Autor : Volker
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Künstlerische Aktivitäten im Alter

Bevor ich jetzt einen Artikel über Kunst und künstlerische Arbeit schreibe, muss vielleicht erst einmal geklärt werden, was Kunst überhaupt ist. Du kennst vielleicht den Spruch: „Ist das Kunst, oder kann das weg?“. Diese Unsicherheit haben wir Künstlern wie Joseph Beuys zu verdanken. Auch wenn der überwiegende Teil seines Schaffens von Historikern eindeutig und erklärbar als Kunst anerkannt ist, blieb er vor allem durch seine „Fettecke“ im kollektiven Gedächtnis – einem kiloschweren Klumpen aus Butter, den er in eine Ecke der Düsseldorfer Kunstakademie gedrückt hatte. Auch der Schöpfer des „Ku(h)riosum“ in Bietigheim-Bissingen, Jürgen Goertz, verschaffte den Kunstverständigen schon einige Kopfschmerzen mit seinen Werken, nimmt sich dabei aber zumindest selber nicht so ernst. In einer Postkartenserie stellte er die Frage „Was ist Ku(h)nst?“, um sie gleich selber zu beantworten mit dem Satz: „Ku(h)nst Du mir 5 Mark pumpen?“

Nicht nur bei Skulpturen und beim Malen gibt es zwielichtige Werke. Das bekannteste Werk dieser Art aus der Musik wurde im Jahr 1952 uraufgeführt: das Stück „4'33" for Piano“ von John Cage, in dem kein einziger Ton gespielt wurde, und zwar genau vier Minuten und 33 Sekunden lang. Cage erklärte dazu, dass die essentielle Bedeutung der Stille darin läge, den Vorsatz aufzugeben, sich in seiner Aufmerksamkeit von Umgebungsgeräuschen ablenken zu lassen. Trotz dieser Erklärung entstand in den Medien ein Skandal um das Werk. Wir allerdings wissen jetzt zumindest Bescheid.

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©Bild von Pexels auf Pixabay

Kunst als Freizeitbeschäftigung

Damit zu unseren eigenen Plänen für bahnbrechende Kunstwerke! Der kleine Exkurs in die schummrig beleuchteten Ecken der Kunstwelt lehrt uns nämlich, dass Virtuosität nicht notwendigerweise eine Voraussetzung für Kunst ist. Derart befreit von Zwängen und Leistungsdruck, sollte es dir nun leicht fallen, selbst die ersten Werke zu erschaffen.

Malerei

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©Bild von bodobe auf Pixabay

Du hast sicher schon einmal eine der „The-Joy-of-Painting“-Sendungen von Bob Ross gesehen. Auch ich selbst kann mich der Faszination nicht entziehen, wie Ross mit großem Pinsel, Bürste und Spachtel phantastische Landschaften malt. Hier darf kein Leistungsdruck entstehen: Du kannst dich erst einmal entspannen, denn obschon man Bob-Ross-Malersets kaufen und Bob-Ross-Malkurse besuchen kann, hat sich noch niemand aufgeschwungen, und verkündet, er könne das jetzt genauso gut. Ross ist ein einzigartiges Ausnahmetalent und dieses bis zu seinem Tod auch geblieben.

Für dich heißt das: Du kannst munter drauflosmalen – und denke nicht, dass das jetzt erst einmal die Anschaffung einer Staffelei mit Pinseln und Ölfarben bedeutet. Die moderne Zeit lässt dir viel mehr Flexibilität bei der Gestaltung. Auch Comiczeichner wie Carl Barks oder Jack Kirby sind zum Beispiel längst als Kunst-Ikonen anerkannt.

Außerdem kann dir ja niemand vorschreiben, wie du vorgehst. Tu also das, womit du dich am wohlsten fühlst. Großartige Effekte erhältst du, wenn du ganz frech die Stile mischst. Acrylfarbe über Aquarell (Achtung: gut trocknen lassen vorher!), Computergrafik aus dem Tintenstrahldrucker mit Edding aufhübschen, oder du denkst dir etwas völlig Neues aus. Udo Lindenberg hat eine Serie sogenannter „Likörelle“ gemalt. Das überrascht nicht, sind doch Blue Curacao, Campari, Eierlikör oder Jambosala wunderbar farbstarke Flüssigkeiten. Nur ist diese Idee damit leider schon vergeben.

Und wenn du schon dabei bist, die Stile zu mixen: Nimm dir doch gleich einen Computergrafiker mit ins Boot und dann schafft ihr gemeinsam etwas Neues. Wenn Hundertwasser und Klimt Blattgold auf ihre Ölbilder kleben dürfen, dann könnt ihr auch auf einen Laserdruck Prägefolien aufbügeln. Wenn ihr in die Galerie wollt, dann überlegt euch am besten etwas Neues.

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©Bild von Lubos Houska auf Pixabay

Plastische Kunst, Bildhauen, Töpfern & Schnitzen

Ist das zweidimensionale Bild schon komplex, dann wird es noch vielfältiger, wenn wir uns an plastische Figuren wagen. Aber (ich verrate mein größtes Geheimnis gleich am Anfang): Auch hier bringt uns die Computertechnik Dinge, die früher nicht möglich gewesen wären.

Viele Disziplinen der gestaltenden Kunst sind weniger von unserer Fingerfertigkeit und mehr von unserem Vorstellungsvermögen abhängig. Zum Beispiel beim Töpfern wirst du bald feststellen, dass du die Technik an sich gut beherrschst. Dann aber wird es notwendig, eine gute Vorstellung zu haben, was du eigentlich kreieren willst. Dann muss der Tonklumpen groß genug sein, du musst schnell die nötige Höhe erarbeiten, du musst an die Wandstärke denken, die auch im weichen Zustand das ganze Gefäß wird tragen müssen. All dies geschieht schon vorab in deinem Kopf, inklusive natürlich der Form, die das Objekt letzten Endes einnehmen soll.

Hast du vor, mit Holz zu arbeiten? Ein Schnitzmesser zu verwenden ist aller Ehren wert, aber wenn du lieber auf Gicht und Arthrose verzichten willst – das sind typische Holzschnitzerkrankheiten – dann steige gleich auf elektrische Werkzeuge um. Du kannst heutzutage für wenig Geld einen Satz kleiner Bohr- und Fräswerkzeuge kaufen, mit dem die Arbeit sehr viel einfacher vonstatten geht.

Zuletzt hat auch hier die Computertechnik für eine neue Disziplin gesorgt, denn mit dem sogenannten 3D-Druck sind Objekte realisierbar, die auf andere Art unmöglich herzustellen wären. Beispielsweise kann eine Hohlkugel „gedruckt“ werden, die auf der Innenseite filigrane Formen oder Figuren zeigt. Dieses Kunstwerk nutzt zwar wenig, denn man kann nicht hineinschauen, aber für die Kunst wird allein die Möglichkeit dazu eine Menge neuer Herangehensweisen eröffnen. Hier existiert noch viel weiße Fläche auf der Kunstlandkarte – also worauf wartest Du? Und, um es gleich dazuzusagen: Auch bei der Erschaffung der 3D-Modelle für den Drucker kannst du mit einem Computerspezialisten zusammenarbeiten – und wieder ist das Ideal der generationenüberspannenden Arbeit verwirklicht.

Musik

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© Bild von Steve Buissinne auf Pixabay

Der erste Gedanke, wenn der Begriff „Musik“ fällt, ist sicherlich die klassische Hausmusik. Instrumente, die jeder zu Hause hat - wie Gitarren, Flöten und Trommeln - mischen sich mit mehrstimmigem Gesang. Diese Kultur existiert überall im Land. Jetzt ist es mit der Musik natürlich so eine Sache, wenn du gar kein Instrument spielen kannst und auch nicht singen...

Hierfür gibt es keine einfache Lösung. Musiker haben ein instinktives Verlangen nach anderen Musikern, mit denen sie sich ergänzen können. Ein bestehendes Ensemble lässt keinen anderen Musiker in dessen Reihen, es sei denn, er bringt etwas Neues mit, das die anderen noch nicht haben – üblicherweise ein Instrument, das sonst keiner spielt. Also kannst du entweder ein Instrument lernen, oder etwas anderes - ebenso Wichtiges - beisteuern:

  • Texte schreiben
  • Arrangements
  • Aufnahmetechnik / Studiotechnik
  • Proberaum
  • Auftritte
  • Computerbasierte Musik

Hier hast du einige Gebiete, auf denen du Talent oder Connections mitbringst– und plötzlich bist du gefragtes Mitglied im Ensemble oder in der Band.

Dann heißt es: Willkommen im Club der Kunstschaffenden!