuß-Syndrom steht in der Verantwortung des behandelnden Arztes, die Ernsthaftigkeit auch älteren Menschen klar zu vermitteln. Zumindest neigen ältere Semester sicherlich eher dazu, klare Warnsignale als „alberne Wehwehchen“ abzutun und gekonnt zu ignorieren. Hier wäre die Beobachtungsgabe von Hausarzt, Pflegedienst oder auch pflegenden Angehörigen auf dem Prüfstand der Verantwortung.

Dies gälte ebenso für das Kontrollieren der Medikamentengabe. Auch hier haben ältere Menschen nicht selten bewundernswerte Strategien entwickelt, Tabletten „verschwinden“ zu lassen. Jeder, der Erfahrung mit der Pflege von Senioren hat, und sei es nur innerhalb der eigenen Familie, wird diese Tricks jedoch kennen. Sofern möglich, empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Arzt im Beisein von Ehepartner und etwaigen Kindern oder Angehörigen, um mit Nachdruck an die Vernunft der älteren Patienten zu appellieren. Schließlich bleibt Diabetes Typ 2 auch bei älteren Menschen keine tödliche Krankheit; doch möchte man mit Sicherheit die Risiken der durchaus tödlich verlaufenden „Ableger“ einer diabetesbedingten Durchblutungsstörung vermeiden. Hier mag man gleichfalls auf die Lebenserfahrung der Senioren setzen, denn Diabetes, Herzinfarkt und Schlaganfall sind so häufig, dass jeder Senior mindestens einen Fall aus seinem näheren Umfeld kennen wird und damit auch die Gefahren richtig einschätzen kann. Ob dann die Einsicht der Erkenntnis folgt, läge an dem Charakter und Temperament des Senioren. Wie bereits erwähnt, wäre in so einem Fall Ehepartner oder Familie ein hilfreicher Verbündeter, um „renitente alte Leute“ auf den Pfad der Vernunft zu rufen. Auch der Hausarzt oder Pflegekräfte werden diese „liebenswerten Eigenschaften“ ihrer Patienten kennen und zu nehmen wissen. Wichtig wäre es, den Patienten älteren Semesters mit seiner Krankheit nicht allein zu lassen. Während jüngere Leute sich eher in und mit ihrer Krankheit orientieren, werden ältere Menschen unter Umständen eher dazu neigen, eine Krankheit zu ignorieren, solange „nichts weh tut“. Da der normale Krankheitsverlauf eines Diabetes weder Schmerzen noch andere Phasen des Unwohlseins im Gepäck hat, ist die Gefahr hoch, Symptome gänzlich zu übersehen oder Risikofaktoren nicht als solche zu beachten. Zwar ist das Kind bei einer diagnostizierten Diabetes bereits in den Brunnen gefallen, doch empfiehlt sich immer noch eine Umstellung von Gewohnheiten wie Ernährung oder Bewegung, um zumindest nicht weiteren Folgeerkrankungen Vorschub zu leisten, deren Risikofaktoren sich allesamt mit denen einer Diabetes decken. Das werden ältere Leute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sogar wissen; ob sie es dann jedoch auch beherzigen, stünde auf einem komplett anderen Blatt. Hier gilt wieder: Regelmäßige Besuche und Gespräche mit dem Hausarzt sind wichtig. Der Arzt wird auch wissen, auf welche besonderen Dinge bei dem speziellen Patienten geachtet werden sollte, denn gerade bei fortgeschrittenem Alter können Beweglichkeit und allgemeiner Zustand sehr unterschiedlich sein. Der Patient sollte also im Rahmen seiner Möglichkeiten bestmöglich mobilisiert werden. Und diese Entscheidung wird der Hausarzt am besten einschätzen.

Die Risiken medizinischer Notfälle unterscheiden sich nicht und in keiner Weise von denen, wie auch deutlich jüngere Patienten betroffen wären. Ein Unterschied wäre vielleicht, wie der Körper mit seiner Stoffwechselstörung umgeht. Auch im Alter passieren im Körper hormonelle Veränderungen; bei Frauen die Wechseljahre zum Beispiel. Wie sich diese auf einen Diabetes Typ 2 auswirken, sollte ein Arzt im Rahmen der medikamentösen Einstellung des Diabetes berücksichtigen. Ansonsten können Senioren auch mit ihrem Diabetes ihren Lebensabend ebenso fortsetzen, wie sie ihn begonnen haben. Wie bei jungen Leuten bietet Diabetes auch im Alter keine nennenswerten Einschränkungen in der Lebensgestaltung. Abgesehen von Risikofaktoren, die nicht gezwungenermaßen allein an einen Diabetes geknüpft sind, sondern sehr wohl auch anderen möglichen Krankheiten den Weg ebnen würden. Eine Vielzahl dieser Krankheiten findet sich in den Folgekrankheiten eines Diabetes. Insofern dient die gebotene Vorsicht sogar zwei Herren. Auch in diesen Fragen wird der Hausarzt dem Patienten wertvolle Tipps mit auf den Weg geben bzw. Medikamente verschreiben, die mehr als „nur“ dem Diabetes Einhalt gebieten.