Hund und Mensch

Neben Rindern und Schweinen gehören Hunde zu den ältesten domestizierten Haustieren der Welt. Während Schweine und Rinder heutzutage nur noch als sogenannte „Nutztiere“ gehalten werden, hat der Hund den Übergang in die Wohnzimmer seiner Halter geschafft und ist auch aus unserer modernen Gesellschaft als „treuer Gefährte“ nicht mehr wegzudenken.

Domestizierung

Alle unsere Haustiere wurden an einem bestimmten Punkt der Geschichte von unseren Vorfahren aus dem „Wildleben“ in Haus und Hof geholt und domestiziert. Unter der Domestizierung verstehen wir, eine Tierart so zu züchten oder zu erziehen, dass sie „in Gefangenschaft“ leben und sich fortpflanzen kann. Die Gründe solcher Bestrebungen und Mühen waren in erster Linie die Inanspruchnahme der Tiere als Nutztiere oder Nahrungsmittel. Während in China schon sehr früh Schweine gehalten wurden, um dann geschlachtet und gegessen zu werden, hielten Siedler kastrierte Stiere, um dabei zu helfen, Felder zu bestellen und schwere Pflüge oder Lasten zu ziehen. Hunde tauchen in anthropologischen Forschungen zunächst als Jagd- und Hütehelfer auf. Uneinig sind sich Forscher noch über den Zeitpunkt, an dem „der Wolf“ als Haustier domestiziert wurde. Nach aktuellen Studien variiert dieser Zeitpunkt in der späten Eiszeit zwischen von vor 100.000 und 15.000 Jahren. Einig sind sich Experten darüber, dass der Mensch der Vorzeit erhebliche Anstrengungen für dieses Tier in Kauf genommen hat, da Züchter früher wie heute ausgewachsene Wölfe weder domestizieren noch sozialisieren kann... es sei denn, der Züchter hat die Tiere schon im Welpenalter. Um Welpen ohne Muttertiere zu ernähren werden Frauen als sog. „Milchammen“ eingesprungen sein. Während dieser Gedanke heutzutage sehr befremdlich klingt, waren Milchammen in der Vorzeit keine Seltenheit. Dabei beschränkte sich diese „Sitte“ selbstverständlich nicht auf die Aufzucht von Wolfswelpen, sondern zunächst einmal auf Hilfe innerhalb von Stämmen oder Menschengruppen, in denen zum Beispiel eine Frau ihr eigenes Kind nicht ernähren/stillen konnte.

Aus dieser Zeit stammt der Begriff „Milchgeschwister“, bei dem es sich um zwei nicht verwandte Menschen handelt, die zwar nicht von einer Mutter geboren, sehr wohl aber von der gleichen Frau gestillt wurden. An einer Stelle wird also auch ein Wolfswelpe der „Milchbruder“ eines menschlichen Kindes gewesen sein müssen. Diese Theorie wurde erstmals von französischen Anthropologen und Evolutionsbiologen gestellt und sorgte in wissenschaftlichen Kreisen für etwas Diskussion.

Sozialisierung

Viele unserer domestizierten Nutz- und Haustiere sind zwar sehr gut domestiziert, jedoch in keiner Weise sozialisiert. Unter sozialisierten Tieren verstehen wir all die Tierarten, die nicht nur in der Nähe von Menschen leben können, sondern sich dem Menschen auch per se „unterordnen“. Der Hund hat diese Eigenschaft durch ein ähnlich angeordnetes System der Hierarchie innerhalb von Rudeln. Anstelle des „Alphatieres“ eines Rudels setzt der Hund dann seinen Halter, bzw. Besitzer an die Stelle des Rudelanführers. Begünstigt durch den Charakter von Hunden ergeben sich bei diesen sozialen Bildungen sehr dauerhafte und auch enge Beziehungen zwischen Hund und Mensch. Bindungen, die zwar sehr wohl auch bei Katzen oder Pferden vorhanden sein können, jedoch bedingt durch den Charakter der Tiere nicht ganz so tiefgründig erscheinen wie bei Hunden.

Sozialisierung abhängig von „Intelligenz“

Ganz ähnlich wie bei Menschen ist der Grad einer Sozialisierung abhängig von der Intelligenz. Potentiell intelligente Tiere werden sich also sehr viel leichter sozialisieren, als andere „minderbemittelte“ Tierarten. Explizit zu beobachten ist dieses Phänomen neben Hunden insbesondere auch bei Ratten, Raben oder Delphinen. All diese Tiere besitzen eine für das Tierreich überdurchschnittliche Intelligenz.

Vom Hof in die Stadt.

Die ersten menschlichen Siedlungen waren von mehr oder weniger großzügigen Ländereien umgeben, in denen Ackerbau und Viehzucht“ bei der Entwicklung von Gesellschaften eine immer größer werdende Rolle spielte, da größere Gemeinschaften und Stämme oftmals nicht mehr in der Lage waren, sich allein mit jagen und sammeln zu versorgen.

Im frühen Mittelalter fanden sich dann immer mehr „städtische Gemeinschaften“ zusammen, bei denen es jedoch keine Seltenheit war, dass Menschen zwar innerhalb der Städte wohnten, jedoch im Umland dieser Städte Felder bestellten oder dort arbeiteten. Durch die räumliche Begrenzung waren die Einwohner in den frühen Städten nicht in der Lage, so viele Nutztiere zu halten, wie es in ländlichen Gemeinden üblich war. Diese „Tradition“ hat sich quasi bis heute gehalten. Die Wahl Hunde und Katzen mit in die Städte zu nehmen, hat daran gelegen, dass beide Tierarten ihren „Nutztiercharakter“ auch in einer Stadt erfüllen konnten. Während Hunde Häuser und Anwesen „bewachten“, hielten die Katzen die Kornspeicher der Stadt frei von Mäusen und Ratten. Da für Hunde und Katzen auch keine Stallungen nötig waren, konnten die Tiere leicht direkt in den Wohnquartieren ihrer Besitzer unterbringen.

Obwohl in mittelalterlichen Städten auch Pferde, Schweine, Gänse und Hühner innerhalb der Stadtmauern gehalten wurden, sind in heutiger Zeit tatsächlich nur „Hund und Katz“ übriggeblieben – wenn von Kanarienvögeln und Reptilien und Fischen abgesehen wird, die auch in kleineren Käfigen, bzw. Aquarien oder Terrarien gehalten werden können. Auf den Straßen unserer Städte werden wir „freilaufend“ allerdings wirklich nur Hunden oder Katzen den Weg kreuzen. Die meisten dieser „Freigänger“ werden auch einen Besitzer haben, zu dem sie während der Futterzeiten zurückkehren. Verwilderte Hunde und Katzen können Städte und Gemeinden vor einige Probleme stellen, da sich insbesondere Hunde, ganz im Geiste ihrer Vorfahren, den Wölfen, zu Rudeln zusammenrotten und niemand ein solches, wildes Hunderudel hinter sich her trabend haben möchte, wenn der Einkäufer mit den Einkäufen vom Wochenmarkt auf dem Weg nach Hause ist. Auch wenn nur selten Gefahr für Leib und Leben besteht, so ist eine solche Hundemeute durchaus in der Lage, die Forderung sehr deutlich zu vermitteln, doch bitte die eben beim Schlachter gekauften Hühner und Schnitzel herauszurücken.

Hin und wieder werden solche Hunde zu Problemen. 2012 wurden in mehreren ukrainischen Städten freilaufende Hunde eingefangen und auch getötet, um „der Welt“ ein optimales Bild anlässlich der Fußball-EM zu bieten. Vereinzelt protestierten Tierschutzorganisationen ganz massiv gegen solche Tötungsaktionen. Generell können Tierschützer leider jedoch davon ausgehen, dass solche Aktionen immer dann stattfinden, sobald eine Stadt oder Region anlässlich eines besonderen Events einen vermehrten Zulauf an internationalen Besuchern erfährt. Dies ist auch ein Phänomen von ärmeren Ländern oder Regionen, in denen sich in der normalen Infrastruktur keine Tierheime oder ähnliche, meist aus privaten Spenden finanzierte, Einrichtungen um freilaufende Haustiere kümmern.

In westlichen und wohlhabenderen Gesellschaften sind nicht nur freilaufende Hunderudel eher selten – selbst „Hundehaufen“ hat unsere Gesellschaft den Krieg erklärt. Vor wenigen Jahrzehnten gehörten Hundehaufen auf den Gehwegen noch ebenso zu einem „urbanen Siedlungsgebiet“ wie Ratten auf den Hinterhöfen. Heute geht das alles nicht mehr. Hundebesitzer sind angehalten die Haufen mittels kleiner Plastiktütchen einzusammeln und dann in Mülltonnen zu entsorgen.

Das ist für Fußgänger zwar durchaus wünschenswert, klammert den „Hundehaufen“ als urbanes Kulturgut allerding endgültig aus. Damit wären die Ratten auf unseren Hinterhöfen das praktisch einzige „kulturell-tierische Mitbringsel“, welches wir über die Jahrhunderte in unseren Städten aus dem Mittelalter erhalten haben. Wir können nun alle darüber nachdenken, ob wir lieber Hundehaufen auf den Gehwegen oder Ratten neben den Mülltonnen hätten?

Vermenschlichung unserer Haustiere.

Nachdem Hunde und auch Katzen keine Eigenschaften oder Aufgaben von „Nutztieren“ mehr übernehmen mussten, verzichteten Tierhalter nicht auf das Halten dieser Tiere. Hunde und auch Katzen glitten über in den Status der „Schoßtiere und Gefährten". Sprich Tiere, die mehr und mehr in den Rang eines Familienmitgliedes glitten und je nach sozialer Position des Besitzers die Rolle von „leiblichen Kindern“ einnahmen und auch heute noch einnehmen. Insbesondere ältere oder sozial ausgegrenzte Menschen klammern sich an Hunde und Katzen als Ersatz für fehlende soziale Kontakte. In der Generation von „Single Haushalten“ ist so eine soziale Rolle keinesfalls zu unterschätzen.

Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass bei einer so starken sozialen Bindung von Halter und Haustier das Tier im „Rang“ aufsteigt und vom Besitzer weniger als Tier angesehen wird, sondern vielmehr als „Gefährte“.

Dass damit alle Hunde und Katzen in unseren Wohnungen mehr oder weniger wohlklingende Namen tragen, ist selbstverständlich. Fast jedes dieser Tiere besitzt auch sein oder ihr „Plätzchen“, Decke, Spielzeuge oder ähnliche Liebenswürdigkeiten. Damit nicht genug: Über Tierärzte werden auch „Ausweispapiere“ für die Vierbeiner ausgestellt, die in erster Linie als Nachweis für durchgeführte Impfungen gedacht sind, um zum Beispiel bei Auslandsreisen eine Quarantäne zu vermeiden. Inzwischen wurde auch ein Chip eingeführt, auf dem Informationen zum Besitzer gespeichert sind. Damit lassen sich entlaufene Tiere schneller einem Besitzer zuordnen. Tierarztpraxen und auch Tierheime besitzen die Möglichkeit, diese Chips auszulesen. Hunde werden zudem noch im Steuerregister erfasst und Besitzer führen eine Hundesteuer ab, für die jeder Hund eine Steuermarke erhält, die zumeist am Halsband getragen wird und mancherorts jährlich in Randfarbe und Form variiert, um „alte abgelaufene Marken“ schneller erkennen zu können.

Hundebesitzer kritisieren die Hundesteuer in regelmäßigen Abständen und fordern ebenso eine Besteuerung von Katzen.

In der Tat bröselt die politische Begründung der Hundesteuer langsam weg, denn ursprünglich argumentierten Kommunen und Gemeinden für die Steuerabgabe mit dem potentiellen Mehraufwand der Reinigung von Straßen und öffentlichen Parkanlagen durch Verschmutzungen der „Hundehaufen“. Nun, da Hundehalter selbst angehalten sind, diese Häufchen mit Schaufel und Tütchen zu entsorgen, hinkt das Argument der Straßenreinigung. Eine etwaige Abschaffung der Hundesteuer ist allerdings noch nicht einmal ansatzweise im Gespräch. Sie bleibt uns, bzw. den Hundehaltern vermutlich auch weiterhin im vollen Umfang erhalten.

Wo eine Steuer greift, dürfen Versicherungsunternehmen nicht fehlen. Nicht wenige Versicherungen bieten inzwischen die unterschiedlichsten Versicherungen für Hunde an und sichern damit Haftpflichtschäden oder andere „kleinere Scherereien“ des Alltages weitestgehend ab. Inwieweit solche Versicherungen tatsächlich notwendig sind, bliebe der Geistesgegenwärtigkeit des Hundehalters überlassen. Vertreter und Repräsentanten solcher Versicherungen malen gern den vierbeinigen Teufel an die Wand. Dass es jedoch sehr maßgebliche Unterschiede bei Hunderassen gäbe, die eine potentielle Schadenskapazität des Dackels einer Rentnerin im Vergleich zum Potential eines großen Schäferhundes weit unter den Scheffel stellt, sollten Tierhalter beim Abschluss solcher Versicherungen im Auge behalten. Insofern benötigen Rentnerdackel vermutlich auch nicht die gleiche Abdeckung einer möglichen Schadenssumme wie ein mies gelaunter Dobermann. Ohne die Redlichkeit eines Versicherungsvertreters in Frage zu stellen, sollte bei einem Beratungsgespräch also zwingend die Frage gestattet sein, ob und welche Unterschiede die Versicherung bei verschiedenen Hunderassen anbietet und ob und wie etwaige Unterschiede in der Haltung in einem Vertrag berücksichtigt werden.

Artgerechte Haltung

Ein weiterer Diskussionspunkt bei Hunden wie Katzen wäre eine „artgerechte Haltung“, die immer dann am meisten in den Hintergrund gerät, wenn Tiere eher als Familienmitglieder gelten als Mäusefänger oder Schoß- und Schnuffelhund. Obwohl emotionale Zuwendung den Tieren ganz sicherlich nicht schadet, kann die Zuneigung schon relativ bizarre Formen annehmen, bei denen Tierschützer mit Blick auf das Tierwohl nicht selten mit der Stirn runzeln. Regenjacken, Schneeschuhe oder komplett eingerichtete Spielzimmer sind sicherlich keine Dinge, die Hunde oder Katzen für ein Wohlbefinden dringend benötigen.

Obwohl Stadtwohnungen per se ein vergleichsweise unvorteilhafter Ort sind, Tiere artgerecht zu halten, kann ein Stichwort festgehalten werden: Beschäftigung mit dem Tier. Während Hunde sehr vermutlich schnell auf die Idee kommen, das Revier, respektive die Wohnung zu „bewachen“, so werden Katzen vermutlich auf ihren Jagdtrieb verzichten müssen, da die meisten Stadtwohnungen keine Speisekammern beherbergen, in denen die Mäuse von den Regalen baumeln. Spielzeuge und Spiele mit Katzen, in denen die Tiere diese Jagd- und Reaktionsfertigkeiten ein wenig austoben können, würden genau genommen einer artgerechten Haltung entsprechen... selbst dann, wenn die Katze bunten Schaumstoffbällen nachsetzt. Je nach Tierart werden sich auch bei Züchtern oder den Mitarbeitern vom Tierfachhandel oft wertvolle Tipps erfragen lassen können. Nachfragen böten sich allein deswegen an, da Hundehalter in diesen Läden ohnehin regelmäßig Futter, Katzenstreu, Leinen oder Spielzeuge einkauft.

Ein weiterer Punkt für das „artgerechte“ Halten wäre, das richtige Tier für den richtigen Menschen zu finden. Zukünftige Tierhalter sollten sich also möglichst schon vor der Anschaffung eines Tieres die Frage stellen, welche Tierart und ggf. welche Rasse am besten zu den Lebensumständen und Lebensgewohnheiten „passt“. Die Frage, ob Hund, Katze oder Goldfisch wird sich hier schon in den meisten Fällen erübrigt haben, da kaum jemand, der Katzen liebt, mit einem Mops oder Dackel aus dem Tierladen kommen wird. Sehr wohl wird so eine Frage wichtig, wenn Menschen sich mit dem Gedanken trügen, ein Tier verschenken zu wollen. Oma Lieschen, die ihr ganzes Leben lang Katzen gehabt und geliebt hat, wird sich vermutlich eher weniger über einen Schäferhund freuen. Diese Überlegungen klingen etwas lächerlich, werden allerdings für viele Tierheime in der Urlaubszeit zu einer sehr tragischen Realität. Immer dann, wenn Tiere anlässlich irgendwelcher Feiertage gekauft und verschenkt und zur Urlaubszeit wieder ausgesetzt werden. Sehr viel Leiden der Tiere ließe sich vermeiden, wenn die Menschen sich schon beim Kauf des Tieres der Verantwortung bewusst wären. Katzen und ganz insbesondere Hunde werden sich dem neuen Besitzer nicht nur vollständig unterwerfen, sondern sich auch auf dessen „Liebe und Zuneigung“ blind verlassen. Es wäre wünschenswert, wenn alle Tierbesitzer sich dieser Rolle klar sind und das Tier dann auch mit dem nötigen „Respekt“ behandeln.

Je größer und bewegungsintensiver ein Tier ist, desto mehr wird eine 2-Zimmer-Etagenwohnung ein ungünstiger Ort für die Haltung sein. Trotzdem können auch große Hunde in so einer Umgebung „glücklich“ leben – vorausgesetzt, der Besitzer sorgt für einen ansprechenden Ausgleich und Gelegenheiten für die Bewegung, die das Tier braucht. Vielerorts gibt es „Hundeplätze“, an denen sich Hundebesitzer treffen, um ihre Tiere toben zu lassen. Nicht selten werden diese Plätze von Vereinen getragen, die bestimmte Hunderassen vereinen und auch Trainings für die Tiere anbieten.

Ist Hundetraining sinnvoll?

Spätestens wenn in einer Parkanlage ein ungeleinter Dobermann auf einen zugaloppiert wie ein Schlachtross und der Besitzer freudig mit den Armen wedelnd verkündet, dass man keine Angst zu haben bräuchte, weil der Hund „nur spielen“ wolle, wünscht sich der Angaloppierte eine Pflicht, die Hundehalter in die Lage versetzt, ihre Tiere auch ohne Leinen „unter Kontrolle“ zu haben. In der Tat ist das bei Hunden gleich welcher Rasse und Natur sehr wohl möglich.

Diese „Lernfähigkeit“ von Hunden ist weder neu, noch wesentlich begrenzt. In den Anfängen der Domestizierung werden Jäger ihre vierbeinigen Jagdhelfer dazu erzogen haben, die „Beute“ zu teilen oder abzugeben. Ein Verhalten, welches bei Tieren keinesfalls natürlich ist. In weiteren Entwicklungen dienten Hunde auch sehr erfolgreich in Armeen oder bei den Römern auch als kämpferische Attraktion der grausamen Zirkus-Aufführungen. Zu diesem Zweck wurden sehr massive Hunde gezüchtet, deren Haut und Fell so „dick und faltig“ war, dass Gegner große Probleme hatten, diese Hautschichten so schwer zu verletzen, dass darunterliegende Gefäße oder Organe beschädigt würden. Heute nehmen Zuchtverbände an, dass die Rasse MastinoNapoletano ein direkter Nachfahre dieser römischen Gladiatoren- und Kriegshunde der Rasse Molosser ist. Molosser wurden von den Römern in Feldzügen ebenso eingesetzt, wie bei Kämpfen gegen Menschen und Tiere in den Arenen der römischen Republik.

Später nahm die Bedeutung von „Kriegshunden“ deutlich ab. Im ersten Weltkrieg 1914-1918 benutzte die ArmeeHunde auf den Schlachtfeldern Europas noch als „Meldegänger“ bzw. der Überbringung von schriftlichen Nachrichten oder kleinen Ausrüstungsgegenständen.

Heute stehen Hunde noch im Dienst von Polizei, Katastrophenschutz und privaten Sicherheitsunternehmen. Neben dem Auftrag, Gefahren oder Angreifer abzuwehren haben die Diensthunde zumeist die Aufgabe an Flughäfen oder Grenzen nach verbotenen oder gefährlichen Substanzen zu „schnüffeln“ oder in Krisenregionen in Trümmern nach Überlebenden zu suchen. Die Erfolgsquote solcher Hunde ist sehr hoch, so dass ein „Ersatz“ dieser Hundestaffeln in nächster Zeit nicht zu erwarten ist.

Privat gehaltene Hunde werden nicht so abgerichtet und trainiert sein müssen, Sprengstoffe oder Drogen zu finden. Sehr wohl aber, ihren Besitzer unter Umständen zu verteidigen oder auch ganz einfach nur, sich auch ohne Hundeleine „führen“ zu lassen.

Verschiedene Hundeschulen oder freie Hundetrainer bieten Kurse an, in denen Besitzer mit ihren Hunden solche einfachen Kommandos in der Freizeit spielerisch erlernen. Neben wirklich nützlichen Kommandos und „Tricks“ haben solche Hundetrainer nicht selten ein besonderes Augenmerk auf das „Verständnis“ von Hund und Besitzer. Auch bei schwierigen Hunden oder sehr lebhaften Tieren wird sich der alltägliche Umgang nach solchen Kursen sehr wahrscheinlich erheblich verbessern. Gerade bei größeren oder potentiell aggressiv wirkenden Hunderassen sind solche Kurse ein guter Garant für die Sicherheit von Mensch und Tier. Vor wenigen Jahren gab es eine größere Debatte, um die Haltung von sogenannten „Kampfhunden“ und die damit verbundenen Gefahren für einfache Passanten. In der Debatte wurde von „Hundeführerscheinen“ gesprochen, mit denen die erfolgreiche Teilnahme an solchen Hundekursen gemeint war, in welchen die Besitzer lernen, ihre Hunde auch in kritischen Situationen ohne Leine zurückzurufen. Anstelle so einer sinnvollen Methode einigte sich der Gesetzgeber schließlich auf das Einfuhr- und Verkaufsverbot der betroffenen Hunderassen, bzw. von Bundesland zu Bundesland unterschiedlichen Auflagen wie Leinen- und Maulkorbpflicht. Zwar ist es richtig, dass solche Kampfhunde über Kräfte und Charakter verfügen, von denen die Öffentlichkeiteine größere Gefahr erwarten könnte; grundsätzlich wäre jedoch jeder „größere“ Hund in der Lage, Menschen erhebliche Verletzungen zuzufügen und auch von den Besitzern entsprechend abgerichtet zu werden. In diesem Zusammenhang ist es für den Besitzer wichtig zu wissen, dass aggressive Hunde, bzw. Hunde, die Passanten anfallen und beißen, zunächst von der Polizei in ein Tierheim verbracht werden und dort auf eine richterliche Verfügung sehr wahrscheinlich getötet/eingeschläfert werden. Wer seinen Hund liebt und behalten möchte, sollte also flugs darauf achten, dass dieser Hund keine Briefträger um den Block jagt und beißt. Für kleine und große Hunde, die einen etwas übermütigen oder vielleicht auch spielerisch-angriffslustigen Charakter verfügen, wird ein Hundekurs sicher nicht nur sinnvoll sein, sondern auch dem Besitzer Freude bereiten, Zeit mit seinem vierbeinigen Liebling zu verbringen. Der schöne Nebeneffekt solcher Kurse ist, dass die Halter in der Lage ist, wirklich wohl erzogene Hunde zu haben, deren Fähigkeiten wirklich beeindrucken können. Wir stellen uns einfach „seinen Hund“ vor, der vor einem Supermarkt auch ohne Leine sitzen bliebe, ohne mit fremden Menschen mitzugehen, oder einer Meute Katzen nachzujagen, die ihm eine Nase drehen. Genau solche Dinge lernen Hund und Halter in diesen Hundekursen. Gute Hundetrainer legen auch viel Wert darauf, diesen Gehorsam nicht mit einer kruden „Unterdrückung“ des Hundes zu erreichen, sondern viel mehr durch ein gestärktes Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Mensch. Solche Kurse sind nicht kostenlos und in den meisten Fällen auch nicht billig. Unter Umständen können Hundebesitzer über Hundevereine etwas günstiger an solche Kurse kommen. Sicher werden Tierheime wissen, welcher Hundetrainer oder Verein solche Kurse in der Region oder Stadt anbietet. 

Quellen:

Viele Passagen des Textes wurden nach Rücksprache mit Anthropologen des Landesmuseums Schleswig-Holstein erstellt.

Gladiatorenhunde:http://fci.be/Nomenclature/Standards/197g02-de.pdf

Domestizierung:https://www.aktiontier.org/themen/haustiere/haushunde/hunde-als-haustiere/domestizierung-des-hundes/

https://www.spiegel.de/consent-a-?targetUrl=https%3A%2F%2Fwww.spiegel.de%2Fwissenschaft%2Fnatur%2Fevolution-wie-der-wolf-zum-hund-wurde-a-1158578.html&ref=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/ein-alter-hund/

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