Leihoma & Leihopa: Wie man ohne eigene Enkel zu Großeltern wird

Aus dem Garten deiner Nachbarn schallt Kinderlachen, wenn die Enkel zu Besuch sind. Freunde, die dir von Kindergeburtstagen, Schuleinführungen und den Freuden des Enkel-Verwöhnens berichten, erinnern dich daran, was du auch gern hättest; doch sind deine eigenen Kinder und Enkel zu weit weg und ihr könnt euch nicht regelmäßig besuchen; oder du siehst ihren neuen Status auf Facebook und kannst nicht direkt an ihren Leben teilhaben. Vielleicht hast du gar keine Enkel, wünschst dir aber trotzdem Kontakt zu jüngeren Menschen und vor allem Kindern? Dann überlege dir doch mal, ob für dich bzw. euch (ja, das geht auch als Paar!) ein Engagement als Leihoma bzw. Leihopa in Frage kommt.

Das Konzept

Viele Menschen fühlen im Alltag einsam, wenn Familie und Freunde fehlen oder zu weit entfernt wohnen. Die eigenen Kinder oder gar Enkel sind schon erwachsen und man vermisst das fröhliche Kindertreiben. Zudem hätten viele gern einfach mehr Familienanschluss. Umgekehrt gibt es aber auch eine Vielzahl von Familien mit Kindern, bei denen die Großeltern ebenfalls zu weit weg wohnen oder nicht mehr da sind. Die Lebenserfahrung und auch die Geduld, die Großeltern mitbringen, sollte ein Kind dennoch erfahren dürfen.
Die Wünsche beider Seiten können zusammengebracht werden, sodass eine wie im Business so genannte Win-Win-Situation entsteht. Bundesweit bringen Portale wie Leihomas-Leihopas und Granny als Nanny Familien und (oft) Ehrenamtliche zusammen.

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©Bild von bbernard/shutterstock_1034694055 auf Alterix

Was tun Leihoma & Leihopa?

Salopp gesagt: du machst all das, was eine Oma und ein Opa eben mit ihren eigenen Enkeln so machen:

  • Gemeinsam spielen

  • In den Zoo gehen

  • Im Garten werkeln

  • Beim ersten Liebeskummer oder bei schlechten Schulnoten trösten

  • Bei den Vorbereitungen für den Kindergeburtstag helfen

  • Und vieles mehr!

Du hast ein offenes Ohr für die Sorgen und für die Freuden der Kinder und nimmst Anteil an deren Leben – eben gerade so, wie man es sich von „richtigen“ Großeltern auch vorstellt und wünscht. Ihr steht in einem guten Verhältnis zu den Eltern und übernehmt hin und wieder die Kinderbetreuung - vielleicht auch mit hochgelobter großmütterlicher Küche.

Als Leihoma oder Leihopa wirst du im Idealfall zu einem Teil der Familie. Du bist mehr als Babysitter oder Tagesmutter, die man bei Bedarf engagiert oder die auf Abruf bereitsteht und nach getaner Arbeit wieder nach Hause zurückkehrt. Erst recht bist du mehr als eine Haushaltshilfe! Wie eine echte Oma oder ein echter Opa freust du dich über Besuche deiner Enkelkinder und tauchst auch mal auf, wenn kein besonderer Termin zum Betreuen ansteht. Das ist der Familienanschluss, den du als Leihoma oder Leihopa genießt! Dein Einsatz ist in den allermeisten Fällen ehrenamtlich, denn gute zwischenmenschliche Beziehungen und echte Wärme sind eben nicht käuflich! Natürlich gibt es auch Leihomas und Leihopas, die kommerziell arbeiten. Wie du das handhaben möchtest, liegt ganz bei dir.

 

Was es zu klären gibt

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©Bild von OLIINYK INNA/shutterstock_583416112 auf Alterix

Bist du die Leihoma oder der Leihopa eines Kindes, dann sind dessen Eltern nicht deine eigenen Kinder oder Schwiegerkinder. Stattdessen wollt ihr aus zwei interessierten Parteien eine Art von familiären Beziehungen neu zusammenstellen.

Ein besonderer Faktor: Seine eigene Verwandtschaft kann man sich nicht aussuchen, aber die Zielfamilie sehr wohl! Nimm dir oder nehmt euch – falls du mit Partner/in die Mission Großeltern angehst – also in Ruhe Zeit fürs Kennenzulernen mit der neuen Familie und um zu schauen, ob die Chemie stimmt und ob ihr euch eine Art familiäre Bindung vorstellen könnt.

Vertrauen und Sympathie sind entscheidend!

Ihr solltet euch sicher sein, dass es passt, denn echte Großeltern und echte Enkel würde man kaum austauschen. So ist die Bindung von Leihgroßeltern mit ihren Leihenkeln und der dazugehörigen Familie eben auch eine sehr langfristige: Vermutlich sogar so langfristig, dass du noch die Kinder deines Leihenkels kennenlernen wirst.
Natürlich ist die stimmige Chemie zwischen dir und deinem zukünftigen Enkel sehr wichtig, aber vergiss nicht: Du bekommst die ganze Familie! Somit spielen auch die Eltern eine wichtige Rolle: Die Eltern haben ihre eigenen Auffassungen in Erziehungsfragen und auch wenn Omas und Opas in dem Ruf stehen, gern einmal zu verwöhnen, sollte im Bedarfsfall auch Wichtiges besprochen werden, wenn du irgendwo größere Unstimmigkeiten vermutest. Denn in Erziehungsfragen gilt es mit den Eltern an einem Strang zu ziehen. Selbstverständlich steht es dir frei, kleinere Entscheidungen selbst zu treffen. Ebenso kannst du abklären, ob du einen Fahrtkostenzuschuss bekommst. Schließlich „arbeitest“ du üblicherweise unentgeltlich. Aber egal, ob gegen Bezahlung oder nicht: Ein weitere wichtige Frage kommt auf dich zu; dein Engagement solltest du dir auch versicherungs- und organisatorisch abklären:

  • Wie sieht es mit der Haftung als Betreuungsperson aus? Nicht nur die Haftpflicht, sondern auch die Unfallversicherung?

  • Hast du Recht auf Auskunft seitens der Behandlers, wenn du das Kind zu einem Arzt begleitest?

  • Darfst du es von der Schule abholen?

All diese Fragen besprichst du am besten mit den Eltern, bevor der Fall eintritt. Auch die Vermittlungsstelle hilft gern mit Auskünften weiter.

 

Wie starte ich als Interessent?

Vielleicht gibt es in deinem näheren Umfeld oder in der Nachbarschaft eine Familie, die eine Leihoma oder einen Leihopa sucht. Vielleicht kümmerst du dich im Rahmen normaler Nachbarschaftshilfe bereits hin und wieder um die Kleinen. Das sind Voraussetzungen, das Engagement leicht ausweiten, wenn das Band zwischen euch nicht ohnehin schon von allein wächst.

Ansonsten gibt es eventuell an diversen Schwarzen Brettern der Stadt ein „Oma/Opa-Gesuch“. Frage auch bei kirchlichen Einrichtungen, in Gemeindezentren, der Diakonie, Mütterzentren oder auch dem Bürgerbüro deines Ortes nach! Denn viele Städte haben Vermittlungsmöglichkeiten für die verschiedensten Ehrenämter. Darüber hinaus stehen dir bundesweite spezialisierte Portale zur Verfügung. Organisationen wie care.com  betreiben in Deutschland und Österreich Websites mit Angeboten und Anfragen. Eventuell stellst du in den Kleinanzeigen deiner Zeitung oder lokalen Anzeigenblattes ein Inserat ein. Der Weg zur Leihoma oder zum Leihopa ist definitiv frei!

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