Autor : LillyR
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Schlucken wir im Alter zu viele Medikamente?

Statistisch gesehen greifen Menschen der Generation Silverager zu mehr Medikamenten, um Probleme zu lindern oder Wehwehchen auszublenden. Können wir mit dieser Methode die anvisierten Probleme damit beheben oder gar die Ursachen finden? Meint Medikamente einnehmen eine schützende und positive Wirkweise zu erzielen? Alterix gibt Aufschluss.

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©Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Medikamente helfen uns vorrübergehend aber auch langfristig Beschwerden zu lindern. Bei nicht heilbaren Krankheiten oder großen Schmerzen sind sie unstrittig wahre Helfer und aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken.

Gutgläubig schlucken insbesondere ältere Menschen Tag für Tag eine Vielzahl an Medikamenten - oft, ohne dieses Vorgehen weiter zu hinterfragen. Eine Pille gegen Schmerzen, ein Drops gegen Bluthochdruck, schnell noch eine Tablette Names "Ich weiss nicht so genau, das habe ich schon immer so gemacht" einnehmen. Wichtig und richtig ist, dass wir uns hinterfragen müssen. Sonst droht ein Teufelskreis aus Medikation und Wechselwirkungen, welcher hohe Risiken beherbergt und dem wir nur schwer wieder entkommen können.

Forscher der Universität Zürich stellten fest, dass fast jede 11. Verschreibung von Tabletten überflüssig oder zumindest nicht unbedingt notwendig ist. Ältere Menschen bringen im Durchschnitt ein erhöhtes Vertrauen ihres Arztes mit und halten sich oft genauestens an die empfohlene tägliche Dosis. Leider berücksichtigen sie hierbei nicht, dass Medikamente sich teilweise gegenseitig aufheben oder sogar um ein Vielfaches verstärken können. Hierzu zählen auch freiverkäufliche Arzneimittel– beim Kauf solcher sollte in Rücksprache mit dem Arzt oder dem Apotheker unbedingt auf die Verträglichkeit mit anderen Tabletten geachtet werden. Auch scheinbar harmlose pflanzliche Präparate können einen starken Einfluss auf die Wirkung rezeptpflichtiger Arzneimittel haben und sollten nicht unkontrolliert zu sich genommen werden. Ein erster Hinweis ist wie immer dem  Beipackzettel zu entnommen und sollte ernst genommen werden.

Wieso geraten so viele Medikamentenverschreibungen in den Umlauf?

Ärzte sind geschulte Personen, die über genau solche Wechselwirkungen durchaus Bescheid wissen. Wieso also ist jede 11. Verschreibung nicht notwendig? Was früher noch zur Normalität gehörte, hat heute längst nicht mehr Priorität: Menschen wechseln viel zu oft den behandelnden Arzt. Dies kann durch Unzufriedenheit, Bequemlichkeit oder Umstände wie Umzug und Terminengpässe zustande kommen. Durch den Wechsel fehlt dem behandelnden Arzt jedoch auch die Patientenakte und das nötige Hintergrundwissen, welche für eine erneute Verschreibung wichtig wären. Die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient ist hier demnach das A und O und der Patient ist dazu aufgefordert, ganz offen und ehrlich über seine aktuelle Einnahme zu sprechen. Nur so kann ein neuer Arzt die richtige Behandlung feststellen, ohne dabei Nebenwirkungen zu verursachen.

Pilleneinnahme steigt im Alter

Wo in jungen Jahren meist noch nicht dran zu denken ist, ist für viele Personen mit zunehmendem Alter bereits Alltag gegeben. Medikamentenschachteln so weit das Auge reicht und Symptome werden durch Pillen bekämpft, die oft neue Symptome hervorrufen. Die Einnahme mehrerer Medikamente im Alter, auch Polypharmazie genannt, kann schnell Überhand gewinnen und hier den Überblick zu bewahren, ist fast unmöglich:

  • Lauter Tablettendosen
  • Zahlreiche Wochenplaner für die Einnahme
  • Auch Kalendereinträge

Doch müssen wir diesen Umstand wirklich so hinnehmen? Natürlich ist klar, dass wir im Alter eher zu Krankheiten neigen und anfälliger für Infektionen sind. Der Körper hat einige Jahre hinter sich und das Immunsystem fährt stetig runter– dies ist der natürliche Lauf des Lebens und eine kontrollierte Medikation kann durchaus sinnvoll sein.

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Photo by rawpixel.com from Pexels

Viele dieser Krankheiten kommen zwar altersbedingt zustande, aber auch eine fehlende und abwechslungsreiche gesunde Ernährungsform kann Auslöser solcher Beschwerden sein. Gerade im hohen Alter sind Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente überaus wichtig und helfen dem Körper dabei, das Immunsystem möglichst lange aufrecht zu erhalten. Bluthochdruck, Cholesterin und Zuckerwerte können nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgreich und dauerhaft gesenkt werden. Die Ursache zu bekämpfen hilft somit weitaus mehr, als lediglich die Symptome zu reduzieren.

Medikamente gehören am Morgen wie zum Frühstück

Die Scheu vor der Einnahme von Tabletten ist längst verflogen und Pillen sind quasi gesellschaftsfähig geworden. Für Kopfschmerzen gibt es eine Tablette und für das ständige Husten gibt es Schleimlöser und Tropfen. Schwerwiegende Krankheiten können jederzeit mit Antibiotika behandelt werden; wieso soll das schlecht sein? Gerade Senioren haben über Jahre die Scheu vor der Einnahme verloren– es gehört quasi zum Leben dazu. Eine Forsa-Umfrage aus dem Jahre 2015 befragte etwa 13.000 Menschen, wie viele Medikamente sie täglich zu sich nehmen. Auffällig war, dass die Tendenz mit den Jahren deutlich zunahm. Etwa 21% der Personen über 70 Jahre nehmen laut Studie 5 oder mehr Pillen täglich zu sich. Bei den 30-49-Jährigen wirken die 3% hingegen deutlich unscheinbarer. Dies ist zum einen dem schwächeren Immunsystem und der jahrelangen Belastung der Gelenke geschuldet, zum anderen leider auch der unwissenden Einnahme zu vieler rezeptpflichtiger Medikamente im Alter.

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©Bild von marijana1 auf Pixabay

Wie gefährlich kann die Einnahme werden?

Dass uns Arzneimittel bei Krankheiten helfen, ist grundsätzlich richtig. Dass diese uns wiederum auch krank machen können, ist für viele vollkommen neu. Medikamente wirken bei jeder Person individuell und nicht jeder verträgt sie zu gleichen Teilen. Auch abgelaufene Tabletten können unseren Körper schädigen und zu einer Vielzahl neuer Beschwerden führen. In manchen Fällen geben diese nach Zersetzen im Körper toxische Stoffe ab, die nicht nur giftig für uns Menschen sind, sondern im schlimmsten Falle sogar tödlich enden. Auch Wechselwirkungen, die zu erhöhter Müdigkeit, Benommenheit oder Verwirrtheit führen, können gerade für ältere Menschen zur großen Gefahr werden. Wer eh schon zittrig auf den Beinen steht oder wer im Straßenverkehr sowieso schon schnell überfordert ist, der kann durch den sogenannten „Medikamentencocktail“ weitaus Schlimmeres hervorrufen.

 

Welche Maßnahmen sind möglich?

Wer unsicher ist, oder gerade im Alter schnell den Überblick verliert, der kann mit allen einzunehmenden Tabletten in die nächste Apotheke oder zum behandelnden Arzt gehen. Alle einzunehmenden Mittel werden auf Nebenwirkungen und Verträglichkeit geprüft und solche ausgetauscht oder herausgenommen, die ungeeignet erscheinen oder zu größeren Beschwerden führen, als sie eigentlich behandeln sollten. Des Öfteren kommt es vor, dass Betroffene mit einer Vielzahl an Tabletten die Tür betreten, jedoch mit weniger hiervon die Tür wieder verlassen.

Fazit

Eine Ernährungsumstellung, leichte sportliche Betätigung sowie ein gesunder Respekt helfen, sich besser zu fühlen und Medikamente im Alter zu reduzieren. Zudem sollte die Einnahme nur nach Rat des Arztes erfolgen und die Dosis nicht eigenständig reduziert oder erhöht werden. Erinnerungen oder die Unterstützung durch Angehörige und Freunde können helfen, seinen Körper keiner unnötigen Belastung auszusetzen. Eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte sowie die Rücksprache mit dem Arzt sind unabdingbar und helfen, die Medikation neu einzustellen oder sogar zu reduzieren.