Autor : Volker
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Gesellschaftsspiele für Jung & Alt

Die guten Nachrichten vorweg: Computer und Smartphones haben noch längst nicht die klassischen Karten- und Brettspiele verdrängt. Immer noch 47% der Deutschen - über die ganze Bevölkerung verteilt - spielen regelmäßig „klassische“ Spiele. Hiermit sind Spiele mit greifbaren Gegenständen gemeint; also beispielsweise Brett- und Kartespiele. Das zumindest hat eine Ipsos-Umfrage aus dem Jahr 2015 ergeben. Vielmehr sogar: Gesellschaftsspiele erleben aktuell einen Aufwärtstrend.

Wie du weißt, haben Statistiken so ihre Schwachstellen. Alles hängt immer davon ab, wie die Frage gestellt wird, wem sie gestellt wird, und wie das Ergebnis zu interpretieren ist. Oberflächlich betrachtet ist Monopoly sowohl bei Umfragen das Beliebteste als auch in den Verkaufscharts das am häufigsten gekaufte Spiel. Ich frage dich jetzt allerdings: Wie häufig wird Monopoly denn tatsächlich gespielt? Darüber gibt es keine Statistik.

Die Gesellschaft teilt sich, was Gesellschaftsspiele angeht, in zwei Lager auf: Die Spieler und die Nichtspieler. Der typische Spieler hat zu Hause einen großen Schrank voller Spiele und kauft regelmäßig neue dazu. Der Nichtspieler hat nur eine Hand voll Spiele, einzig für den Fall, dass Gäste mal etwas spielen wollen. Bei dem stehen dann Monopoly, Memory und Uno im Schrank.

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Die heutigen Spiele und Spieler sind ganz anders als früher

Gerade diese drei Spiele werden auch häufig von Eltern mit ihren kleinen Kindern gespielt, weil diese eben die komplexen Regeln der Erwachsenenspiele nicht verstehen würden. Die "wahre" Spielerszene fasst diese Mainstream-Spiele nicht an. Der Markt an Gesellschaftsspielen ist gerade in Deutschland randvoll mit einer riesigen Auswahl an wirklich anspruchsvollen Spielen. Viele dieser Spiele erfordern:

  • komplexe Denkvorgänge
  • Beobachtungs- & Auffassungsgabe
  • Logik & Vorstellungskraft

Sie sind komplex, und die erste Partie, die ein Spieler ein neues Spiel spielt, endet meist frustrierend, denn – anders als bei den altbekannten Klassikern – hat man nicht in wenigen Minuten eine perfekte Spielstrategie entworfen.

Obwohl die Spiele unterteilt werden können in Logik-, Wissens- und Strategiespiele - wobei es noch andere Kategorien gibt - existieren massenhaft Spiele, die sich keiner Gruppe zuordnen lassen. Entweder sind die Spielprinzipien anders als alles bisher Bekannte oder sie stellen sich aus einer Mischung der bekannten Prinzipien zusammen. Diese Spiele werden am häufigsten unter jungen Leuten gespielt – meist Studenten. Anders als bei anderen Aktivitäten, die zur Studentenzeit populär sind, dann aber wieder verschwinden, wenn die Menschen Älter werden, hält sich die Lust am Gesellschaftsspiel oft ein Leben lang. Deshalb wächst die Gemeinde der Spieler auch stetig an.

Der wichtigste Unterschied zum Computerspiel

In Statistiken konkurrieren die bekannten Karten- oder Brettspiele regelmäßig mit den Klassikern auf PC und Smartphone. Mah-Jongg und Solitaire sind führend auf dem PC, Candy Crush und Farmville laufen auf vielen Smartphones. Eines können all diese Spiele nicht: eine Gruppe an Menschen zusammenbringen. Gerade das ist aber den Spielern das Wichtigste: Dass man zusammenhockt und gemeinsam Spaß hat.

Es gab allerdings auch schon Versuche, Computer, Smartphone und Spielprinzipien der klassischen Gesellschaftsspiele zusammenzuführen. Die Erfinder des Quizspiels "You don't know Jack" haben unter der Bezeichnung "Jackbox" mehrere Spiele herausgebracht, die zentral von einem PC aus gesteuert werden, und bei denen jeder Spieler seinen Teil vom eigenen Smartphone aus beisteuert. Technisch läuft das schon sehr gut, aber beim Ideenreichtum ist noch längst nicht alles ausgeschöpft. Bis jetzt gibt es nur Party-Quatsch-Spiele. Aber es lohnt sich sicher, diesen Markt zu beobachten.

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Generationen kommen zusammen beim Gesellschaftsspiel

Hier kommt die Quintessenz, warum ich überhaupt so weitschweifig von Gesellschaftsspielen erzähle. Die heutigen, begeisterten Spieler sind ein offener und netter Menschenschlag. Ich habe noch keine Gruppe erlebt, die sich nicht freut, wenn mal neue Gesichter dazukommen. Vor allem aber gibt es viel mehr davon, als du wahrscheinlich annehmen würdest. Wohnst du in einem Mehrfamilienhaus? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch bei dir im Haus regelmäßig Spieleabende stattfinden und du weißt nichts davon. Frage ruhig einmal herum, wenn sich ein Gespräch im Treppenhaus ergibt.

Ich schrieb ja oben schon, dass das Interesse für Spiele meist in der Studentenzeit geweckt wird. Es sind also überwiegend junge Menschen, die sich gern an den Spieltisch setzen. Sie sind außerdem zwischen den Geschlechtern nahezu zu gleichen Teilen verteilt. Das bedeutet: Du musst nicht befürchten, zum Beispiel als Frau in einer Gruppe junger Männer sitzen zu müssen.

Wenn du dich jetzt schon darauf freust, mit jungen Leuten komplexe Spiele zu zocken, dann freust du dich zurecht. Viele der Spiele erfordern die Fähigkeit, um die Ecke zu denken. Da gibt es reichlich Situationen, in denen du plötzlich – dank Lebenserfahrung und anderer Denkweise – absolut auftrumpfen kannst. Noch schöner ist dies übrigens bei kooperativen Spielen. Da wird als Teil eines Teams gespielt, entweder gegen ein anderes Team, oder einfach nur, um das Spiel zu gewinnen. Auch in diesen Fällen bedeutet ein Mensch aus der älteren Generation immer eine Bereicherung für die Gruppe.

Besonders interessant ist das bei einer ganz neuen Kategorie, den sogenannten Exit-Spielen. Dabei spielen alle in einem Team, um ein Rätsel zu lösen – gegen die Uhr natürlich. Es gibt hier keinen vorher feststehenden Ablauf, sondern ihr werdet in eine Situation hineingeschmissen, aus der ihr wieder herauskommen müsst. Dabei werden keine Fragen gestellt, auf die man Antworten findet, sondern ihr müsst kleinste Details am Spielaufbau entdecken, und die richtigen Schlüsse ziehen. Da wird mal räumliches Denken, erfordert, mal Kombinationsgabe, mal Intuition oder auch mal Kopfrechnen. Hier wirst du sicherlich für die Gesellschaft einen großen Nutzen bringen, weil du mit genügend Lebensjahren nun einmal anders an Probleme herangehst, als das bei jungen Leuten üblich ist.

Aber manchmal wollt Ihr einfach nur eine Runde zocken

Das Schöne an Gesellschaftsspielen ist, dass sie für Männer und Frauen gleichermaßen attraktiv sind, und deshalb auch von beiden Geschlechtern gleich gern gespielt werden. Die typische Skatrunde in der Kneipe oder der Pokerabend im Keller sind dann allerdings doch eher eine Sache für die Männer. Sei also, wenn du eine Frau bist, nicht verschnupft, wenn dein Mann sich auf eine Runde Schafkopf mit seinen Freunden trifft, und dann die ganze Nacht nicht heimkommt. Erstens hat er eine Mange Spaß, und zweitens hast du mal Ruhe im Haus. Sei wiederum du als Mann ebenfalls nicht enttäuscht, wenn mal die Frau rausgeht, um mit ihren Freundinnen ebenfalls mal Poker oder Kniffel zu spielen. Am Ende soll jeder schließlich seinen Spaß haben...