Autor : Michael
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Leihoma & Leihopa: Wie man ohne eigene Enkel zu Großeltern wird

Vielleicht blickst du mit etwas Neid und Wehmut auf deine Nachbarn und Freunde, aus deren Garten häufig Kinderlachen schallt, wenn die Enkel zu Besuch sind. Freunde, die dir immer wieder von Kindergeburtstagen, Schuleinführungen und den Freuden des Enkel-Verwöhnens berichten, erinnern dich an alles, was du gern hättest. Doch leider sind deine eigenen Kinder und Enkel zu weit weg und ihr könnt euch nicht regelmäßig besuchen. Du siehst lediglich ihren neuen Status auf Facebook und kannst nicht direkt an deren Leben teilhaben, wobei dies natürlich oft noch besser ist als gar nichts. Oder vielleicht hast du gar keine Enkel, wünschst dir aber trotzdem Kontakt zu jüngeren Menschen und vor allem Kindern? Dann überlege dir doch mal, ob für dich bzw. euch (ja, das geht auch als Paar!) ein Engagement als Leihoma bzw. Leihopa in Frage kommt.

Das Konzept

Viele Menschen sind im Alltag recht einsam, wenn Familie und Freunde fehlen oder zu weit entfernt wohnen. Die eigenen Kinder oder gar Enkel sind schon erwachsen und man vermisst das fröhliche Kindertreiben. Zudem hätten viele gern einfach mehr Familienanschluss. Umgekehrt gibt es aber auch eine Vielzahl von Familien mit Kindern, bei denen die Großeltern ebenfalls zu weit weg wohnen oder gar nicht mehr da sind. Die Lebenserfahrung und auch die Geduld, die Großeltern mitbringen, sollte ein Kind dennoch erfahren dürfen.
Die Wünsche beider Seiten können zusammengebracht werden, sodass für alle eine Win-Win-Situation entsteht. Bundesweit bringen Portale wie Leihomas-Leihopas und Granny als Nanny Familien und (oft) Ehrenamtliche zusammen.

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Was tun Leihoma & Leihopa?

Salopp gesagt: Du machst all das, was eine Oma und ein Opa eben mit ihren eigenen Enkeln so machen:

  • Gemeinsam spielen
  • In den Zoo gehen
  • Im Garten werkeln
  • Beim ersten Liebeskummer oder bei schlechten Schulnoten trösten
  • Bei den Vorbereitungen für den Kindergeburtstag helfen
  • Und vieles mehr!

Du hast ein offenes Ohr für die Sorgen und für die Freuden der Kinder und nimmst Anteil an deren Leben – eben gerade so, wie man es sich von „richtigen“ Großeltern auch vorstellt und wünscht. Ihr steht in einem guten Verhältnis zu den Eltern und übernehmt hin und wieder die Kinderbetreuung- mit viel Glück auch mit hochgelobter großmütterlicher Küche.

Als Leihoma oder der Leihopa wirst du im Idealfall zu einem Teil der Familie. Du bist mehr als Babysitter oder Tagesmutter, die man bei Bedarf engagiert oder die auf Abruf bereitsteht und die man nach getaner Arbeit wieder nach Hause zurückkehrt. Erst recht bist du mehr als eine Haushaltshilfe! Wie eine echte Oma oder ein echter Opa, freust du dich über Besuche deiner Enkelkinder und tauchst selbst natürlich auch mal auf, wenn kein besonderer Termin zum Betreuen ansteht. Das ist der Familienanschluss, den du als Leihoma oder Leihopa genießt! Dein Einsatz ist in den allermeisten Fällen ehrenamtlich, denn gute zwischenmenschliche Beziehungen und echte Wärme sind eben nicht käuflich! Natürlich gibt es auch Leihomas und Leihopas, die kommerziell arbeiten. Wie du das handhaben möchtest, liegt ganz bei dir.

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Was es zu besprechen gibt

Bist du die Leihoma eines Kindes, dann sind dessen Eltern nicht deine eigenen Kinder oder Schwiegerkinder. Stattdessen wollt ihr aus zwei interessierten Parteien eine Art von familiären Beziehungen neu zusammenstellen. Die gute Nachricht: Man kann sich seine eigene Verwandtschaft nicht aussuchen, aber die Zielfamilie sehr wohl! Das gilt somit auch in deinem Fall. Nimm dir oder nimmt euch – falls du mit Partner/in die Mission Großeltern angehst – also in Ruhe Zeit fürs Kennenzulernen mit der neuen Familie und um zu schauen, ob die Chemie stimmt und ob ihr euch eine Art familiäre Bindung vorstellen könnt. Vertrauen und Sympathie sind entscheidend! Ihr solltet euch sicher sein, dass es passt, denn echte Großeltern und echte Enkel würde man kaum austauschen. So ist die Bindung von Leihgroßeltern mit ihren Leihenkeln und der dazugehörigen Familie eben auch eine langfristige: Vermutlich so langfristig, dass du noch die Kinder deines Leihenkels kennenlernen wirst.
Natürlich ist die stimmige Chemie zwischen dir und deinem zukünftigen Enkel sehr wichtig, aber vergiss nicht: Du bekommst die ganze Familie! Somit spielen auch die Eltern eine wichtige Rolle: Die Eltern werden ihre eigenen Auffassungen in Erziehungsfragen haben und auch wenn Omas und Opas in dem Ruf stehen, gern einmal zu verwöhnen, sollte lieber möglichst Wichtiges besprochen werden, wenn du irgendwo größere Unstimmigkeiten vermutest. Denn in Erziehungsfragen gilt es, mit den Eltern an einem Strang zu ziehen. Selbstverständlich kannst du kleinere Entscheidungen aber auch selbst treffen. Ebenso kannst du abklären, ob du einen Fahrtkostenzuschuss bekommst. Schließlich „arbeitest“ du üblicherweise unentgeltlich. Egal, ob gegen Bezahlung oder nicht: Ein weiterer wichtiger Aspekt kommt zusätzlich auf. Dein Engagement solltest du dir auch versicherungstechnisch abklären lassen:

  • Wie sieht es mit der Haftung als Betreuungsperson aus? Nicht nur die Haftpflicht, sondern auch die Unfallversicherung?
  • Hast du das Recht auf Auskunft, wenn du das Kind zu einem Arzt begleitest?
  • Darfst du es einfach so von der Schule abholen?

All diese Fragen besprichst du am besten zunächst mit den Eltern. Auch die Vermittlungsstelle hilft gern mit Auskünften weiter.

An wen wenden sich Interessenten?

Vielleicht gibt es in deinem näheren Umfeld oder in der Nachbarschaft eine Familie, die eine Leihoma oder einen Leihopa sucht. Vielleicht kümmerst du dich im Rahmen normaler Nachbarschaftshilfe bereits hin und wieder um die Kleinen. Bei solchen Bedingungen könnte man leicht das Engagement ausweiten, wenn das Band zwischen euch nicht ohnehin schon von allein wächst. Ansonsten gibt es eventuell an diversen Schwarzen Brettern der Stadt ein „Oma-Gesuch“. Frage auch ruhig bei kirchlichen Einrichtungen, in Gemeindezentren, in der Diakonie, in Mütterzentren oder auch dem Bürgerbüro Deiner Stadt nach! Denn viele Städte haben Vermittlungsmöglichkeiten für die verschiedensten Ehrenämter. Ansonsten stehen dir immer noch bundesweite spezielle Portale zur Verfügung oder du stellst in den Kleinanzeigen deiner Zeitung eine Anzeige ein. Der Weg zur Leihoma oder zum Leihopa ist definitiv frei!