Mit Sport gegen den Krebs: Wie wichtig ist Sport in der Krebstherapie?

Immer mehr Studien zeigen, dass Sport und körperliche Aktivität sich positiv auf die Nebenwirkungen der Chemo- und Antihormontherapie von Krebs auswirken und sogar auch zur Heilung der Krankheit beitragen können: So verbessert regelmäßige körperliche Aktivität die Leistungsfähigkeit, das Selbstbewusstsein und vor allem das Immunsystem und hat auch direkten Einfluss auf die Entstehung, den Verlauf und das Rückfallrisiko bei einer Krebserkrankung.

Hilft Sport gegen Krebs? Die Fakten

Besonders gut ist die Wirkung von Sport auf Brust-, Darm- und Prostatakrebs erforscht: Eine aktuelle Studie aus den USA belegt die positive Wirkung von Sport bei Brustkrebspatientinnen. Vor allem Jogging wirkt demnach gegen die Erkrankung [1]. In weiteren Studien[2] wurde herausgefunden, dass die Intensität des Sports die Überlebensrate von Brustkrebspatientinnen beeinflusst. Auch die Nebenwirkungen der Chemo- oder Antihormontherapie können durch 30-minütige Sporteinheiten vor einer Chemo gelindert werden, fand eine kanadische Studie aus dem Jahr 2017 [3] heraus.

Wie hilft Sport gegen Krebs? Biologische Faktoren

Bislang sind viele biologische Mechanismen noch ungeklärt, die die Wirkung von Sport gegen Krebs erklären. Einige Fakten der Wirkweise von Sport in Zusammenhang mit Krebs sind aber bekannt: Sport fördert die Durchblutung des gesamten Organismus. Das erschwert den Krebszellen das Überleben: Bei körperlicher Aktivität werden vermehrt die Abbauprodukte von Glukose verbraucht, die ansonsten dem Krebs helfen, zu wachsen.

  • Sport fördert den Stoffwechsel und verringert dadurch die mögliche Kontaktzeit krebserregender Stoffe im Magen-Darm-Trakt.
  • Sport wirkt sich auf die Sexualhormone aus und baut bspw. Östrogene ab, welche in direktem Zusammenhang mit der Entstehung von Brust- oder Gebärmutterhals stehen.
  • Sport senkt den Insulinspiegel und verringert die körpereigenen Botenstoffe, wie z. B. Adipokine. Diese werden direkt im Fettgewebe gebildet und anschließend ins Blut abgegeben. Umso weniger Fettgewebe, desto geringer ist also die Wahrscheinlichkeit für gewisse Krebsarten.
  • Sport soll außerdem die DNA-Reparaturmechanismen verbessern und damit die Heilung begünstigen.

Neben diesen Fakten zeigt sich hinsichtlich des Einflusses auf Krebs auch eine Verbindung zwischen Bewegung und Ernährung: Mehren Studien zufolge ist Übergewicht ein Risikofaktor für eine Krebserkrankung – und sowohl Ernährung als auch Bewegung tragen dazu bei, dieses zu verringern. Nach aktuellem wissenschaftlichen Stand erhöht sportliche Aktivität also die Wahrscheinlichkeit einer dauerhaften Heilung und kann sich sogar genauso vorteilhaft auswirken wie die medikamentöse (Chemo-, Strahlungs- oder Antihormon-) Therapie.

Wann, wie und wieviel? Empfehlungen für deinen Start in die Bewegungstherapie

Der beste Zeitpunkt für den Trainingsbeginn ist jetzt. Du solltest aber, bevor du los legst, noch einen Termin bei deinem Arzt machen und dich gründlich untersuchen lassen. Dein Arzt kann dabei wichtige Risikofaktoren und Einschränkungen feststellen. Im Anschluss erstellt ihr gemeinsam einen für dich individuellen Bewegungstherapie-Plan.

Die American Cancer Society empfiehlt bei Krebserkrankten beispielsweise 150 Minuten Sporttherapie und die deutsche Krebshilfe 3mal 60 Minuten Sport pro Woche, wobei aber bspw. bei Prostatakrebs mehr Sport zur Heilungsförderung nötig ist als bei Brustkrebs [4]. Grundsätzlich gilt: Umso früher du – nach deinen individuellen Möglichkeiten – mit Sport anfängst und umso mehr Sport du machst, desto besser ist die Wirkung.

Um eine körperliche Überforderung zu vermeiden, reicht es zu Beginn auch aus, mit 20 Minuten Sport am Stück anzufangen. Der schonendste Einstieg ist schnelles Spazierengehen oder Walken.

Tipp

Nimm am Anfang eine Begleitperson mit, die dir helfen oder dich stützen kann, wenn du unterwegs müde wirst. Das verleiht dir zu Beginn Sicherheit. Darüber hinaus ist es sinnvoll, den gesamten Alltag aktiver zu gestalten, indem du z. B. kürzere Wege zu Fuß erledigst oder Treppen steigst. Auch feste Zeiten im Alltag für kleinere Trainingseinheiten, wie beispielsweise 10 Minuten Gymnastik nach dem Aufstehen, und fixe Termine für die größeren Aktivitäten solltest du einplanen. So bleibst du motiviert und hast einen guten Überblick über deine Bewegungsbilanz.

Sport als Vorbeugung gegen Krebs: Geht das?

In den bereits angesprochenen Studien wurde auch herausgefunden, dass Sport Krebs vorbeugen hilft. Mehreren Studien zufolge bewirkt regelmäßige Bewegung deutliche Risikosenkungen für Darmkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Brustkrebs. Schätzungsweise ist zu wenig Sport in 9 % aller Brustkrebs- und 10 % aller Darmkrebsfälle in Europa eine Ursache für die Erkrankung [5]. Bei Lungenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Eierstockkrebs, Prostatakrebs, Nierenkrebs und Magenkrebs wurden ähnliche Zusammenhänge, wenn auch schwächer, festgestellt.

Diesen Studienergebnissen schließt sich auch der World Cancer Research Fund (WCRF) mit der Einschätzung an, dass regelmäßige körperliche Aktivität die Bildung bösartiger Tumore vorbeugen kann.

Die Quintessenz der Studien: Wenn du sportlich aktiv bist, kannst du dein Risiko, an Krebs zu erkranken, um etwa 20 bis 30 % senken. Hierbei werden neben den Empfehlungen zur Bewegungsdauer auch immer wieder sog. MET-Werte als Richtwerte zur optimalen Bewegungsmenge angegeben.

Was steckt hinter der Maßeinheit MET (metabolic equivalent)?

Sie sagt aus, wie viel Sauerstoff bei einer Bewegungs- oder Sportart pro Stunde verbraucht und wie viel Energie umgesetzt wird. Nicht nur Sport wie Laufen, Tanzen oder Radfahren hat einen MET-Wert, sondern auch mit Tätigkeiten in Haushalt und Garten wie bspw. Klavierspielen, Staubsaugen oder sogar Kochen kannst du deine Bilanz im MET-Verbrauch verbessern.

Einen Richtwert, wie viele MET-Einheiten du mit welcher Aktivität verbrauchst, bekommst du in der folgenden Tabelle [6]:

QUANTITATIVE ERFASSUNG DER KÖRPERLICHEN AKTIVITÄT  
Sportart MET
Ruhig liegen 1
Golf spielen 3
Spazieren gehen 3
Tanzen 3
Hausarbeit 3,5
Tischtennis 4
Walking: 5 km/h 4
Gartenarbeit 4,5
Schwimmen: langsam 4,5
Inlineskaten: 13 km/h 5
Tennis 5
Fahrrad fahren 6
Schwimmen: 1500 m/h 6
Tanzen (intensiv) 7
Ski fahren 7
Rad fahren: 24 km/h 8
Laufen: 11 11
Squash spielen 12
Laufen: 14 km/h 14
MET = metabolisches Äquivalent  

Diese Krebsarten kommen im Alter am häufigsten vor

Das Risiko, an Krebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter: Im Alter ab 45 Jahren gibt es einen plötzlichen Anstieg der Neuerkrankungsrate und im Alter ab 65 steigt das Risiko nochmals an. Bei Männern sind die häufigsten Krebserkrankungen im Alter ab 45 Jahren Prostata-, Lungen- und Darmkrebs. Ab 65 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs nochmals an. Frauen erkranken im Alter ab 45 Jahren am häufigsten an Brustdrüsen-, Lungen-, Darm- und Uteruskrebs. Im Alter ab 65 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs nochmals an [7].

Auf welche Krebsarten sich Sport als Prävention positiv auswirkt, zeigt folgende Tabelle [8]:

Tabelle abgewandelt nach WCRF (2018) und Patel A.V. et al. (2019)  
TUMORART KÖRPERLICHE BEWEGUNG UND KREBSRISIKO
Dickdarmkrebs überzeugend verringertes Krebsrisiko
Brustkrebs vor den Wechseljahren: wahrscheinlich verringertes Risiko (durch anstrengende Aktivität)
  nach den Wechseljahren: wahrscheinlich verringertes Risiko (durch jede Form von Aktivität)
Gebärmutterkörperkrebs wahrscheinlich verringertes bzw. überzeugend verringertes Risiko
Nierenkrebs überzeugend verringertes Risiko
Blasenkrebs überzeugend verringertes Risiko
Speiseröhrenkrebs (Adenokarzinom) überzeugend verringertes Risiko
Magenkrebs (Cardia) überzeugend verringertes Risiko

Fazit

Nicht nur, wenn du bereits an Krebs erkrankt bist, lohnt es sich, mit Sport anzufangen, um deine Heilung zu fördern. Körperliche Aktivität leistet auch einen messbaren Beitrag zur Vorbeugung gegen einige Krebserkrankungen, vor allem solche, die altersbedingt häufiger auftreten, wie Brust- oder Darmkrebs. Bei anderen Krebserkrankungen wie Prostatakrebs werden außerdem die Nebenwirkungen erheblich gelindert. Schon mit 150 Minuten körperlicher Aktivität pro Woche kannst du das Risiko, an Krebs zu erkranken oder an der Erkrankung zu sterben, wesentlichen verringern. Sport ist in der Krebstherapie daher ein sehr wichtiger und heilunterstützender Faktor, der immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Quellen

[1], [3] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/sport-bei-krebs-so-wichtig-wie-.html

[2] Fasching, Hübner, Kleeberg: Körperliche Bewegung und Sport zur Prävention und Behandlung von Krebskrankheiten. Springer 2009: https://link.springer.com/article/10.1007/s00761-009-1627-y

[4] https://www.allgemeinarzt-online.de/archiv/a/wie-kann-bewegung-helfen-1700634

[5] Leitzmann et al.: European Code against Cancer 4th Edition: Physical activity and cancer: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1877782115000764:

[6] Entnommen aus: https://www.kk -bochum.de/de/Aktuelles_und_Presse/Veranstaltungen/_Vortraege_2013/2016_11_24_Vortrag_Steckstor.pdf

[7] https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Kurzbeitraege/Archiv2018/2018_4_Thema_des_Monats_lebensverlauf.html

[8] Entnommen aus: https://www.krebsinformationsdienst.de/service/iblatt/iblatt-bewegung-krebsvorbeugung.pdf

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/bewusst-leben/basis-informationen-krebs-bewusst-leben-bewegung/durch-bewegung-kreb.html

https://www.krebshilfe.de/infomaterial/Blaue_Ratgeber/Bewegung-und-Sport-bei-Krebs_BlaueRatgeber_DeutscheKrebshilfe.pdf

https://www.krebsinformationsdienst.de/vorbeugung/krebs-vorbeugen/sport.php

https://www.tumorzentrum-muenchen.de/bewegung/bewegung-und-krebs.html

https://www.aerzteblatt.de/archiv/63651/Onkologie-Sport-ist-so-wichtig-wie-ein-Krebsmedikament

https://www.pharma-fakten.de/news/details/560-weltkrebstag-die-alterskrankheit/

 

 

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